Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Globale Versorgungsketten gegen Wetterextreme sichern: Kommentar in Nature

06.02.2014
Extreme Wetterereignisse wie Taifun Haiyan oder Hurrikan Sandy können starke Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben.

Bislang sind solche Folgen für globale Wirtschaftsströme aber in den Abschätzungen zu Folgen des Klimawandels kaum erfasst. Das sollte sich ändern, so Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: „Wirtschaftssysteme sind eng miteinander verknüpft und von globalen Versorgungsnetzen abhängig – deshalb muss die Anpassung an den Klimawandel global gedacht werden – eine lokale Perspektive reicht da nicht aus.“ In einem Kommentar im renommierten Fachblatt Nature schlägt er vor, die nötigen Wirtschaftsdaten auf der neuen Internetseite zeean.net zu sammeln.

Durch ein besseres Verständnis von ökonomischen Strömen können Versorgungsnetze stabilisiert und gleichsam klima-intelligent ausgerichtet werden, um unsere Gesellschaft weniger anfällig für die Folgen der globalen Erwärmung zu machen.

„Stürme, Fluten oder Dürren an einem Ort können überall auf der Welt weitreichende Konsequenzen haben“, erklärt Levermann. „Die zerstörerische Flut in Thailand 2011 zum Beispiel hatte lokal verheerende Folgen. Sie hatte aber auch globale Konsequenzen – über Monate waren Festplatten für Computer weltweit Mangelware.“ Die Ströme von Material, Kommunikation und Energie, ihre Wechselwirkungen und Marktdynamiken können von Klimaextremen betroffen sein – direkt oder indirekt über Versorgungsketten. „Damit Regierungen und Unternehmen die Riskiken des Klimawandels in ihre Planungen einbeziehen zu können, müssen wir zunächst die anfälligen Knotenpunkte der globalen Versorgungsnetze ermitteln“, sagt Levermann.

Die neu gestartete Internetseite zeean.net soll der Beginn einer Netzgemeinschaft für den Aufbau einer Datenbank werden, die ökonomische Netzwerke in bislang noch nie dagewesenem Umfang abbildet. Um die Folgen von Klimaextremen zu untersuchen, sind sehr detaillierte Informationen notwendig. Ähnlich wie in Wikipedia kann auf zeean.net jeder registrierte Nutzer Informationen etwa zu Güterströmen zwischen verschiedenen regionalen Wirtschaftssektoren eingeben. Alle Informationen werden von anderen Nutzern geprüft und bewertet. Ziel ist es, ein System der Selbstkontrolle durch eine Gemeinschaft von Fachkundigen zu schaffen, um einen hohen Grad an Genauigkeit zu gewährleisten. Eine akademische Ausbildung ist nicht Voraussetzung, entscheidend ist die Güte der Datenquellen. Verwendet werden sollen nur öffentlich zugängliche Datenquellen sowie öffentlich zugängliche Algorithmen und Analysewerkzeuge, um eine maximale Transparenz und Nachvollziehbarkeit zu ermöglichen.

Bislang beschäftigen sich rund um die Welt nur wenige Forschergruppen mit dem Sammeln und Auswerten solcher Daten. Zeean.net baut auf eine Sammlung von Informationen von australischen Wissenschaftlern der Universität Sydney auf, die Daten zu ökonomischen Strömen zwischen 26 Sektoren in 186 Regionen der Welt über die letzten 23 Jahre zusammengetragen haben. Mit jeder neuen Information soll zeean.net genauer und detaillierter werden, während sich für den Benutzer ein Netzwerk entfaltet, das die Verkettung von Versorgungswegen aufzeigt. Und es damit erlaubt, anfällige Verbindungen zu identifizieren. Langfristig sollen die ökonomischen Daten mit globalen und regionalen Klimamodellen verknüpft werden, um Einschätzungen zu möglichen Auswirkungen künftiger Extremereignisse geben zu können.

„Unser wachsendes Wissen über Klimaextreme muss mit zunehmender Kenntnis der Ströme von Gütern, Energie und Informationen, die unsere Gesellschaft am Laufen halten, kombiniert werden“, sagt Levermann. „Wenn wir diese Informationen öffentlich zugänglich zu machen, könnte das eine Eigendynamik in unseren globalen Versorgungsnetzen anstoßen, die am Ende unsere Gesellschaften im Hinblick auf künftige Klimafolgen widerstandsfähiger macht.“

Artikel: Levermann, A. (2014): Comment: Make supply chains climate-smart. Nature 506, 27-29.

Weblink zu Zeean: http://www.zeean.net/

Vorschau von Zeean vor der offiziellen Freigabe: http://www.zeean.net/beta/

Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de
Twitter: @PIK_Klima

Mareike Schodder | PIK Pressestelle
Weitere Informationen:
http://www.zeean.net/
http://www.pik-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr nahe Null
18.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht WSI-Tarifarchiv: Tariflöhne und -gehälter 2016: Reale Steigerungen von 1,9 Prozent
05.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie