Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscherin der FAU bewertet die Zahlungsfähigkeit von Versicherungen

06.12.2010
Spätestens die Wirtschaftskrise hat gezeigt, wie wichtig es ist, die Finanzsituation von Firmen, Banken und Versicherungen zu kennen.

Ein neues Projekt von Prof. Dr. Nadine Gatzert, Inhaberin des Lehrstuhls für Versicherungswirtschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), will genau das erforschen:

Unter dem Titel „Market Consistent Valuation and Solvency Assessment in the Insurance Industry“ sucht Prof. Gatzert nach einer Lösung, wie der Wert der Verpflichtungen gegenüber den Kunden und damit die Zahlungsfähigkeit von Versicherungen möglichst exakt bestimmt werden kann. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat nun beschlossen, das Projekt zu fördern.

In den kommenden zwei Jahren stellt die DFG dem Lehrstuhl für Versicherungswirtschaft Sach- und Personalmittel in Höhe von rund 80.000 Euro zur Verfügung.

„Es gibt bereits Forschungsarbeiten zu dem Thema“, sagt Nadine Gatzert, „allerdings wurden in diesen Untersuchungen wichtige Faktoren bislang nur partiell oder gar nicht berücksichtigt. Großen Einfluss auf die Solvenz, also die Zahlungsfähigkeit, haben zum Beispiel individuelle Entscheidungen des Versicherungsnehmers. Er hat in der Regel die Möglichkeit, seine Versicherung zu kündigen oder seine Beitragszahlungen auszusetzen. Davon hängt ab, wie viel Geld das Unternehmen zur Verfügung hat. Wenn er in Pension geht, besteht für das Versicherungsunternehmen aufgrund der demographischen Entwicklung außerdem das Risiko der Langlebigkeit, das heißt, dass jemand länger lebt als erwartet.“ Prof. Gatzert betont, dass die Versicherung in jedem Fall die Rente bis zum Tod ausbezahlen müsse.

Es könnte also die Situation eintreten, dass der Kunde von der Versicherung insgesamt mehr Geld erhält, als er jemals eingezahlt hat und als dies vom Versicherer in der Kalkulation berücksichtigt war. Allerdings bieten Versicherungsunternehmen neben Rentenversicherungen häufig auch Todesfallversicherungen mit fester Laufzeit an, die nur eine Auszahlung im Falle des Todes vorsehen. Leben auch diese Versicherungsnehmer länger als ursprünglich kalkuliert, dann behält die Versicherung Geld zurück und kann so die höheren Auszahlungen der Renten teilweise ausgleichen.

„All diese Möglichkeiten müssen in eine Untersuchung mit einbezogen werden, wenn die Zahlungsfähigkeit von Versicherungen möglichst genau eingeschätzt werden soll“, erklärt Prof. Gatzert. Auch Entscheidungen des Managements, etwa in welchem Umfang das Unternehmen in Aktien oder Rentenfonds investiert und wie das Kapitalanlageportfolio im Laufe der Zeit umgeschichtet wird und sich entwickelt, spielen eine Rolle.

Das Projekt
Um die unterschiedlichen Faktoren evaluieren zu können, will Prof. Gatzert zunächst ein theoretisches Modell entwickeln, das möglichst realistisch ein Versicherungsunternehmen darstellt. Die Sterblichkeitsentwicklung und die Kapitalanlage werden dabei mit stochastischen Modellen abgebildet. In das theoretische Versicherungsunternehmen fließen Daten und Zahlen ein, die real existierende Versicherungen regulär veröffentlichen oder gezielt für das Forschungsprojekt zur Verfügung stellen. „Wie bei einem Crashtest für Autos ist das Modell gewissermaßen unser Dummy“, erläutert die Wissenschaftlerin. „Sobald es steht, lassen wir verschiedene Simulationen laufen. Einmal untersuchen wir damit den Einfluss von Entscheidungen des Versicherungsnehmers, ein anderes Mal Entscheidungen des Unternehmens, und so weiter.“ Am Schluss soll dann eine gewisse Bandbreite von Ergebnissen stehen, anhand derer die Zahlungsfähigkeit von Versicherungen eingeschätzt und die zentralen Einflussfaktoren identifiziert werden können.
Zur Person
Prof. Dr. Nadine Gatzert, geboren 1979, hat seit August 2009 den Lehrstuhl für Versicherungswirtschaft an der FAU inne. Bei ihrer Berufung war sie die jüngste BWL-Professorin Deutschlands. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Versicherungsmathematik, Bewertung und Management von Finanzgarantien, Enterprise Risk Management sowie Regulierung und Solvenzmessung.

Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.versicherungswirtschaft.rw.uni-erlangen.de.

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit mehr als 28.000 Studierenden, 550 Professorinnen und Professoren sowie 2000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in engem Dialog mit Jura und Theologie sowie den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Seit Mai 2008 trägt die Universität das Siegel „familiengerechte Hochschule“.

Mehr Informationen:
Prof. Dr. Nadine Gatzert
Tel.: 0911/5302-884
nadine.gatzert@wiso.uni-erlangen.de

Pascale Anja Dannenberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet
29.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE