Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

IMK senkt Prognose: Deutsche Wirtschaft wächst 2013 nur um 0,3 Prozent und 2014 um 0,8 Prozent

02.07.2013
Konjunktur-Update

Die drastische Sparpolitik und die damit verbundene Rezession in zahlreichen Ländern der Europäischen Währungsunion bremsen die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland weiterhin. Gleichzeitig fallen die Impulse aus Ländern außerhalb der EU geringer aus als noch vor kurzem erwartet.

Das hat zwei Gründe: Die wirtschaftliche Dynamik hat insbesondere in einigen großen Schwellenländern etwas nachgelassen. Zudem werden auch außerhalb Europas weniger Investitionsgüter geordert, auf die viele deutsche Exporteure spezialisiert sind. Die Nachfrage aus Übersee ist daher vor allem in diesem Jahr zu schwach, um die Flaute in Europa auszugleichen.

Vor diesem Hintergrund senkt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung seine Konjunkturprognose spürbar ab: Für 2013 erwarten die Konjunkturforscher eine Zunahme des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,3 Prozent. Das sind 0,6 Prozentpunkte weniger als bei der vorangegangenen Prognose im März vorhergesagt. 2014 dürfte das BIP im Jahresmittel um 0,8 Prozent wachsen – 0,7 Prozentpunkte weniger als bislang angenommen. Damit schwenkt die deutsche Wirtschaft auf einen stagnativen Pfad ein.

Wichtigste Stütze der Konjunktur sei in nächster Zeit der private Konsum, schreiben die Forscher in ihrem Konjunktur-Update, das heute als IMK Report 84 erscheint.* „Wir gehen davon aus, dass die Löhne und Gehälter in diesem und im kommenden Jahr real zulegen werden und die Arbeitslosigkeit nur moderat steigt“, erklärt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der Wissenschaftliche Direktor des IMK. „Unter diesen Voraussetzungen kann die private Nachfrage Schlimmeres verhindern. Trotzdem kommt die deutsche Wirtschaft bis Ende 2014 über eine Stagnation nicht hinaus.“

Das IMK geht in seiner Prognose davon aus, dass sich die Situation im Euroraum nicht erneut verschärft. Die Forscher erwarten vielmehr, dass die Staaten des Euroraums ihren restriktiven fiskalpolitischen Kurs aufgrund der negativen Erfahrungen mit den massiven Sparprogrammen in Südeuropa etwas lockern. Gleichwohl bleibe die wirtschaftliche Lage „fragil“, die erwartete leichte Stabilisierung in Europa sei lediglich „eine Stabilisierung auf Krisenniveau“. Das wirkt sich auch auf den deutschen Arbeitsmarkt aus: Er bleibt im Großen und Ganzen robust, doch gehen die Trends bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit auseinander: Während sich die Zahl der Beschäftigten in diesem und im kommenden Jahr noch einmal positiv entwickelt, steigt auch die Arbeitslosenzahl an – jeweils um knapp 60.000 Personen (Details siehe unten).

Um die Krise in Europa zu überwinden, halten es die Forscher für unerlässlich, die hohen Zinssätze weiter zu vermindern, die in den Euro-Krisenländern nicht nur die Staatsfinanzierung, sondern auch dringend nötige Investitionen von Unternehmen behindern. Die hohen Risikoaufschläge seien „zu einem wesentlichen Teil auf Währungsrisiken und die Gefahr eines Schuldenschnitts“ zurückzuführen, schreibt das IMK. „Beides sind Fremdkörper in einer Währungsunion zwischen entwickelten Volkswirtschaften und erhöhen nicht nur die Finanzierungskosten, sondern auch die Unsicherheit, unter der unternehmerische Entscheidungen gefällt werden.“

Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), notfalls Staatsanleihen von Krisenländern auf dem Sekundärmarkt aufzukaufen, habe zwar positiv gewirkt und die Risikoprämien ein Stück weit reduziert. Doch das reiche nicht aus. Als sinnvolles Instrument empfehlen die Ökonomen einen Schuldentilgungsfonds. Damit würden die Euroländer für ihre Staatsschulden oberhalb einer bestimmten Grenze gemeinschaftlich garantieren. Für die Rückzahlung blieben aber die jeweiligen Schuldnerländer verantwortlich. Dieser Mechanismus, so das IMK, „dürfte die höchste Aussicht auf Erfolg haben und zu der geringsten Belastung der Steuerzahler führen, da die Krisenländer in die Lage versetzt würden, ihre Schulden auch tatsächlich zu bedienen“.

