Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Moderater Beschäftigungszuwachs durch IT-Outsourcing im Dienstleistungssektor

30.03.2011
Outsourcing wird in der öffentlichen Diskussion schnell mit Arbeitsplatzverlusten gleichgesetzt. Indessen trifft dieses Urteil in dieser Pauschalität nicht zu. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

Die ZEW-Studie untersucht die Auswirkungen von IT-Outsourcing auf das mittelfristige Beschäftigungswachstum, das bei Unternehmen in Deutschland im Untersuchungszeitraum bei jährlich rund drei Prozent lag.

Aus der Studie geht hervor, dass Unternehmen des Dienstleistungssektors, die ihre IT-Dienste an andere Unternehmen auslagern, mittelfristig eine um rund zehn Prozent höhere jährliche Wachstumsrate bei ihren Beschäftigten haben als Wettbewerber, die ihre IT-Dienste im Unternehmen belassen. Für Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, die IT-Dienste auslagern, bestätigt sich dieser positive Beschäftigungseffekt zwar nicht, eine auf Dauer geringere Anzahl an Beschäftigten aufgrund der Auslagerung von IT-Diensten lässt sich aber auch für sie nicht feststellen.

"Die Ergebnisse unserer Untersuchung machen deutlich, dass Outsourcing auf mittlere Frist, d.h. in einem Zeitraum von drei Jahren, nicht zwingend mit dem Verlust von Arbeitsplätzen in den auslagernden Unternehmen einhergeht", erklärt Jörg Ohnemus, der am ZEW den Zusammenhang von IT-Outsourcing und Beschäftigungswachstum untersucht hat.

Die Studie des ZEW wertet eine repräsentative Stichprobe von 1.154 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors in Deutschland aus. Sie betrachtet die Jahre 2003 bis 2006. Neben firmenspezifischen Daten, wie etwa Branchenzugehörigkeit, Anzahl der Beschäftigten, Umsatz, Firmenalter und Verbreitung der PC-Nutzung im Unternehmen, enthält die Stichprobe Informationen über eine Vielzahl von IT-Diensten, die das Unternehmen für seine Geschäftstätigkeit braucht. Als auslagerndes Unternehmen gilt eine Firma dann, wenn sie mindestens einen der drei folgenden grundlegenden IT-Dienste an einen externen Dienstleister übertragen hat: Installation von Hard- und Software, Systembetreuung und Wartung sowie Anwenderunterstützung.

Die Modellrechnungen des ZEW zeigen, dass Unternehmen mit IT-Outsourcing in den Jahren 2003 bis 2006 ein etwas stärkeres Beschäftigungswachstum verzeichnen konnten als Unternehmen, die ihre IT-Dienste nicht auslagert haben. Über alle betrachteten Branchengruppen hinweg war die Rate des Beschäftigungswachstums in den auslagernden Unternehmen um rund sechs Prozent höher als in den nicht-auslagernden Unternehmen.

Bei einer getrennten Betrachtung von Dienstleistungsunternehmen und Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, ergibt sich allerdings ein differenzierteres Bild. So liegt die Rate des Beschäftigungswachstums bei Dienstleistungsunternehmen, die IT-Dienste auslagern um 10,5 Prozent über der von Dienstleistungsunternehmen, die ihre IT-Dienste im eigenen Hause belassen. Für Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes hingegen kann ein positiver Beschäftigungseffekt von IT-Outsourcing nicht nachgewiesen werden. Dennoch sind auch hier dauerhafte Beschäftigungsverluste durch IT-Outsourcing nicht feststellbar.

Die unterschiedlich starken Beschäftigungseffekte von IT-Outsourcing in den beiden untersuchten Wirtschafssektoren sind wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die hier untersuchten grundlegenden IT-Dienste im verarbeitenden Gewerbe keine so große Rolle spielen wie im Dienstleistungsbereich. Dies zeigt sich auch daran, dass PC-Arbeitsplätze in der untersuchten Unternehmensstichprobe deutlich stärker im Dienstleistungssektor verbreitet sind als in der Industrie.

Eine Erklärung für die positiven Beschäftigungseffekte, die die Studie nachweist, könnte sein, dass Unternehmen durch Outsourcing effektiver werden. "Durch die Auslagerung von Aktivitäten wie etwa der IT-Dienste, die meist nicht zu den Kernkompetenzen zählen, werden in den Unternehmen Ressourcen frei, die jetzt auf die am Markt angebotenen Produkte und Dienstleistungen konzentriert werden können. Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit und hilft die Position des auslagernden Unternehmen am Markt zu verbessern", erklärt Jörg Ohnemus. Dadurch steigt letztlich dann auch wieder die Anzahl der Beschäftigten im Unternehmen.

Gunter Grittmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.zew.de/publikation6110

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht WSI-Tarifarchiv: Tariflöhne und -gehälter 2016: Reale Steigerungen von 1,9 Prozent
05.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Trotz leichtem Rückgang positiver Ausblick auf 2017
29.12.2016 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Feinstaub weckt schlafende Viren in der Lunge

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Energieeffizienter Gebäudebetrieb: Monitoring-Plattform MONDAS identifiziert Einsparpotenzial

16.01.2017 | Messenachrichten

Nervenkrankheit ALS: Mehr als nur ein Motor-Problem im Gehirn?

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie