Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frauen und Akademiker: Hoffnungsträger für ein vitales Gründungsgeschehen

04.08.2008
Damit die Anzahl der Unternehmensgründungen in Deutschland auch im Jahre 2050 auf ähnlich hohem Niveau wie heute rangiert, müsste sich in den nächsten 42 Jahren der Anteil der Frauen, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen, um sechs Prozentpunkte erhöhen und die Anzahl der Hochschulabsolventen müsste um zehn Prozentpunkte ansteigen.

Passiert dies nicht, ist ein deutlicher Rückgang des Gründungsgeschehens in Deutschland absehbar. Denn aufgrund des demographischen Wandels wird die Gruppe der Erwerbspersonen, aus der die meisten Gründerpersönlichkeiten hervorgehen - die Gruppe der 30 bis 45 Jährigen - schrumpfen und sich somit die Gründungsdynamik verlangsamen.

Dies hätte voraussichtlich sinkende Beschäftigungszahlen und eine geringere Innovationskraft der gesamten Volkswirtschaft zur Folge. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, die untersucht, an welchen Stellschrauben gedreht werden müsste, um unter den Bedingungen einer im Durchschnitt abnehmenden und alternden Bevölkerung das Gründungsgeschehen zu beleben.

In den vergangenen Jahren wurden im Durchschnitt etwa 250.000 Unternehmen pro Jahr gegründet. Aufgrund des demografischen Wandels würde diese Zahl bis 2050 bei ansonsten unveränderten Rahmenbedingungen auf rund 195.000 zurückgehen.

"Die Modellrechnungen belegen, dass die Wahrscheinlichkeit ein Unternehmen zu gründen in hohem Maße durch das Geschlecht und die Ausbildung der Erwerbspersonen beeinflusst wird. Daneben spielt auch das Alter eine maßgebliche Rolle. An diesen drei Faktoren muss also gedreht werden, um auch in Zukunft ein vitales Gründungsgeschehen zu gewährleisten", sagt ZEW Expertin Dr. Sandra Gottschalk.

Die Studie entwirft hierzu drei Simulationsszenarien: Während aktuell nur etwa 16 Prozent der Unternehmensgründungen von Frauen betrieben werden, wird in einer ersten Simulation die Frauenbeteiligung im Jahr 2050 auf 22 Prozent gesteigert. Allein dieser moderate Anstieg um sechs Prozentpunkte führt zu einer signifikant steigenden Anzahl an Unternehmensgründungen. So könnten bis zum Jahr 2050 etwa 206.000 Gründungen insgesamt realisiert werden.

In einem zweiten Szenario wird der Anstieg des Akademikeranteils bei den Erwerbspersonen von aktuell 16 auf 26 Prozent bis zum Jahr 2050 simuliert. Da die Gründungsneigung mit der Qualifikation steigt, führt die Erhöhung des Akademikeranteils zu einer signifikanten Zunahme der Gründungszahlen auf insgesamt rund 211.000 Gründungen im Jahr 2050.

Wie ein abschließendes Szenario deutlich macht, wird ein im Vergleich zu den vorangegangenen Simulationen - akkumuliert über den gesamten Untersuchungszeitraum - schwächerer Effekt auf die Entwicklung des Gründungsgeschehens erzielt, wenn ältere Erwerbspersonen im Alter zwischen 50 bis 59 Jahren motiviert werden, ein Unternehmen zu gründen. In der Modellrechnung wird der Anteil der Selbstständigen an den Erwerbspersonen im Alter zwischen 50 und 59 Jahren von 0,38 Prozent auf 0,41 Prozent erhöht (zum Vergleich: die Eintrittsquote der 30 bis 39-Jährigen liegt aktuell bei 0,86 Prozent). Obwohl diese Maßnahme über den gesamten Untersuchungszeitraum betrachtet das Gründungsgeschehen nicht so deutlich belebt wie die anderen Szenarien, könnten hierdurch im Jahr 2050 aber immerhin insgesamt 208.000 Gründungen realisiert werden.

Die aktuelle Studie wurde als ZEW Discussion Paper Nr. 08-032 veröffentlicht. Sie finden Sie auf der Website des ZEW unter: http://www.zew.de/publikation4434

Gunter Grittmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.zew.de/publikation4434

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Rezessionsgefahr nahe null - IMK-Indikator: Deutsche Wirtschaft auf dem Weg in die Hochkonjunktur
16.01.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Mit Schwung ins neue Jahr
28.12.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Projekt "HorseVetMed": Forscher entwickeln innovatives Sensorsystem zur Tierdiagnostik

17.01.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt

17.01.2018 | Physik Astronomie

Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

17.01.2018 | Physik Astronomie