Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mindestlöhne für Empfänger von Arbeitslosengeld II aufheben

19.01.2010
Aktuell werden politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen über Korrekturen des Arbeitslosengelds II geführt. Aus der Sicht von Prof. Dr. Johann Eekhoff, Präsident des Institut für Mittelstandsforschung Bonn, geht die Debatte jedoch am entscheidenden Problem der Verkrustung des Arbeitsmarktes vorbei.

Arbeitslosengeld-II-Empfängern mangelt es nicht am Willen, sondern an der Möglichkeit zur Arbeitsaufnahme

Bezieher von Arbeitslosengeld II sind bereits heute verpflichtet, jede zumutbare Tätigkeit anzunehmen. Verweigern sie die Mitarbeit, können die Regelleistungen gekürzt und im Grenzfall sogar vollständig gestrichen werden. "Viele Bezieher von Arbeitslosengeld II sind keine Arbeitsverweigerer, sondern durchaus willens eine Beschäftigung aufzunehmen. Dies zeigt etwa die große Nachfrage nach den sogenannten 'Ein-Euro-Jobs' und nach einer Verlängerung dieser befristeten Tätigkeit. Das Kernproblem liegt nicht in der Bereitschaft der Hilfebezieher, eine Tätigkeit aufzunehmen, sondern in dem Mangel an Arbeitsmöglichkeiten" so Professor Eekhoff.

Soziale Bedeutung der Arbeit ist wichtiger als das erzielte Lohnniveau

Die Regulierungen des Arbeitsmarktes versperren vielen ALG-II-Empfängern den Zugang zu einer Beschäftigung, die zu ihren besonderen Bedingungen passt. So schließen Mindestlöhne Menschen mit geringer Produktivität systematisch von der Teilhabe am Arbeitsleben aus und nehmen ihnen die Möglichkeit, einen Teil ihres Lebensunterhalts selbst zu verdienen. Dabei sind die ALG-II-Empfänger nicht auf Mindestlöhne angewiesen, weil ihr Lohn durch öffentliche Mittel auf ein Mindesteinkommen aufgestockt wird. Dieses Mindesteinkommen richtet sich nach den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Hilfebeziehers. Würden die Mindestlöhne für diese Gruppe aufgehoben, könnten viele ALG-II-Bezieher auch dann eine Beschäftigung aufnehmen, wenn gesundheitliche Einschränkungen oder nur geringe Qualifikationen vorliegen. Dann könnte die volle Kreativität und Flexibilität der mittelständischen Unternehmen genutzt werden, diese Menschen zu beschäftigen.

Wenn eine geringe Produktivität vorliegt und sich die Löhne daran orientieren, wird manchmal von "menschenunwürdigen" Löhnen gesprochen. Für Professor Eekhoff stellt sich jedoch die Frage, ob es nicht schlimmer ist, den ALG-II-Beziehern die Möglichkeit zu einer sinnvollen Arbeit zu verwehren: "Für diese Menschen sind die Kontaktmöglichkeiten, das Ansehen im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis vielfach wichtiger als die Höhe des erzielten Lohns."

Analog zum ersten Arbeitsmarkt - Qualifikation bestimmt das Lohnniveau

Kritiker befürchten, dass es zu einem massiven Missbrauch gering entlohnter Beschäftigungsverhältnisse kommen könnte, indem die Arbeitgeber den Lohn zulasten der Sozialversicherung absenken. Die Arbeitnehmer würden dies hinnehmen, da sie den Lohnausfall durch zusätzliche Arbeitslosengeld-II-Zahlungen kompensieren könnten. Das Problem des Missbrauchs kann vermieden werden, indem die Hilfebezieher an diejenigen Unternehmen vermittelt werden, die den höchsten Lohn bieten. Der Wettbewerb der Unternehmen um die vorhandenen Qualifikationen der Arbeitnehmer verhindert die befürchtete Ausbeutung der sozialen Sicherung.

Hintergründe zum IfM Bonn

Das IfM Bonn wurde im Jahr 1957 gegründet. Träger des Instituts sind das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und das Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen. Das IfM Bonn erforscht die Lage, Entwicklung und Probleme des Mittelstands rund um die Themenfelder Mittelstand und Gesellschaft/Staat, Lebenszyklus von Unternehmen, Unternehmensführung und stellt umfangreiche Daten zur Mittelstands- und Gründungsstatistik bereit.

Nadine Schlömer | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-bonn.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Der Dauerläufer: Starke Binnennachfrage macht diesen Aufschwung robuster als seine Vorgänger
17.10.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Positiv für die Volkswirtschaft: Die Zahl der Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen steigt weiter
12.10.2017 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise