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IMK: Unternehmensinvestitionen lahmen, weil Nachfrage fehlt

22.09.2014

Deutsche Unternehmen investieren seit einigen Jahren nur relativ wenig. Finanzierungsprobleme oder Verlagerungen ins Ausland spielen dabei bislang keine große Rolle. Der Hauptgrund, warum sich viele Firmen mit Investitionen zurückhalten, ist die fehlende Nachfrage. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung.

Dass der Staat zu wenig investiert, lässt sich unter anderem an maroden Schulgebäuden und löchrigen Autobahnen ablesen. Wie es um die privaten Investitionen steht, ist weniger augenfällig. IMK-Forscher Fabian Lindner hat die aktuelle Lage analysiert. Lindner zufolge hinkt Deutschland vor allem bei den privaten Bauinvestitionen hinterher.

Bei den Ausrüstungsinvestitionen, also den Ausgaben für Produktionsanlagen oder Fahrzeuge, steht die deutsche Wirtschaft zwar nicht schlechter da als die der anderen Euroländer, sie investiert allerdings deutlich weniger als in früheren Zeiten. Die Ursache: Die Kapazitäten der Unternehmen sind wegen der schwachen Nachfrage nicht ausgelastet.

Die gesamtwirtschaftliche Investitionsquote sei hierzulande zwischen 2000 und 2013 von 21 auf 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und damit deutlich unter den Durchschnitt der Eurozone gesunken, schreibt der Ökonom. Für diesen Rückstand seien zum einen die unzureichenden öffentlichen Investitionen verantwortlich, zum anderen Probleme der Bauwirtschaft.

Die privaten Ausgaben für Wohnungsbau, Gewerbeimmobilien und Infrastruktur hätten sich in Deutschland spiegelbildlich zu denen im übrigen Euroraum entwickelt: Dem deutschen Immobilienboom nach der Wiedervereinigung folgte ab den späten 1990er-Jahren ein drastischer Rückgang der Bautätigkeit, die sich seitdem nur langsam erholt. In anderen Ländern, vor allem in Spanien und Irland, setzte dagegen mit der Euro-Einführung ein Aufschwung der Bauwirtschaft ein, der mittlerweile zum Teil einer Anpassungskrise gewichen ist.

Anders sieht es nach Lindners Untersuchung bei den Ausgaben für Maschinen und Geräte aus: Hier schneidet Deutschland regelmäßig besser ab als die anderen Euroländer. Trotzdem sind im Vergleich zur Vergangenheit durchaus Defizite erkennbar. Besonders ab 2008 sei die Quote der Ausrüstungsinvestitionen deutlich zurückgegangen, konstatiert der IMK-Wissenschaftler: Lagen sie 2008 noch bei rund 8 Prozent des BIP, waren es 2013 nur noch rund 6,2 Prozent. Das entspricht einer Differenz von gut 29 Milliarden Euro.

Der Forscher hat Unternehmensdaten abgeglichen und Unternehmerbefragungen analysiert. Nach seiner Einschätzung dürften Finanzierungsprobleme beim Rückgang der Investitionen kaum eine Rolle spielen. Angesichts steigender Gewinne und sinkender Ausschüttungen seien Unternehmen zunehmend in der Lage, Investitionen aus eigenen Mitteln zu bestreiten.

Darüber hinaus befänden sich die Zinsen auf einem historisch niedrigen Niveau. Tatsächlich klagen laut einer Umfrage momentan nur fünf Prozent der deutschen Industrieunternehmen über Finanzierungsschwierigkeiten. An Mitteln für Ausrüstungsinvestitionen fehle es also nicht, schreibt Lindner.

Auch Produktionsverlagerungen ins Ausland könnten die Entwicklung nicht erklären, so der Wirtschaftswissenschaftler. Eine Konkurrenz zwischen Direktinvestitionen im Ausland und heimischen Ausrüstungsinvestitionen sei nicht nachweisbar. Vielmehr gelte: Wenn die einen steigen, steigen auch die anderen. Denn in der Regel engagierten sich Unternehmen im Ausland, um neue Märkte zu erschließen – und nicht, um Kosten zu sparen.

Als dominierende Ursache für den Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen hat Lindner die schwache Nachfrage identifiziert. Unternehmen entschieden sich dann für Investitionen, wenn ihre Kapazitäten nicht ausreichen, um ihre Aufträge abzuarbeiten. Dass die Hersteller momentan unterausgelastet seien, hänge vor allem mit der starken Exportorientierung der deutschen Wirtschaft zusammen. Denn die überzogene Austeritätspolitik in der EU belaste die Auslandsnachfrage.

Den deutschen Unternehmen empfiehlt Lindner, auf ein Ende der verfehlten Sparpolitik im Euroraum zu dringen. Hier sei auch die deutsche Regierung in der Pflicht – genauso wie bei den öffentlichen Investitionen. Denn diesen attestieren verschiedene Studien einen besonders hohen Multiplikatoreffekt, also eine stark stimulierende Wirkung.

Daher könnte die Politik durch mehr eigene Investitionen auch dafür sorgen, Produktionskapazitäten der heimischen Wirtschaft besser auszulasten, so der Ökonom. „Das würde die Binnenwirtschaft stärken, damit die Abhängigkeit von der ausländischen Nachfrage etwas reduzieren und darüber hinaus die privaten Bau- und Ausrüstungsinvestitionen anregen.“

Weitere Informationen:

http://www.boeckler.de/14_51119.htm - Die PM mit Ansprechpartnern
http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_96_2014.pdf - Die vollständige Studie

Rainer Jung | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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