Weitere Kerndaten der Prognose für Deutschland (siehe auch Tabelle 4 Gesamtwirtschaftliche Entwicklung im IMK Report und in der pdf-Version dieser PM; Link unten):

– Arbeitsmarkt –
Die Zahl der Erwerbstätigen im Inland nimmt 2013 um gut 240.000 Personen oder 0,6 Prozent im Jahresdurchschnitt zu. 2014 steigt sie um weitere 70.000 (0,2 Prozent). Da aber gleichzeitig das Arbeitskräfteangebot durch höhere Erwerbsneigung und eine stärkere Zuwanderung wächst, erhöht sich gleichzeitig auch die Arbeitslosigkeit moderat. Die Zahl der Arbeitslosen nimmt im Jahresdurchschnitt 2013 um 59.000 auf knapp 2,96 Millionen Menschen zu. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 6,9 Prozent. 2014 wird die Zahl der Menschen ohne Job in gleicher Größenordnung auf dann 3,02 Millionen im Jahresdurchschnitt steigen. Die Quote liegt bei 7,0 Prozent.
– Außenhandel –
Der deutsche Export schrumpft in diesem Jahr um 1,5 Prozent im Jahresmittel. 2014 wachsen die Ausfuhren wieder – um durchschnittlich 2,8 Prozent. Die Importe sinken 2013 im Jahresmittel um 1,3 Prozent. 2014 nehmen sie um 4,6 Prozent zu.
– Investitionen –
Die Ausrüstungsinvestitionen kommen im Verlauf des Jahres 2013 langsam aus der Flaute. Durch den hohen statistischen Unterhang aus dem Vorjahr bleiben sie im Jahresdurchschnitt aber negativ: -2,7 Prozent. 2014 legen sie dagegen um 3 Prozent zu.
– Einkommen und Konsum –
Die real verfügbaren Einkommen steigen 2013 um 1 Prozent, die realen privaten Konsumausgaben nehmen um 1,1 Prozent zu. 2014 werden die real verfügbaren Einkommen um 1,2 Prozent wachsen, die privaten Konsumausgaben um 1,3 Prozent. Damit wird der private Konsum die Konjunktur wesentlich stützen, so die Forscher.

– Inflation und öffentliche Finanzen –
Trotz deutlicher Preiserhöhungen bei Lebensmitteln ist die allgemeine Preisentwicklung in Deutschland moderat. Im Jahresdurchschnitt 2013 liegt die Inflationsrate bei 1,5 Prozent – und damit deutlich unter dem Inflationsziel der EZB. Für 2014 rechnet das IMK mit einem weiteren geringfügigen Rückgang der Inflation auf 1,4 Prozent im Jahresmittel. Die schwache wirtschaftliche Entwicklung bremst die zuletzt kräftige Entwicklung bei den Steuereinnahmen stark. Dadurch gerät das Staatsbudget wieder leicht ins Defizit: Für 2013 rechnet das IMK mit einem Fehlbetrag von -0,3 Prozent des BIP. 2014 sinkt das Defizit auf -0,2 Prozent.

*IMK Arbeitskreis Konjunktur: Deutschland stagniert. Deutsche Konjunktur zur Jahresmitte 2013. IMK Report 84, Juli 2013. Download: http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_84_2013.pdf
Die Pressemitteilung mit Tabelle (pdf): http://www.boeckler.de/pdf/pm_imk_2013_07_02.pdf

Kontakt in der Hans-Böckler-Stiftung

Prof. Dr. Gustav A. Horn
Wissenschaftlicher Direktor IMK
Tel.: 0211-7778-331
E-Mail: Gustav-Horn@boeckler.de

Peter Hohlfeld
IMK, Experte für Konjunkturprognosen
Tel.: 0211-7778-338
E-Mail: Peter-Hohlfeld@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/pdf/pm_imk_2013_07_02.pdf
http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_84_2013.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Online-Quickcheck »Frugal Innovation Index« macht Unternehmen fit für Entry-Level Produkte
19.04.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Innovationskraft stärken – IAT untersuchte öffentliche und private Innovationsaktivitäten in NRW
12.04.2017 | Institut Arbeit und Technik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten