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Gründungsgeschehen im 1. Halbjahr 2009 in Deutschland

16.10.2009
Rund 208.000 Existenzgründungen

Nach neuesten Berechnungen des IfM Bonn belief sich die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland im 1. Halbjahr 2009 auf rund 208.000. Verglichen mit dem Vorjahr ist die Zahl der Existenzgründungen damit geringfügig um 0,2 % gestiegen.

Hinter diesem Wert verbergen sich zwei gegenläufige Entwicklungen. Einerseits ist die Zahl der Kleinbetriebsgründungen gegenüber dem 1. Halbjahr 2008 um 0,7 % auf rund 131.000 zurückgegangen. Andererseits stieg die Zahl der Betriebsgründungen mit einer größeren wirtschaftlichen Bedeutung (sog. Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen mit entweder einem Eintrag ins Handelsregister oder einem Handwerksrolleneintrag oder mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten) deutlich um 5,0 % auf knapp 54.000 an.

Dass die Zahl der Kleinbetriebsgründungen im 1. Halbjahr nicht wie noch zur Jahreswende erwartet angestiegen ist, liegt vermutlich in der Arbeitsmarktentwicklung begründet. Der prognostizierte deutliche Anstieg der Arbeitslosigkeit ist bisher erfreulicherweise ausgeblieben und damit auch eine deutliche Zunahme der Gründungen aus der Arbeitslosigkeit, die vor allem den Kleinbetriebsgründungen zugerechnet werden. So wurden die beiden Förderinstrumente "Gründungszuschuss" und "Einstiegsgeld" der Bundesagentur für Arbeit nur geringfügig häufiger in Anspruch genommen als im Vorjahreszeitraum.

... und rund 202.000 Liquidationen im 1. Halbjahr 2009

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Liquidationen im 1. Halbjahr 2009 um 2,8 % auf rund 202.000 gesunken. Während im 1. Quartal 2009 noch ein Anstieg der Betriebsaufgaben von Hauptniederlassungen und Kleingewerbeaufgaben zu verzeichnen war und insgesamt ein Anstieg der Zahl der Liquidationen um 1,0 %, hat sich der Trend im 2. Quartal 2009 umgekehrt. Die Zahl der Liquidationen ging in diesem Zeitraum insgesamt um 7,2 % zurück (Betriebsaufgaben von Hauptniederlassungen: -6,8 %, Kleingewerbeaufgaben: -7,8 %). Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg dagegen im 1. Halbjahr 2009 deutlich an und lag in Deutschland ohne Nordrhein-Westfalen um 14,8 % über dem Vorjahreswert.

Dieser auf den ersten Blick widersprüchliche Befund lässt sich wie folgt erklären: Die Finanz- und Wirtschaftskrise führt bei deutlich mehr Unternehmen als im Vorjahr zu einer Überschuldung bzw. Zahlungsunfähigkeit, so dass diese Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. Einige andere Unternehmen geraten aufgrund der Krise zwar in eine schwierige bis existenzbedrohende Situation, die aber noch nicht mit einer Überschuldung bzw. Zahlungsunfähigkeit einhergeht. Im Gegensatz zu 2008 besteht für solche Unternehmer allerdings keine attraktive Alternative zur Selbstständigkeit, z.B. in Form einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, so dass sie den freiwilligen Marktaustritt in Form einer Unternehmensliquidation z.Zt. nicht vornehmen.

Gründungssaldo im 1. Halbjahr 2009 wieder positiv

Der Gründungssaldo (Differenz aus Gründungen und Liquidationen) hat sich verglichen mit dem Vorjahr um rund 6.200 erhöht und beträgt nunmehr rund 5.900. Zu diesemr Anstieg haben sowohl der positive Saldo bei den Kleingewerbegründungen als auch bei den Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen gleichermaßen beigetragen.

Zunahme der Gründungen aus der Arbeitslosigkeit sowie der Unternehmensinsolvenzen für das 2. Halbjahr 2009 erwartet

Das IfM Bonn erwartet für das 2. Halbjahr 2009 aufgrund der derzeit noch schlechten konjunkturellen Lage sowohl einen Anstieg der Gründungszahlen, insbesondere von Gründungen aus der Arbeitslosigkeit, als auch der Liquidationen. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen wird vermutlich ebenfalls weiter steigen.

Zur Berechungsmethode des IfM Bonn

Das IfM Bonn berechnet die Zahl der Gründungen und Liquidationen auf Basis der Gewerbeanzeigenstatistik des Statistischen Bundesamtes. Hierfür werden die vom Statistischen Bundesamt ausgewiesenen Zahlen von Gewerbeanmeldungen bzw. -abmeldungen in Deutschland um nicht gründungs- und liquidationsrelevante Komponenten (wie Unternehmensverlagerungen, Umwandlungen, Rechtsformwechsel, Nebenerwerbsgründungen/-aufgaben) bereinigt. Knapp jede dritte Gewerbeanmeldung ist eine Gründung im Nebenerwerb, die in der Gründungsstatistik des IfM Bonn nicht als Gründung berücksichtigt wird. Überdies werden Gründungen von Angehörigen der Freien Berufe nicht berücksichtigt, weil diese Gruppe von Selbstständigen ihr Gewerbe weder an- noch abmelden muss.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Frank Wallau
Telefon: (0228) 72997-48
E-Mail: wallau@ifm-bonn.org

Nadine Schlömer | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-bonn.org

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