Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mio.-Gehälter für Vorstände bleiben die Ausnahme

04.03.2009
Vergütung von Aufsichtsräten entspricht nicht Verantwortung

"Trotz der im Zuge der Finanzkrise heftig geführten Diskussion um überzogene Entlohnungen für Vorstände bleiben Mio.-Gehälter bei einem Großteil der Unternehmen die Ausnahme.

Die Debatte in Deutschland wird fast immer ausschließlich auf die 30 größten im Dax gelisteten Unternehmen beschränkt. Dadurch wird jedoch das Bild der tatsächlichen Einkommen massiv verzerrt", erläutert Michael Wolff vom Institut für Angewandte Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensführung (IBU) an der Universität Karlsruhe (TH) gegenüber pressetext. Laut dem Experten ist der Fokus auf aktienkursorientierte Vergütungen zu einseitig. Schließlich würden diese nur einen geringen Einkommensteil ausmachen.

Wie der Wissenschaftler bei der Auswertung von Gehältern in 330 börsennotierten Konzernen von 2005 bis 2007 herausfand, machte die von der Politik kritisierte aktienkursorientierte Vergütung von Vorständen im Jahr 2007 im Durchschnitt nur acht Prozent der gesamten Vorstandsvergütung aus. 39 Prozent der Vorstände erhielten mehr als eine Mio. Euro und 19 Prozent mehr als zwei Mio. Euro jährlich. Somit konnten die Experten eine Pro-Kopf-Vergütung von durchschnittlich 904.000 Euro errechnen. "Es ist daher falsch, alle Vorstände hinsichtlich der Bezahlung undifferenziert über einen Kamm zu scheren. Vielmehr sollte man sich auch von Seiten des Gesetzgebers auf leistungsbezogene Vergütungen konzentrieren, die auf den langfristigen Geschäftserfolg eines Unternehmens ausgerichtet sind", erläutert Wolff.

Der Fachmann verweist im Gespräch mit pressetext auch auf die Wichtigkeit der Transparenz und Nachvollziehbarkeit der in den Geschäftsberichten publizierten Gehälterangaben. In einer zweiten Untersuchung gelangten die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die Vergütungen von Aufsichtsräten nicht deren Verantwortung entsprechen. Diese hätte Wolff zufolge wegen der Reformen im deutschen Corporate-Governance-System in den vergangenen Jahren peu à peu spürbar zugenommen. "Mit monatlichen Pro-Kopf-Gesamtbezügen von maximal 2.250 Euro bei der Hälfte der Unternehmen ist die Vergütung daher nicht angemessen", fügt Wolff auf Nachfrage hinzu. Vor allem die mangelnde Professionalisierung der Aufsichtsräte sei ein Problem, das dazu führe, dass Vorstände kurzfristig mit Blick auf jährliche Boni arbeiteten.

Auch die Aufsichtsräte-Untersuchung attestiert einen Nachholbedarf bei der Transparenz. So hätten bis 2007 zwar inzwischen 71 Prozent der Unternehmen einen individuellen Ausweis über die Vergütungen eingeführt, zwölf Prozent gliederten allerdings die Gesamtvergütung nicht in ihre Einzelkomponenten auf. "Damit erfüllen sie gesetzliche Mindestanforderungen - nicht mehr aber auch nicht weniger", so Wolff. Die beiden Untersuchungen beziehen sich auf die größten börsennotierten Unternehmen in der Bundesrepublik, die im Prime Standard der Deutsche Börse AG gelistet sind. Beide Studien sind zudem Teil der gemeinsamen Forschung des IBU und des Centers for Entrepreneurial and Financial Studies der TU München zum Themenkomplex Corporate Governance.

Florian Fügemann | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.ibu.uni-karlsruhe.de
http://www.cefs.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht RWI erhöht Konjunkturprognose für 2017 leicht auf 1,3 Prozent
15.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise