Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nichtforschungsintensive Industriebereiche sind wichtig für inländische Arbeitsplätze und Wettbewerb

26.04.2011
Nichtforschungsintensive Industrien haben eine hohe Bedeutung für die inländische industrielle Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland.

Bislang galten diese Bereiche im Vergleich zu Bereichen mit intensiver Forschung und Entwicklung in der Wirtschafts- und Innovationspolitik als weniger bedeutsam hinsichtlich ihrer Wachstumsraten sowie ihres Beitrages zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

Der Innovationsreport „Zukunfts- und Beschäftigungspotenziale nichtforschungsintensiver Industriesektoren und -betriebe“ des Fraunhofer ISI verdeutlicht, dass diese Position zu überdenken ist. Die Studie wurde im Auftrag des Deutschen Bundestages erstellt.

Wirtschaftspolitisch bietet die starke Binnenorientierung nichtforschungsintensiver Industriebereiche die Chance, bei steigender Nachfrage eine höhere inländische Wertschöpfung und Beschäftigung zu erzielen als in forschungsintensiven Sektoren. Durch die vergleichsweise hohe Arbeitsintensität entstehen in diesen Bereichen mehr Arbeitsplätze – aufgrund der stark inländisch orientierten Unternehmens- und Standortstrukturen vorrangig in Deutschland. Aufgrund der intensiven Verflechtungsbeziehungen mit vorgelagerten, oft forschungsintensiven Hightech-Bereichen werden im Fall einer höheren Nachfrage zudem indirekte Arbeitsplatzeffekte insbesondere für Akademiker und Akademikerinnen erzielt.

Aus Sicht der Arbeitsmarktpolitik sind die nichtforschungsintensiven Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes eines der letzten Segmente, die in nennenswertem Umfang vergleichsweise attraktiv entlohnte Industriearbeitsplätze für geringqualifizierte Arbeitskräfte bieten – verglichen beispielsweise mit den Niedriglohnsektoren in vielen Dienstleistungsbereichen. „Auch vor diesem Hintergrund sollten der Erhalt sowie die Unterstützung der nichtforschungsintensiven Industriebereiche in Deutschland eine höhere politische Beachtung finden“, meint Oliver Som, Projektleiter am Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI.

Nichtforschungsintensive Betriebe sind keinesfalls per se von technologischen Entwicklungen außerhalb ihres Betriebs oder ihrer Branche abgekoppelt. Sie sind ebenso wie forschungsintensive Betriebe in der Lage, neue technologische Entwicklungen in innovative Leistungen und insbesondere Herstellungsprozesse umzusetzen und davon im Hinblick auf ihre Wettbewerbsfähigkeit zu profitieren.

Zur Stärkung ihrer Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit können diese Betriebe nicht nur in ihren FuE-Aktivitäten im Speziellen, sondern vielmehr in ihrer Innovationsfähigkeit im Allgemeinen unterstützt werden. „So könnten die identifizierten Stärken dieser Betriebe gezielt zum Ausgangspunkt innovationspolitischer Maßnahmen gemacht werden“, erklärt Oliver Som. Dies erfordert jedoch einen erweiterten Blick auf Innovationen. Zukünftige Wachstumspotenziale können auch durch technische oder organisatorische Prozessinnovationen sowie durch produktbegleitende Dienstleistungen generiert werden. In diesen Feldern haben nichtforschungsintensive Betriebe keine messbaren Nachteile gegenüber forschungsintensiven Betrieben. Vor diesem Hintergrund sollte es ein ergänzendes Ziel von Innovationspolitik, Verbänden und Unternehmen sein, diese Stärke der nichtforschungsintensiven Betriebe zu sichern und auszubauen.

Zentral hierfür wäre die Unterstützung der internen Innovationsaktivitäten wie beispielsweise der kundenspezifischen Entwicklung und Konstruktion oder in Bereichen wie (Service-)Design- oder Marketinginnovationen. Umfassendere Innovationsanreize sollten zudem die fruchtbaren Verflechtungen von nichtforschungsintensiven und forschungsintensiven Unternehmen sowie Sektoren in den Blick nehmen. Ein konkreter Ansatz kann hier beispielsweise die gezielte Einbindung von nichtforschungsintensiven Unternehmen in der Rolle als Anwender in vorwettbewerblichen Verbundprojekten gemeinsam mit forschungsintensiven Akteuren sein.

Die Studie wurde im Rahmen der institutionellen Kooperation des Fraunhofer ISI mit dem Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) erarbeitet. Weitere Informationen zur Studie sind unter http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/i/projekte/tab_projekt.php

zu finden.

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag TAB wird vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse ITAS des Karlsruher Instituts für Technologie KIT betrieben. Hierbei kooperiert das KIT in Teilbereichen mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, das sich mit der langfristigen Technikvorausschau zur Analyse internationaler Politiken sowie zum Innovationsgeschehen beschäftigt.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert die Rahmenbedingungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der breiten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Katja Rische | idw
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/i/projekte/tab_projekt.php
http://www.tab-beim-bundestag.de/de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Online-Quickcheck »Frugal Innovation Index« macht Unternehmen fit für Entry-Level Produkte
19.04.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Innovationskraft stärken – IAT untersuchte öffentliche und private Innovationsaktivitäten in NRW
12.04.2017 | Institut Arbeit und Technik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten