Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovationsindikator 2012: Deutschland wieder leicht zurückgefallen

25.10.2012
Deutschland belegt im Innovationsranking von 28 Industrieländern Platz 6 (Vorjahr: Platz 4) – Reformbedürftiges Bildungssystem bleibt größtes Hemmnis für Aufschluss zur Spitzengruppe - Wirtschaft bildet starke Basis für Innovationsleistung – Vielfalt der Bevölkerung könnte besser genutzt werden.

Deutschlands Innovationsfähigkeit hat nachgelassen. Im internationalen Vergleich belegt die Bundesrepublik aktuell Rang 6 – von insgesamt 28 untersuchten Industrienationen. Im Vorjahr reichte es noch für Platz 4. Zu diesem Ergebnis kommt der Innovationsindikator 2012, den das Fraunhofer ISI und seine Projektpartner im Auftrag der Deutschen Telekom Stiftung und des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) erhoben hat.

Ein wesentlicher Grund, warum Deutschland trotz aller Anstrengungen nicht den Durchbruch zur Spitze der innovationsfähigsten Industrienationen schafft, ist das schwache Bildungssystem. „Mit Ausnahme der beruflichen Bildung hapert es in der gesamten Bildungskette: von der Kita bis zur Hochschule und bis in die Weiterbildung hinein“, sagt Dr. Klaus Kinkel, Vorsitzender der Deutsche Telekom Stiftung. „Wenn wir nicht gleich heute anfangen, unser Bildungssystem besser aufzustellen, brauchen wir uns morgen nicht zu wundern, wenn auch die Leistungen in Wirtschaft und Wissenschaft nachlassen.“

Die Studie zeigt: Die Wirtschaft ist der wichtigste Pfeiler deutscher Innovationskraft.

„Vor allem die Investitionen der Unternehmen in Forschung und Entwicklung – ob im eigenen Haus oder an Hochschulen – machen Deutschland nach wie vor zu einem der weltweit stärksten Innovationsstandorte“, erklärt Dieter Schweer, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung. „Um diese Stärke auch in Zukunft zu erhalten, bleibt einiges zu tun. Leistungsfähige Unternehmen und ein schwaches Bildungssystem – das kann auf die Dauer nicht gut gehen. Zudem sollte sich die Bundesregierung endlich zu einer steuerlichen Forschungsförderung entschließen, wie sie auch die Expertenkommission Forschung und Innovation fordert.“

Niederlande und Belgien ziehen vorbei, USA schließen auf

Spitzenreiter des Länderrankings 2012 ist erneut die Schweiz. Mit deutlichem Abstand folgen Singapur und Schweden. Im engen Feld der Verfolger sind die Niederlande und Belgien an Deutschland vorbeigezogen. Grund dafür ist im Wesentlichen, dass diese Länder ihre Investitionen für Innovation während der wirtschaftlichen Erholung 2010 und 2011 wieder merklich – und stärker als Deutschland – gesteigert haben. Zurück auf den vorderen Rängen sind die USA. Dank Konjunkturprogramm, neuer Innovationsstrategie und erhöhter Unternehmensausgaben für Forschung und Entwicklung ist das Land aktuell nahezu gleichauf mit Deutschland.

Weiterbildung und Vielfalt – neue Handlungsfelder für mehr Innovation

Während sich das duale System der beruflichen Ausbildung als wichtige Innovationsstütze erweist, müssen in Deutschland die Weiterbildungsaktivitäten während des Berufslebens – auch die der akademisch gebildeten Beschäftigten – deutlich ausgeweitet werden. Wie der Innovationsindikator zeigt, ist eine ausreichende kontinuierliche Anpassung des Wissens eine Frage des Gebens und des Nehmens: Es braucht sowohl mehr Angebote durch die Arbeitgeber als auch mehr Nachfrage durch die Beschäftigten. Auch tut sich Deutschland nach wie vor schwer damit, seine Vielfalt (Diversity) auszuschöpfen und mehr Frauen, Migranten sowie die Generation 50plus als Beschäftigte in Wissenschaft und Wirtschaft einzubeziehen – und vergibt damit die Chance, seine Innovationsleistung zu erhöhen.

Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen im internationalen Vergleich

Der eigentlich international ausgerichtete Innovationsindikator betrachtet in diesem Jahr mit Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen auch zwei deutsche Bundesländer. Im internationalen Gesamtranking positioniert sich Baden-Württemberg dank starker Leistungen in Wissenschaft und Wirtschaft auf Platz 2 direkt hinter Spitzenreiter Schweiz. Allein in der Bildung schneidet das Ländle weniger gut ab. Nordrhein-Westfalen schafft es mit guten Werten in der Bildung, aber schwächeren in Wissenschaft und Wirtschaft auf Platz 9. Der nächste Innovationsindikator wird die Innovationsfähigkeit aller deutschen Bundesländer untersuchen.

Alle Ergebnisse und Grafiken stehen im Internet unter http://www.innovationsindikator.de zum Herunterladen zur Verfügung.

Der Innovationsindikator
Erarbeitet wird der Innovationsindikator von einem Konsortium dreier Institute: des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI, des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Maastricht Economic and Social Research Institute on Innovation and Technology der Universität Maastricht (MERIT). In einer Analyse von 28 Volkswirtschaften zeigt der Innovationsindikator auf, wo Deutschlands Stärken und Schwächen im Vergleich zu relevanten Wettbewerbern und aufstrebenden Industrienationen liegen. Dafür beleuchten die Forscher die Felder: Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Staat und Gesellschaft. Insgesamt setzt sich der Innovationsindikator aus 38 Einzelindikatoren zusammen, die für die Beschreibung der Innovationskraft eines Landes relevant sind.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der breiten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
Breslauer Straße 48
76139 Karlsruhe
Wiss. Ansprechpartner
Dr. Rainer Frietsch
Telefon +49 (0) 721 / 68 09 -299
rainer.frietsch@isi.fraunhofer.de
Presse und Kommunikation
Anne-Catherine Jung, MA
Telefon +49 (0) 721 / 68 09 - 100
presse@isi.fraunhofer.de

Anne-Catherine Jung | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de
http://www.innovationsindikator.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie