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Forschung und Entwicklung in Deutschland vor der Nagelprobe

04.03.2009
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung war in Deutschland auch die Hoffnung verbunden worden, dass Wirtschaft und Staat bei Aktivitäten in Forschung und Entwicklung (FuE) einen großen Sprung nach vorn machen.

Von einem FuE-Anteil am Inlandsprodukt von 3 % im Jahr 2010 war die Rede. Deutschland bewegt sich jedoch immer noch wie ein Tausendfüßler: Es schleicht den meisten westlichen Industrieländern hinterher, die FuE-Intensität verharrt bei rund 2,5 %, Fortschritte sind kaum sichtbar.

Langfristig wird die Dynamik insbesondere von entwickelten Ländern Asiens (Japan, Israel und die "Tiger") sowie aufholende Schwellenländer wie China und Indien getragen. Aber auch viele europäische Mitkonkurrenten haben sich stark verbessert. Dies ist ein Ergebnis der jährlichen Studie des NIW zum FuE-Verhalten der Wirtschaft und des Staates.

Angesichts der Rezession geht die Studie nicht nur auf die mittel- und langfristigen Trends und Strukturen ein, sondern befasst sich auch mit den aktuellen Aussichten. Danach haben die durchaus wohlgemeinten staatlichen Aktivitäten zur Stimulierung von FuE noch nicht so angeschlagen wie erhofft: Weder bei den Kapazitäten an Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen, noch in der Wirtschaft - trotz der im Aufschwung sehr günstigen Rahmenbedingungen: Hohe Steuereinnahmen und Gewinne, Produktivität und internationale Wettbewerbsfähigkeit, sinkende Unternehmenssteuern und rege Investitionstätigkeit. Diese Chance ist nicht genutzt worden.

Schreibt man das eher passive FuE-Verhalten der Wirtschaft, die sich überwiegend an den kurzfristigen Expansionsmöglichkeiten ausgerichtet hat, fort, dann muss für 2009/10 vor dem rezessiven makroökonomischen Hintergrund bei FuE mit größeren Einbrüchen gerechnet werden. Insbesondere dürften die Innovationsimpulse aus den stark kriselnden Bereichen Export und Automobilbau fehlen. FuE steht in der Wirtschaft vor der Nagelprobe.

Angesichts der Engpässe bei Naturwissenschaftlern und Ingenieuren wird sich die Wirtschaft bemühen, ihre Fachkräfte so gut es geht zu "horten". Aber es kann nicht so ohne weiteres damit gerechnet werden, dass in Automobil- und Maschinenbau, in Elektrotechnik und Chemieindustrie nicht benötigte wissenschaftlich-technische Kompetenzen rasch in Software, Datenverarbeitungsdienste, Telekommunikation, Finanzdienstleistungen sowie in Forschungs , Beratungs und Planungsdienstleistungen oder auch im Bildungssektor Verwendung finden können. Der Staat sollte - trotz gewaltiger Belastung durch die konjunkturelle Situation - bei FuE noch kräftiger auftreten. Die High Tech-Strategie kann hier richtungsweisend Hilfestellung leisten.

Die Erhöhung der FuE-Quote ist kein Selbstzweck, denn Länder, die am intensivsten FuE betrieben haben oder ihre Aktivitäten stark gesteigert haben, hatten die größten Wachstumserfolge. Deutschland gehörte zu diesem Kreis, weil FuE immer hoch im Kurs stand. Heute ist Obacht geboten, dass der Vorsprung, von dem Deutschland zehrt, nicht noch weiter schmilzt.

Olaf Krawczyk | idw
Weitere Informationen:
http://www.niw.de

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