Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Ungleichheit durch flexiblere Entlohnung

28.04.2010
Die Lohnungleichheit in Deutschland ist im vergangenen Jahrzehnt weiter gestiegen. Dabei spielen die Reallohnverluste bei Geringverdienern eine immer größere Rolle.

Der massive Rückgang der Tarifbindung erklärt diesen Trend allerdings nur zum Teil. Entscheidender sind die zunehmenden Lohnunterschiede zwischen den Branchen, aber auch innerhalb einzelner Wirtschaftszweige und Unternehmen. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die beim Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn erschienen ist.

Vor allem die wachsende Bedeutung leistungsabhängiger Vergütung sowie eine höhere Lohnflexibilität auch im Rahmen von Tarifabschlüssen haben zum Anstieg der Ungleichheit beigetragen und die Schließung des Lohnabstands zwischen Männern und Frauen abgebremst.

Wissenschaftler der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg analysierten für die Studie Lohn- und Gehaltsdaten der Jahre 2001 und 2006. In diesem Zeitraum sank die Tarifbindung in Westdeutschland um rund ein Drittel: Nur noch jeder zweite Arbeitnehmer unterlag 2006 einem Flächen- oder Haustarifvertrag. Der schwindende Einfluss von Tarifverträgen bei der Lohnbestimmung nimmt jedoch laut Untersuchung keinen nennenswerten Einfluss auf die Entwicklung des Lohngefälles. Denn auch Tarifverträge sehen heute immer öfter flexible Lohnstrukturen vor, die beispielsweise durch Leistungskomponenten individuellen Produktivitätsunterschieden stärker Rechnung tragen.

Der Lohnabstand zwischen Männern und Frauen hat sich im betrachteten Zeitraum nur minimal verändert. Obwohl das Qualifikationsniveau von Frauen gestiegen ist, ist ausschließlich im Niedriglohnbereich eine Annäherung an die Bezahlung männlicher Beschäftigten erkennbar. Dagegen hat sich die Lohnschere gerade im mittleren Einkommensbereich sogar noch geweitet. Der relative Rückgang tariflicher Entlohnung, von dem weibliche Beschäftigte überproportional betroffen sind, spielt jedoch auch hier kaum eine Rolle. Sowohl bei Flächentarifverträgen als auch bei Firmen ohne Tarifbindung gingen die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen zurück, während sie bei Haustarifverträgen deutlich anstiegen. Insgesamt gleichen sich diese gegenläufigen Effekte nahezu aus.

"Ausschlaggebend für die Entwicklung des geschlechtsspezifischen Lohndifferentials sind die zunehmend flexiblen Entlohnungsformen. Bei den mittleren Löhnen sind Männer durch die Veränderungen im Arbeitsmarkt begünstigt. Dies deckt sich mit der Beobachtung, dass Frauen häufiger als Männer Jobs mit leistungsabhängiger Vergütung scheuen", erläutert der Freiburger Ökonom Bernd Fitzenberger, der die Studie mitverfasst hat. "Gleichzeitig schneiden Männer im Niedriglohnbereich deutlich schlechter ab und sind von den beobachteten Lohnverlusten stärker betroffen als Frauen."

Die englischsprachige Publikation steht auf der IZA-Homepage zum Download bereit:

Dirk Antonczyk, Bernd Fitzenberger, Katrin Sommerfeld:
Rising Wage Inequality, the Decline of Collective Bargaining, and the Gender Wage Gap

IZA Discussion Paper No. 4911 - http://ftp.iza.org/dp4911.pdf

Kontakt:
Prof. Bernd Fitzenberger, Ph.D.
Institut für allg. Wirtschaftsforschung
Abt. für empirische Wifo und Ökonometrie
Albert-Ludwigs-Universität
79085 Freiburg
Tel.: (0761) 203-2332
E-Mail: bernd.fitzenberger@vwl.uni-freiburg.de

Mark Fallak | idw
Weitere Informationen:
http://ftp.iza.org/dp4911.pdf
http://www.uni-freiburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr nahe Null
18.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht WSI-Tarifarchiv: Tariflöhne und -gehälter 2016: Reale Steigerungen von 1,9 Prozent
05.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik