Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hohe Rendite, wenig Risiko: RUB-Forschungsprojekt „Vermögen Modern Diversifizieren“

20.07.2010
Erste Ergebnisse: Software zur Portfolio-Optimierung aus Bochum

Die weltweite Finanzkrise zeigte es allzu deutlich: Klassische Methoden zur Vermögensaufteilung haben versagt. Wie sich Geld bei möglichst geringem Risiko möglichst gewinnbringend anlegen lässt, erforschen Bochumer Mathematiker um Prof. Dr. Holger Dette (Stochastik und Statistik) im Projekt VMD – „Vermögen Modern Diversifizieren“.

Erste Zwischenergebnisse des Projekts sind vielversprechend – so konnten die RUB-Forscher das Anlagerisiko bis um den Faktor zehn verringern. Zum Transfer der Forschungsergebnisse aus dem noch laufenden Projekt wurde inzwischen die Firma „quasol“ gegründet, die eine entsprechende Software vertreibt.

Die optimale Anlagestrategie

Vermögen auf verschiedene Anlageklassen aufzuteilen, ist eine schwierige Aufgabe. So versprechen beispielsweise Aktien eine lukrative Rendite, besitzen aber gleichzeitig ein hohes Verlustrisiko. Andererseits gelten Staatsanleihen als sehr sichere Anlage, derzeit sind dort aber nur geringe Erträge zu erzielen. Genau an diesem Punkt setzt das RUB-Projekt VMD an: Mit Hilfe moderner statistischer Verfahren schätzen die Forscher realistische Renditeerwartungen und Risiken der einzelnen Anlagemöglichkeiten. Das Ergebnis ist eine optimale Anlagestrategie für den jeweiligen Investor. Dabei sind die Renditeerwartung und Risikobereitschaft des Investors die entscheidenden Einflussgrößen. Zudem werden Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Anlagen berechnet und „ausgenutzt“, um das Risiko möglichst gering zu halten.

Markowitz-Modell weiterentwickelt

Die modernen statistischen Modelle sind Erweiterungen der Portfoliotheorie von Harry M. Markowitz, der für seine Arbeit aus den 50er-Jahren 1990 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt. Die Finanzkrise offenbarte, dass das Modell die Realität nicht mehr abbilden kann. So wurden z. B. Risiken systematisch unterschätzt, was sich in teilweise dramatischen Wertverlusten widerspiegelte. Daraus entstand die Idee am Bochumer Lehrstuhl für Stochastik, das Modell weiterzuentwickeln. „Lange Zeit war die Rechenleistung der limitierende Faktor. Inzwischen können wir jedoch deutlich komplexere und umfangreichere Mengen an Informationen verarbeiten“, sagt Prof. Dette. „Das ermöglicht uns, Risiken genauer zu spezifizieren und Parameter präziser zu schätzen.“

Ein Rechenbeispiel

Beispielsweise beläuft sich das Risiko eines typischen Fonds für Privatanleger auf 15,4 Prozent, wenn man den Markowitz-Ansatz verwendet. Jedoch beträgt das „wahre“, historisch aufgetretene Risiko 21,72 Prozent – es wird also um rund ein Drittel unterschätzt. Nach der Optimierung lag das Risiko nur noch bei 2,5 Prozent. Dabei blieb die erwartete Rendite unverändert und lediglich die Aufteilung des Kapitals auf die einzelnen Anlagen wurde verändert. „Das verdeutlicht das enorme Verbesserungspotenzial, das die neuen Modelle enthalten“, so Prof. Dette. Das Forschungsprojekt läuft noch bis Ende des Jahres und wird von der EU im „Exist“-Programm, vom Europäischen Sozialfonds und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Umfang von 100.000 Euro gefördert.

Spin-off zur Vermarktung gegründet

Um die Forschungsergebnisse auch der Wirtschaft zugänglich zu machen, gründeten RUB-Absolventen das Spin-off „quasol“. Das neue Unternehmen befindet sich in der Markteintrittsphase und steht bereits in Verhandlungen mit namhaften Instituten zur Einführung des so genannten „Asset Allocation-Tools“. Geschäftsführer sind der ehemalige Lehrstuhlmitarbeiter Dr. Daniel Ziggel und die Rechtsanwältin Vanessa Peters, ebenfalls Absolventin der Ruhr-Universität Bochum. Ziel ist, aktuelle und zukünftige Forschungsergebnisse in anwenderfreundliche Software umzusetzen. „Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Theorie und Praxis. Quantitative Fragestellungen aus der Wirtschaft lösen wir in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Stochastik und setzen sie so um, dass sie kommerziell nutzbar sind. Dabei bereiten wir komplexe statistische Sachverhalte kundengerecht auf“, sagt Daniel Ziggel. Interessant sind die Ergebnisse insbesondere in der Beratung von vermögenden Privatkunden und der Vorbereitung von Anlageentscheidungen institutioneller Investoren, etwa Pensionskassen oder Versicherungen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Holger Dette, Fakultät für Mathematik der RUB, Mathematik III – Stochastik, insbesondere Statistik, Tel. 0234/32-28284, E-Mail: holger.dette@rub.de

Dr. Daniel Ziggel, quasol, Tel. 02501/9779662, E-Mail: daniel.ziggel@quasol.de

Redaktion: Jens Wylkop

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Online-Quickcheck »Frugal Innovation Index« macht Unternehmen fit für Entry-Level Produkte
19.04.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Innovationskraft stärken – IAT untersuchte öffentliche und private Innovationsaktivitäten in NRW
12.04.2017 | Institut Arbeit und Technik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung