Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Minijobs in Deutschland: Neue Datenbank liefert Daten für jede Stadt und jeden Kreis

07.12.2010
Besonders verbreitet in West-Landkreisen

Minijobs in Deutschland: Neue Datenbank liefert Daten für jede Stadt und jeden Kreis

Minijobs sind vor allem in ländlichen Regionen Westdeutschlands weit verbreitet. In manchen Gebieten werden vier von zehn Arbeitsplätze an Frauen auf 400-Euro-Basis vergeben – und das oft zu niedrigen Stundenlöhnen. Das zeigt eine neue Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung, die Minijob-Daten für jeden Stadt- und Landkreis in Deutschland liefert. Besonders viele Kreise mit hohem Minijob-Anteil gibt es in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die WSI-Datenbank „Atypische Beschäftigung“ führt den Anteil der Minijobber an allen Beschäftigungsverhältnissen auf und ist auch über eine interaktive Landkarte abrufbar (Link siehe unten).

Im vergangenen Jahr war bundesweit jedes fünfte Beschäftigungsverhältnis ein geringfügiges. Insgesamt 7,19 Millionen Arbeitsverträge liefen 2009 auf 400-Euro-Basis. Wie sich dieses große Arbeitsmarkt-Segment über die Bundesrepublik verteilt, hat der WSI-Forscher Dr. Alexander Herzog-Stein aufgeschlüsselt. Dadurch wird sichtbar, wo sich die neben der Leiharbeit problematischste Beschäftigungsform ausbreitet: Vor allem Betriebe in der westdeutschen Provinz bieten Minijobs an, die häufig von Frauen besetzt werden. Für die Betroffenen ist das problematisch, weil sie kaum Ansprüche auf soziale Sicherung erwerben und in aller Regel selbst pro Stunde nur sehr wenig Geld verdienen. 81 Prozent der geringfügig Beschäftigten, die keiner anderen Erwerbsarbeit nachgehen, bekommen laut Statistischem Bundesamt nur einen Niedriglohn. Das heißt, sie verdienen weniger als zwei Drittel des mittleren Lohnes, der bei 9,06 Euro brutto pro Stunde liegt. Die zentralen Trends der Deutschland-Analyse:

Ost-West
Minijobs sind „ein typisch westdeutsches Phänomen“, sagt Herzog-Stein. In Westdeutschland gab es im vergangenen Jahr 6,28 Millionen Minijobber, im Osten nicht einmal eine Million. Sämtliche westdeutschen Bundesländer haben einen höheren Anteil von 400-Euro-Jobs an allen Beschäftigungsverhältnissen als die sechs ostdeutschen Länder. Beim Spitzenreiter Schleswig-Holstein betrug der Anteil der Minijobs an allen Stellen 23,7 Prozent, in Ostdeutschland waren es überall unter 15 Prozent.
Stadt-Land
Der Anteil der Minijobber ist im Westen besonders in ländlichen Kreisen sehr hoch. Das dürfte laut Herzog-Stein mit daran liegen, dass gerade hier viele Paare eine traditionelle Arbeitsteilung pflegen – der Mann verdient das Geld, die Frau kümmert sich um die Familienarbeit und steuert allenfalls einen Zuverdienst bei. Der WSI-Forscher nennt einen Hauptgrund für das Stadt-Land-Gefälle: Auf dem Land sind Familie und Beruf meist schwieriger zu vereinbaren als in den Städten, was vor allem an dem meist unzureichenden Angebot an Kinderbetreuung liegt. Dennoch nimmt im Deutschlandvergleich eine Stadt den Spitzenwert ein: In Delmenhorst entfallen mehr als 34,3 Prozent aller Arbeitsplätze auf Minijobs.
Frauen und Männer
Mehr als jedes vierte Beschäftigungsverhältnis einer West-Frau ist ein geringfügiges. Im Landkreis Trier-Saarburg werden gleich 42,2 Prozent aller Frauen-Arbeitsplätze mit maximal 400 Euro vergütet, so die WSI-Datenbank. Im Unterschied dazu beläuft sich die Minijob-Quote von Ost-Frauen auf 16,6 Prozent, kaum höher als die der Männer. Auffällig ist zudem: Wo viele Frauen einen Minijob haben, muss das nicht für Männer gelten. Während Frauen vor allem auf dem Land häufig geringfügig beschäftigt sind, gilt das für Männer eher in den Städten. Dahinter scheint weniger ein Familienmodell zu stehen als ein unzureichendes Stellenangebot am Arbeitsmarkt.

Ausschließlich Minijob oder Nebenerwerb. 2,26 Millionen Beschäftigte haben einen Minijob, gehen aber noch einer weiteren Arbeit nach. Damit werden 6,5 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse ohne einen sachlichen Grund steuerlich gefördert und von Sozialbeiträgen weitgehend freigestellt, kritisiert Herzog-Stein. Das Gros der 400-Euro-Kräfte aber – 4,93 Millionen Menschen – bezieht kein anderes Arbeitseinkommen. Diese geringfügig Beschäftigten sind entweder auf das Einkommen von anderen Haushaltsangehörigen oder aber auf Arbeitslosengeld II angewiesen. Ihre Zahl ist selbst in der Krise der vergangenen beiden Jahre nochmals gestiegen, ein Übergang auf eine Vollzeit- oder Teilzeitstelle mit mehr Stunden gelingt selten. Der WSI-Experte spricht angesichts von fast fünf Millionen ausschließlich geringfügig Beschäftigten von „einer gravierenden Fehlentwicklung“am Arbeitsmarkt.

Interaktive Karte Minijobs in Deutschland: http://www.boeckler.de/pdf/minijob_2010/index_mini.html

Datenbank Atypische Beschäftigung: http://www.boeckler.de/datyp/index.php

Infografiken zum Download im Böckler Impuls 19/2010: http://www.boeckler.de/32014_110283.html#link

Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung

Dr. Alexander Herzog-Stein
Arbeitsmarktexperte WSI
Tel.: 0211-7778-235
E-Mail: Alexander-Herzog-Stein@boeckler.de
Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/datyp/index.php
http://www.boeckler.de/pdf/minijob_2010/index_mini.html
http://www.boeckler.de/32014_110283.html#link

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index setzt Anstieg fort
22.06.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung legt weiter zu
29.05.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie