Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Generationenwechsel im deutschen Mittelstand verläuft reibungsloser als erwartet

02.12.2010
- Unternehmensübergaben im Mittelstand gut vorbereitet
- Unternehmen bleiben überwiegend in der Familie
- Alteigentümer sind nach der Übergabe häufig weiter im Unternehmen aktiv
- Externe Nachfolger übernehmen oft weniger rentable Unternehmen, holen diesen Rückstand aber schnell auf
- Viele Unternehmensnachfolger führen strukturelle Veränderungen im Unternehmen durch

Die Übergabe mittelständischer Familienunternehmen, das sind Unternehmen mit mindestens 40 und höchstens 5.000 Mitarbeitern, an die nächste Generation oder neue Eigentümer verläuft in Deutschland reibungsloser als gedacht.

Fast 80 Prozent der Unternehmensnachfolger stufen die Unternehmensübergabe als gut vorbereitet ein. Immerhin 60 Prozent bescheinigen dem früheren Eigentümer ausreichend investiert zu haben, sodass der Geschäftsbetrieb nach der Übergabe gewährleistet war. Überraschend ist, dass nach dem Eigentümerwechsel der frühere Inhaber noch in fast zwei Drittel der Unternehmen weiter aktiv tätig ist.

In der Hälfte dieser Unternehmen nimmt er sogar eine Führungsfunktion wahr. Selbst bei externer Nachfolge ist dies in immerhin 40 Prozent der Unternehmen der Fall. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim und des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) der Universität Mannheim im Auftrag der BW-Bank. Deren Vorstandsvorsitzender Joachim E. Schielke betonte bei der Vorstellung dieser Studie in der Stuttgarter Zentrale der Bank: "Wir setzen den Schwerpunkt in unserem Unternehmenskundengeschäft auf den baden-württembergischen Mittelstand und haben deshalb aus der Untersuchung tiefere Erkenntnisse über Nachfolgeprozesse in Familienunternehmen gewonnen."

In den Jahren von 2002 bis 2008 wurden in Deutschland rund 8.600 mittelständische Familienunternehmen an einen neuen geschäftsführenden Inhaber übergeben. Das sind etwa 23 Prozent der insgesamt 38.000 deutschen mittelständischen Unternehmen. Aus den übergebenen eigentümergeführten mittelständischen Familienunternehmen wurden für die Studie 1.100 zufällig ausgewählt und deren neue Eigentümer telefonisch befragt. Für Deutschland ist dies die erste Studie zum Generationenwechsel im Mittelstand, die in einem solch großen Maßstab durchgeführt wurde.

Gut ein Fünftel der übernommenen mittelständischen Familienunternehmen hat externe Nachfolger, fast drei Fünftel bleiben in Familienhand und ein weiteres Fünftel hat Nachfolger, die bereits vorher im Unternehmen gearbeitet haben. Die Zufriedenheit der neuen Inhaber mit der Vorbereitung der Unternehmensübergabe ist insgesamt sehr groß. Allerdings beurteilen externe Nachfolger die Güte der Vorbereitung etwas schlechter als interne. Ein unerwartet hoher Anteil der Alteigentümer ist auch nach der Übernahme noch im Unternehmen tätig und arbeitet gut mit dem neuen Inhaber zusammen. Indessen nimmt der Einfluss des Alteigentümers ab, je weiter die Übergabe zurück liegt. "In den meisten Fällen unterstützt der Übergeber den Nachfolger so lange dies notwenig ist und zieht sich rechtzeitig aus dem Unternehmen zurück", sagt Prof. Dr. Michael Woywode, Leiter des ifm Mannheim.

Die Studie zeigt bei der Qualifikation der neuen Eigentümer einen klaren Trend von einer überwiegend ingenieurwissenschaftlichtechnisch ausgebildeten Unternehmergeneration hin zu eher betriebswirtschaftlich qualifizierten Inhabern. Auswirkungen auf die Innovationsaktivitäten der Unternehmen zeigen sich bei einem Vergleich von Nachfolgern, die einerseits betriebswirtschaftlich oder andererseits ingenieurwissenschaftlichtechnisch ausgebildet sind, allerdings nicht.

Ein hoher Anteil der Unternehmensnachfolger nimmt nach der Übernahme organisatorische Veränderungen und Änderungen der externen Geschäftsbeziehungen vor. Dabei fällt auf, dass externe Nachfolger auf diesem Feld besonders aktiv sind. Sie setzen auch stärker als interne Nachfolger neue Finanziers und Berater ein und kündigen Zulieferverträge. Auch ist bei externer Nachfolge häufig ein Wechsel der Hausbank zu beobachten.

Die Umsatzrendite der Unternehmen mit externer Nachfolge ist bei der Übernahme oft deutlich geringer, steigt in den folgenden Jahren allerdings stärker an als bei den anderen Nachfolgeunternehmen. Externe Nachfolger übernehmen somit zwar in der Regel weniger rentable Unternehmen als familien- und unternehmensinterne Nachfolger, haben aber Fähigkeiten, die sie in die Lage versetzen, das Entwicklungspotenzial ihrer Unternehmen zu aktivieren. Bereits wenige Jahre nach der Übernahme haben sie dann ihren Renditerückstand aufgeholt. "Es scheint, dass es gerade der unvoreingenommene Blick von außen ist, der es externen Nachfolgern ermöglicht, Schwachpunkte im Unternehmen zu erkennen und entsprechende Veränderungen vorzunehmen", sagt Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz, Präsident des ZEW Mannheim.

Download der Studie sowie des technischen Anhangs mit Tabellen im Internet unter:
http://www.zew.de/generationenwechsel2010
http://www.zew.de/technischeranhang_generationenwechsel2010
Für Rückfragen zum Inhalt:
Dr. Georg Licht
Telefon: +49/621/1235-177, E-Mail: licht@zew.de
Dr. Sandra Gottschalk
Telefon: +49/621/1235-267, E-Mail: gottschalk@zew.de

Gunter Grittmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.zew.de/generationenwechsel2010
http://www.zew.de/technischeranhang_generationenwechsel2010

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Wert fest „im grünen Bereich“ - IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr sinkt auf nur 5,1 Prozent
14.09.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Konjunkturprognose: Deutsche Wirtschaft nähert sich der Hochkonjunktur
07.09.2017 | Institut für Weltwirtschaft (IfW)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie