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Krankenhäuser vor dem Kollaps

17.03.2009
Unterfinanzierung erhöht Insolvenzgefahr - Privatisierungswelle erwartet

Die deutsche Krankenhauslandschaft steht Branchenexperten zufolge vor einer einschneidenden Neuordnung.

Aufgrund einer enormen Unterfinanzierung sei mit 18 Prozent beinahe ein Fünftel der bundesweit rund 2.000 Klinken akut insolvenzgefährdet. Während der Kostendruck des Krankenhausbetriebs auf die Kommunen steige, stünden dem Markt vermehrt Privatisierungen bevor.

"Den Privatisierungstrend können wir bestätigen. Der Anteil der Privaten ist schon in den vergangenen Jahren gewachsen. Dass sich der Trend angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise verstärkt, ist durchaus möglich", meint Holger Mages, Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), im Gespräch mit pressetext. Medienberichten nach ist in Zukunft eine moderne und wohnortnahe Krankenhauslandschaft gefährdet.

"Aufgrund klammer Kassen wurden zuletzt mehrere Kliniken verkauft. Die Tendenz dahingehend wird sicher noch länger anhalten", erklärt Mages. Die bedrohliche Unterfinanzierung der Krankenhäuser ist hauptsächlich auf ihre hohen Personalkosten zurückzuführen. Diese machen rund 70 Prozent des durchschnittlichen Krankenhausbudgets aus. Dabei sei die Mehrzahl kommunaler Krankenhäuser bereits auf Notlagentarifverträge eingestellt, die mit Ausnahme des ärztlichen Dienstes eine Anstellung des Personals in 35- bzw. 36-Stunden-Wochen vorsehen. Betriebskosten und notwendige Investitionen würden hingegen keine Einsparmöglichkeiten mehr bieten. Im Zuge der Wirtschaftskrise verzeichnen die Kommunen zudem geringere Steuereinnahmen. Die Kosten für die Kliniken zu tragen und mögliche Defizite auszugleichen, werde daher zunehmend schwieriger.

"Dass auf kommunaler Seite Probleme bestehen, ist unumstritten", so Mages gegenüber pressetext. Während für die Jahre 2008 und 2009 Lohnsteigerungen von insgesamt acht Prozent vorgesehen sind, wovon die Kassen mit bundesweit rund 1,3 Mrd. Euro etwa die Hälfte tragen müssen, seien die Krankenhäuser mit rund 3,7 Mrd. Euro beinahe auf das Dreifache angewiesen, um tariftreu zahlen zu können. Zudem seien nur rund 30 Prozent der Kliniken in der Lage, Investitionen finanzieren zu können. Daher sei ein zunehmender Privatisierungstrend unumgänglich. Durch Aufkäufe von Kliniken sind die vier größten privaten Betreiber in den vergangenen Jahren bereits massiv gewachsen. Angesichts eines Marktanteils von weiterhin unter zehn Prozent besteht jedoch nach wie vor Spielraum nach oben. Zwar sei im Superwahljahr 2009 nicht davon auszugehen, dass sich die Kommunen auf rasche Privatisierungen ihrer Krankenhäuser einlassen. Der Konsolidierungsdruck soll jedoch bereits im kommenden Jahr mit Übernahmen sichtbar werden.

Manuel Haglmüller | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.dkgev.de

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