Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf gutes Wetter spekulieren. Forscher stellt Modell zur Bewertung von Wetterderivaten vor

07.04.2011
In vielen Branchen hängt der Umsatz eines Unternehmens von der Entwicklung des Wetters ab. Um das dadurch bestehende Risiko abzufedern, gibt es Finanzinstrumente wie die sogenannten Wetterderivate.

Diese werden zwischen einer Bank oder einer Versicherung und einem Unternehmen abgeschlossen, wobei das Unternehmen sein Wetterrisiko auf die Bank bzw. die Versicherung überträgt. Definiert wird ein Wetterderivat durch bestimmte Parameter: eine Messperiode (z.B. Mai 2007), eine Wetterstation (z.B. Berlin-Tempelhof), einen Basiswert (z.B. die tägliche Durchschnittstemperatur), einen Index, der den Basiswert für eine bestimmte Messperiode zusammenführt (z.B. Summe der täglichen Durchschnittstemperaturen im Mai 2007) und eine Auszahlungsfunktion, die den Index in eine Zahlung umwandelt (z.B. 1.000 Euro pro Indexpunk). Als Basiswert werden meteorologische Daten verwendet. Das heißt, dass eine Auszahlung von den Indizes bzw. der Index-Entwicklung eines Wetter-Basiswerts abhängt.

Wetterderivate müssen sich auf die richtigen Wetter-Basiswerte beziehen, um eine sinnvolle Absicherung für Unternehmen darzustellen. Am weitesten verbreitet sind Temperaturwerte als Wettermaß. Allerdings sind die Bewertungsverfahren der 1997 eingeführten Wetterderivate noch relativ wenig standardisiert.

In diesem Zusammenhang ist Dr. Maximilian Wimmer von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Regensburg in Kooperation mit Gerold Seidler und Dr. Frank Schiller von Munich Re ein wichtiger Fortschritt gelungen. Auf der Grundlage von Daten von Munich Re analysierte er gängige Modelle zur Schätzung von Temperaturindizes und entwickelte auf dieser Grundlage ein neues Verfahren, das den bisher gebräuchlichen Modellen überlegen ist.

Bislang konnte man sich in Wissenschaft und Praxis noch nicht auf ein einheitliches Modell einigen. Dies lag auch daran, dass nur in Ansätzen versucht wurde, die konkrete Vorhersagegenauigkeit einzelner Modelle zu vergleichen. Im Rahmen seiner Analysen wertete Wimmer daher die historischen Daten von 35 über die USA verteilten Wetterstationen aus. Vor diesem Hintergrund schätzte er die Parameter der unterschiedlichen Modelle zur Bewertung von Wetterderivaten. Anschließend simulierte er die über die Modelle zu erwartenden Temperaturindizes für verschiedene vergangene Zeitperioden. Durch den Vergleich der simulierten Werte mit den tatsächlich eingetretenen Werten konnte Wimmer die Leistungsfähigkeit der einzelnen Modelle bewerten. Es zeigte sich, dass das von Wimmer entwickelte Modell den gängigen Verfahren gerade dann deutlich überlegen ist, wenn der Bewertungszeitpunkt des Derivates deutlich vor der eigentlichen Messperiode liegt; wenn also Wetterderivate auf ein langfristige Perspektive ausgerichtet sind.

Das Modell von Wimmer verwendet spezielle, aus der Mathematik bekannte Funktionen („Splines“), um Temperaturzeitreihen gezielt von einzelnen Trend- und Saisonalitätseffekten zu bereinigen und die verbleibenden Temperaturunregelmäßigkeiten anzupassen. So konnte der Regensburger Forscher einen wesentlichen Beitrag für künftige Bewertungen und Einschätzungen von Wetterderivaten leisten. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen werden in Kürze in der Printausgabe der Fachzeitschrift „Quantitative Finance“ erscheinen; eine Online-Fassung ist schon jetzt verfügbar (DOI: 10.1080/14697681003777097).

Weiterführende Informationen zum Thema:
Wetterderivate weisen im Vergleich zu anderen Finanzinstrumenten eine Besonderheit auf: Die „Objekte“, auf die sie sich beziehen (Temperatur, Niederschlagsmenge etc.), sind nicht handelbar. Das hat für den Umgang mit Wetterderivaten bedeutende Konsequenzen. Die Grundlage der Bewertung von Wetterderivaten leitet sich allein aus den historischen Wetterdaten ab. Anders als bei Aktien oder bei Rohwaren ist der Basiswert auch nicht durch einzelne Marktteilnehmer beeinflussbar, indem zu bestimmten Zeitpunkten große Mengen verkauft werden oder Marktteilnehmer auf Preisanstiege spekulieren. Der Basiswert von Wetterderivaten kann daher als frei von Marktmanipulationen betrachtet werden.
Ansprechpartner für Medienvertreter:
Dr. Maximilian Wimmer
Universität Regensburg
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
Tel.: 0941 943-2672
Maximilian.Wimmer@wiwi.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie