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IMK: Deutsche Wirtschaft wächst 2010 um zwei Prozent - selbst tragender Aufschwung aber nicht in Sicht

16.12.2009
Die deutsche Wirtschaft belebt sich im kommenden Jahr deutlich und wächst im Jahresdurchschnitt 2010 um 2,0 Prozent. Wesentliche Ursachen sind die Investitionen aus dem Konjunkturpaket II sowie ausländische Konjunkturprogramme, die vor allem in asiatischen Ländern die Nachfrage nach deutschen Waren erhöhen.

Positiv wirkt auch die expansive Geldpolitik der Zentralbanken. Den tiefen Einbruch des Jahres 2009, in dem das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,9 Prozent gesunken ist, wird die deutsche Wirtschaft allerdings auf absehbare Zeit nicht wettmachen können, zumal die konjunkturelle Dynamik im Verlauf des kommenden Jahres wieder abnehmen wird.

Die Arbeitslosenzahl steigt, wenn auch weniger drastisch als bislang befürchtet - auf 3,6 Millionen Personen im Jahresdurchschnitt 2010. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung in seiner neuen Konjunkturprognose, die heute als IMK Report erscheint*.

Gegenüber der Gemeinschaftsdiagnose der führenden Konjunkturforschungsinstitute, an der das IMK beteiligt ist, erhöhen die Konjunkturexperten ihre Erwartung für die BIP-Entwicklung 2010 um 0,8 Prozentpunkte (2,0 Prozent nach 1,2 Prozent). Der Wert für 2009 verändert sich nur geringfügig (-4,9 Prozent nach -5 Prozent).

Trotz des stärkeren Wachstums im Jahresdurchschnitt sehen die Wissenschaftler des IMK keinen stabilen, selbst tragenden Aufschwung. "Die Zahlen sind erfreulich, aber leider auch ein bisschen trügerisch", sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der Wissenschaftliche Direktor des IMK. "Ein Wachstum von zwei Prozent erscheint recht hoch, wenn man die schweren Verluste in diesem Jahr vor Augen hat. Es signalisiert scheinbar sogar, dass sich die Wirtschaft schon in einem kräftigen Aufschwung befindet. Aber dieser Eindruck täuscht. Die Krise ist noch nicht überwunden." Die Daten reflektierten vielmehr die erfolgreiche weltweite staatliche Stabilisierungspolitik der vergangenen anderthalb Jahre: "Es bleibt trotz aller Mängel im einzelnen das historische Verdienst der Wirtschaftspolitik, anders als Ende der 1920er Jahre in dieser äußerst kritischen Situation einen so expansiven Kurs eingeschlagen zu haben, dass der Absturz bereits Mitte 2009 zu Ende ging", resümiert der Wissenschaftler.

Im Laufe des kommenden Jahres werden die Impulse vieler Konjunkturprogramme aber nachlassen, auch in Deutschland, so das IMK. Viele Zentralbanken haben eine Rücknahme des Expansionskurses angekündigt oder bereits vorsichtig damit begonnen. "Das alles trägt wesentlich dazu bei, dass die Konjunktur in Deutschland kräftig ins neue Jahr startet, aber dann wieder deutlich an Schwung verliert", sagt Horn. Entsprechend wächst nach der IMK-Prognose die Arbeitslosigkeit. Im Jahresdurchschnitt 2009 werden 3,42 Millionen Menschen ohne Job sein, was einer Arbeitslosenquote von 7,9 Prozent entspricht. Im Jahresdurchschnitt 2010 werden es dann 3,6 Millionen Arbeitslose sein - eine Quote von 8,3 Prozent. Um sich weiter erholen zu können, brauche die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr und wohl noch darüber hinaus wirtschaftspolitische Hilfestellung, resümiert das IMK. Außerdem bestünden weiterhin große Risiken im Finanzsektor - auch weil die Regulierung der Finanzmärkte nur schleppend vorankommt.

Vom deutschen Außenhandel gehen laut IMK im kommenden Jahr wieder positive Impulse aus: Die Exporte steigen 2010 um 8,1 Prozent, nachdem sie 2009 um 14,6 Prozent eingebrochen sind. Die Importe wachsen 2010 um 5,6 Prozent. In diesem Jahr sanken sie um 8,4 Prozent. Allerdings sind die Konjunkturexperten des IMK skeptisch, dass der Außenhandel längerfristig an seine langjährige Rolle als treibende Kraft der Wirtschaftsentwicklung anknüpfen kann: Die deutsche Exportwirtschaft profitiere von den Impulsen der Konjunkturprogramme im Ausland, die nach bisherigem Stand im Jahresverlauf 2010 nachlassen werden. Und bei wichtigen Handelspartnern wie den USA, Großbritannien und Spanien werde die Nachfrage nach ausländischen Produkten wegen der hohen privaten und öffentlichen Verschuldung auf absehbare Zeit nicht mehr so stark steigen wie vor der Krise.

Die Investitionen der Unternehmen werden 2010 wieder zunehmen, zeigt die IMK-Prognose. Das Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen um 3,1 Prozent ist allerdings im Verhältnis zum drastischen Rückgang um 20 Prozent in diesem Jahr bescheiden. Zwar sind die Lohnstückkosten 2010 wieder rückläufig, auch die Gewinnsituation der Unternehmen dürfte sich verbessern. Doch bleibt die Auslastung trotz der zuletzt leichten Steigerung niedrig, die Impulse aus dem Ausland lassen im Jahresverlauf nach und die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen werden sich nicht durchgreifend verbessern. Dementsprechend bleibt auch die Entwicklung bei den gewerblichen Bauten sehr schwach. Die öffentlichen Bauinvestitionen sind hingegen durch die Konjunkturprogramme im Jahresverlauf 2009 deutlich ausgeweitet worden. Der positive Impuls wirkt bis weit ins kommende Jahr, schwächt sich allerdings mit der Zeit ab. Insgesamt werden die Bauinvestitionen 2010 um 2,4 Prozent zunehmen, nachdem sie 2009 noch um 0,3 Prozent gesunken sind.

Die privaten Konsumausgaben sind 2009 geringfügig um 0,3 Prozent gewachsen. Dazu haben neben höheren Tarifabschlüssen und geringer Inflation vor allem die Konjunkturpakete beigetragen, analysiert das IMK. Stützend habe zum einen die Abwrackprämie gewirkt, zum anderen das Kurzarbeitergeld, weil es die Beschäftigung stabilisierte. Im kommenden Jahr werden die privaten Konsumausgaben hingegen bei leicht sinkenden real verfügbaren Einkommen und steigender Sparquote um 0,5 Prozent zurückgehen.

Für die öffentlichen Haushalte veranschlagt das IMK in diesem Jahr eine Defizitquote von 3,0 Prozent. Für 2010 rechnen die Ökonomen mit einem Minus von 5,2 Prozent.

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/pdf/pm_imk_2009_12_16.pdf

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