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Innovationspotenziale im Patentmanagement kaum genutzt

04.05.2010
Patente schützen geistiges Eigentum. Gut 70% der patentaktiven Unternehmen sehen die Sicherung des Umsatzes als Kernmotiv des Patentierens an.

Patentmanager übernehmen damit eine wichtige Funktion im Innovationswettbewerb. Doch ihre Kompetenzen sind so kaum ausgeschöpft. Eine aktuelle Benchmarkstudie zeigt, dass teures Know-how vor allem in aufwändigen Verwaltungsaufgaben gebunden ist und kaum für „kreativ-schöpferische“ Prozesse im Unternehmen genutzt wird.

Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für angewandte Innovationsforschung an der Ruhr-Universität Bochum in einer aktuellen Studie. Befragt wurden 2.000 patentaktive Unternehmen nach dem Status quo, den Herausforderungen und Zukunftsaussichten des Patentmanagements. Wie hoch ist der durchschnittliche Patentbestand? Wie ist das Patentmanagement in den Unternehmen organisiert? Wie hoch sind die Kosten einer eigenen Patentmanagementabteilung? Wie sind Patentmanager in Innovationsprozesse eingebunden? Nur einige Fragen, auf die die Forscher in ihrer umfassenden Benchmarkanalyse eingehen.

Für die meisten Unternehmen sind Patente von herausragender Bedeutung im Innovationswettbewerb und Patentmanager zu gefragten Spezialisten im Unternehmen geworden. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Ausarbeitung von Patentanmeldungen, der Kommunikation mit dem Patentanwalt, der Abwicklung von Arbeitnehmererfindervergütungen etc. Nimmt man noch die Beobachtung von Wettbewerbspatenten oder das Aufspüren von Patentierungslücken hinzu, binden diese Aktivitäten 85% der verfügbaren Zeit von Patentmanagern. Über die traditionellen Aufgaben der Patentierung und Verwaltung des Patentbestandes hinaus, sind die IP-Experten häufig aber kaum in die Innovationsprozesse eingebunden. So geben fast 40% der befragten Patentmanager an, dass sie an „Kreativterminen der Fachabteilungen“ nur selten teilnehmen. Fast zwei Drittel der Befragten beklagen, dass die Suche nach Innovationsmöglichkeiten im Patentmanagement methodisch auch nicht unterstützt wird. Kein überraschendes Ergebnis, berücksichtigt man, dass in der Hälfte (49,1%) der befragten Unternehmen dem Patentmanagement eine Rolle als Impulsgeber für Innovationen gar nicht zugedacht ist.

Aus Sicht der Autoren ein ernüchternder Befund. Während in Deutschland der Innovations- und Kostendruck weiter steigt und die Unternehmen zunehmend gefordert sind, mehr aus ihren Potenzialen zu machen und ihre Innovationsperformance zu erhöhen, bleibt nach Ansicht der Forscher auf diese Weise aussichtsreiches Innovationspotenzial ungenutzt. Prof Dr. Friedrich Kerka: „Da Patentmanager nicht nur über ausgeprägtes Recherche-Know-how, sondern in den meisten Fällen (75,1%) auch über einen technisch-naturwissenschaftlichen Ausbildungs- und Erfahrungshintergrund verfügen und damit – im Gegensatz zu vielen anderen um Innovationen Bemühten – auch beurteilungsfähig sind, könnten gerade sie besondere Impulsgeber für Innovationen sein.“

Auch auf die Frage, mit welchen Mitteln die Neuausrichtung des Patentmanagements finanziert werden soll, liefert die Studie zahlreiche Ansatzpunkte. Da zusätzliche Gelder nach Ansicht der Autoren in der Regel nicht zu erwarten sind, gilt es, die operative Exzellenz im Patentmanagement zu erhöhen. Dazu sind die bestehenden Prozesse zu überprüfen und Möglichkeiten für eine ressourcenschonendere Abwicklung der bisherigen Aufgaben zu sondieren. Knapp ein Drittel (30,2%) der befragten Patentmanager gibt in diesem Zusammenhang bspw. an, dass in ihrem Unternehmen notwendige Entscheidungen im Patentierungsprozess häufig nur mit erheblichen zeitlichen Verzögerungen zustande kommen. Aus Sicht jedes fünften (21,3%) Patentmanagers mangelt es zudem an Standards für die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen wie der Forschung und Entwicklung oder dem Marketing.

Gelingt es, diese Effizienzpotenziale zu erschließen, eröffnen sich den Patentmanagern nach Auffassung der Innovationsforscher gute Möglichkeiten, sich offensiver in Innovationsprozesse einzubringen. Wie und unter welchen Rahmenbedingungen die Integration gelingen kann, dazu hat das Institut für angewandte Innovationsforschung auf Basis der Studienergebnisse konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet.

Die vollständige Studie „Patentmanagement als Innovationstreiber – Wie Patentmanager ihren Wert für das Unternehmen erhöhen können“ kann über das IAI zum Preis von 89,- € bezogen werden.

Kontaktadresse:
Institut für angewandte Innovationsforschung (IAI) e.V.
Buscheyplatz 13, 44801 Bochum
Tel.: 0234/97117-0
Fax: 0234/97117-20
E-Mail: info@iai-bochum.de

Prof. Dr. Markus Thomzik | idw
Weitere Informationen:
http://www.iai-bochum.de
http://www.iai-bochum.de/aktuelles/news/257-patentstudie.html
http://www.iai-bochum.de/aktuelles/news/256-patenttagung.html

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