Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nicht nur Qualität, sondern auch Quantität - Risikomanagement auf Finanzmärkten

10.11.2008
Mathematiker des Weierstraß-Instituts berechnen anhand von Modellen das Risiko auf Finanzmärkten und können so die Fehlbewertung von Finanzprodukten verhindern helfen - wenn die Banker auf sie hören.

Die Ursache der aktuellen Finanzkrise liegt in der Fehlbewertung von Kreditderivaten - so die Meinung von Experten. In der Regel ist es sehr schwierig, den "richtigen" Preis für ein Finanzprodukt anzugeben. Bei den komplexen Methoden zur Preisbewertung können leicht Fehler auftreten, die dann zu einem komplett falschen Bild führen. Mathematiker entwickeln daher neue Methoden, um zu einer zuverlässigen Bewertung zu kommen. So lassen sich Risiken im Vorhinein besser abschätzen.

Denis Belomestny ist ein besonnener Mensch, er neigt nicht zum Zocken. Was in letzter Zeit auf den Finanzmärkten geschehen ist, überrascht den genauen Beobachter nicht. Schon länger entwickeln die Mathematiker des Weierstraß-Instituts für Angewandte Analysis und Stochastik (WIAS) Modelle, mit denen sie das Risiko beim Handeln mit Derivaten genau abschätzen können. Belomestny erläutert: "Das Problem ist, dass meist eine konkrete Zahl für den Wert eines Finanzprodukts angegeben wird. Wir brauchen aber auch die Information, wie sicher diese Bewertung ist - nur so kennt man das Risiko."

Im Rahmen des Sonderforschungsbereichs "Ökonomisches Risiko", der von der Humboldt-Universität koordiniert wird, beschäftigt sich Denis Belomestny mit der zuverlässigen Bewertung von verschiedenen Finanzprodukten. Solch eine Bewertung soll mit der Konstruktion einer unteren und einer oberen Schranke begleitet werden, meint er. Diese Konstruktion ist für hochdimensionale Finanzmodelle sowohl mathematisch als auch numerisch sehr anspruchsvoll, daher wurden diese Angaben bisher vernachlässigt. Liegen die untere und obere Schranke sehr weit auseinander, ist die Preisbewertung nicht sehr sicher, denn die mögliche Abweichung ist groß. Wenn jedoch die obere und untere Schranke dicht beieinander liegen, ist eine relativ sichere Preisbewertung möglich. Den Bereich zwischen den beiden Schranken nennen die Mathematiker Konfidenzintervall - innerhalb dieses Bereichs liegt der "richtige" Preis.

Ein weiteres bislang zu wenig beachtetes Problem ist die Kalibrierung. Ein Modell kann zwar theoretisch die Realität sehr gut beschreiben; sind die Parameter jedoch nicht richtig gewählt, liefert selbst das beste Modell falsche Ergebnisse. "Es stimmt dann zwar die Qualität, es fehlt jedoch die nötige Quantität", beschreibt Denis Belomestny das Problem. Er vergleicht sein Modell daher mit dem Markt, um möglichst realistische Werte für die Parameter zu erhalten. Das Risiko einer Fehlkalibrierung ist umso größer, je weniger Vergleichsdaten ihm zur Verfügung stehen - dies schlägt sich in einem großen Konfidenzintervall nieder.

Belomestny möchte mithilfe seiner Ergebnisse ganz konkrete Handlungsanweisungen für die Akteure auf den Finanzmärkten entwickeln. Die ermöglichen es zum Beispiel Banken, ihre Risiken genauer zu kalkulieren und sich so nicht zu verspekulieren. Dieses Potenzial haben die Banken erkannt: Das WIAS erhält regelmäßig Anfragen zur Verifizierung von Preisbewertungen.

Doch eines setzen die Modelle von Denis Belomestny voraus: Den kühlen Kopf des Mathematikers bei der Umsetzung. Wenn es auf dem Börsenparkett heiß hergeht, lassen sich Banker nur allzu leicht zum Übermut hinreißen, wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat.

Kontakt:
Dr. Torsten Köhler
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik (WIAS)
Mohrenstraße 39
10117 Berlin
Tel.: (030) 20372 582
E-Mail: koehler@wias-berlin.de

Gesine Wiemer | idw
Weitere Informationen:
http://www.wias-berlin.de
http://www.fv-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitslosigkeit sinkt verhaltener
27.07.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet
20.07.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie