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Wie es weiter geht ist meist offen - Kein Patentrezept bei der Unternehmensnachfolge

11.11.2011
Fachtagung an der HfWU

Der deutsche Mittelstand ist der Motor für die wirtschaftliche Entwicklung. Er strotzt vor Kraft und Innovationsfreude. Größere Verwerfungen in diesem Sektor kann sich die deutsche Volkswirtschaft kaum leisten. Der Tag des Rechts an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) befasste sich aus aktuellem Anlass mit dem Thema der Unternehmensnachfolge. Rund 110 000 Unternehmen werden bis 2014 in andere Hände übergehen. Betroffen sind davon immerhin 1,4 Millionen Beschäftigte.

Schon die Zahlen zeigen: Unternehmensnachfolgen müssen sorgfältig geplant sein. Der Rektor der Hochschule, Professor Dr. Werner Ziegler, beschrieb in seinem Grußwort die Herausforderungen für die Eigentümer, die vor der Übergabe ihres Unternehmens stehen. Für viele ist es schlicht die Trennung von ihrem Lebenswerk. Dazu kommt: Wer soll denn überhaupt der neue Nachfolger werden? Nicht immer sind die direkten Familienangehörigen dafür geeignet oder es fehlen schlicht die Erben. Hinzu kommt: Ein wahrer Dschungel an steuerlichen und rechtlichen Vorgaben, die es zu beachten gilt. Veranstalter Professor Dr. Peter Förschler hatte zum dritten Mal für seinen Tag des Rechts Experten nach Nürtingen geladen, die für Klarheit sorgen sollten.

Die Blickwinkel waren dabei völlig unterschiedlich. Dr. Dirk Koch wies auf die grundsätzlichen Themen hin, die bei der Unternehmensnachfolge zu beachten sind. Dazu gehörten, leider, auch die Fehler, die häufig gemacht werden. Dazu gehört vor allem der Zeitpunkt zu diesem Schritt, der häufig zu spät gemacht wird. Ein großes Hindernis sind auch die Finanzen, die auch die Suche nach geeigneten Nachfolgern erschweren. Koch präsentierte auch Lösungen: Kanzleien und Beratungsunternehmen können bei der Suche helfen, und auch Finanzierungen lassen sich über externe Kapitalgeber regeln. In jedem Fall zentral ist jedoch, dass sich der Firmeneigentümer frühzeitig um „die Zeit danach“ kümmert.

Dazu gehören vor allem Regelungen bei der Erbschaft. Dr. Thomas Lang, seit kurzem Honorarprofessor an der HfWU, ist Erbrechtsexperte. Für ihn ist klar: An erster Stelle steht immer die Existenz des Unternehmens. Und die kann auf dem Spiel stehen, wenn es den Erben eher um den eigenen finanziellen Anteil geht, als die Zukunftsfähigkeit der väterlichen oder mütterlichen Firma. Auch hier gilt: Frühzeitige Regelungen zu treffen, die die Existenz des Unternehmens sichern. Lang betont, dass dies nicht nur beim Erbfall gelten sollte, sondern auch bei allen familienrechtlichen Themen. Auch eine Scheidung, kann das Ende einer Firma bedeuten, wenn nicht sichergestellt ist, dass das Kapital im Unternehmen bleibt.

Es kann aber auch gut gehen: Häufig sind Familienangehörige die idealen Nachfolger. Außerhalb davon kommen aber auch Mitarbeiter oder externe Führungskräfte in Frage, die Geschicke eines Unternehmens in der Zukunft zu bestimmten. Möglich ist auch, eine Firma in eine Stiftung zu übertragen. Dirk Koch beschrieb auch hier die möglichen Wege und welche steuerlichen Folgen daraus entstehen. Eine grundsätzliche Frage, vor allem wenn es um den Verkauf einer Firma geht, ist deren Preis, genauer, der Wert eines Unternehmens. Armand von Alberti erklärte beim Tag des Rechts die sogenannte „Fairness Option“. Dabei handelt es sich um ein Instrument, mit dem der Verkauf eines Unternehmens gutachterlich und auf unabhängiger Grundlage vorbereitet werden kann.

In ihrem Fazit waren sich alle Referenten einig: Den Königsweg bei der Unternehmensnachfolge gibt es nicht. Das Thema ist kompliziert und vielschichtig. Umso wichtiger ist es sich früh darum zu kümmern und den Weg hin zu neuen Eigentumsverhältnissen nicht in die Länge zu ziehen. Positiv ist jedoch: Bei der Fülle an verschiedenen Szenarien gibt es auch für jede Variante eine entsprechende Lösung. Ohne entsprechende juristische und notarielle Unterstützung wird die Unternehmensnachfolge dagegen in den seltensten Fällen erfolgreich funktionieren. Der Tag des Rechts ist eine jährliche Fachveranstaltung der HfWU unter der Leitung von Professor Dr. Peter Förschler. Die Veranstaltung wurde unterstützt von den Stuttgarter Rechtsanwalts- und Notarkanzlei GSK Stockmann & Kollegen und der Unternehmensberatung Ebner Stolz Mönning Bachem.

Gerhard Schmücker | idw
Weitere Informationen:
http://www.hfwu.de/

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