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Die Formel für den Erfolg

06.03.2012
Florian Englmaier hat seit Anfang dieses Jahres den Lehrstuhl für Vertrags- und Informationsökonomik an der Universität Würzburg inne. Was so sperrig klingt, hat einen überraschend engen Bezug zum Alltag eines jeden Arbeitnehmers und Kunden.

Wie gestalten Firmen Produkte? Wie legen sie Preise fest? Wie verhalten sich Firmen und Märkte zueinander? Und – ganz wichtig: Wie schaffen es Firmen, ihre Angestellten optimal zu motivieren? Das sind die Fragen, die sich hinter zwei Schwerpunkten von Florian Englmaiers Forschung verbergen: der Organisations- und der Industrieökonomik. Der 37-jährige Wirtschaftswissenschaftler ist vor Kurzem von Konstanz an die Universität Würzburg gewechselt und leitet hier den Lehrstuhl für Vertrags- und Informationsökonomik.

Der Gegensatz zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer

„Lange Zeit war die vorherrschende Meinung recht simpel: Der Unternehmer will, dass seine Angestellten möglichst hart arbeiten. Viele Angestellten hingegen wollen ihren Einsatz möglichst gering halten. Und die Frage war: Wie soll der Vorgesetzte damit umgehen?“ Diese Frage beschäftigt auch Florian Englmaier. Bei der Suche nach einer Antwort setzt er sowohl auf Theorie als auch auf Praxis.

Mit mathematischen Modellen versucht Englmaier beispielsweise einen Algorithmus zu entwickeln, der am Ende idealerweise zu einer Handlungsempfehlung führt, die in einen Arbeitsvertrag einfließen könnte. Das ist die Theorie. In der Praxis geht der Wirtschaftswissenschaftler in Betriebe und untersucht dort unter anderem, welche Auswirkungen es hat, wenn die eine Arbeitsgruppe ein kompliziertes Anreizsystem besser versteht als eine andere Gruppe.

Die Theorie in der Praxis zu testen: Das ist Englmaier wichtig. „Ich habe zwei Jahre in den USA verbracht. Dort ist mir das empirische Überprüfen eingetrichtert worden“, sagt er. Und so kann er vor Ort feststellen, dass Mitarbeiter, die besser über ein Belohnungssystem informiert sind, auch besser arbeiten.

Darüber hinaus spielt Englmaier im Experimentallabor mit Probanden durch, welches Verhalten Menschen an den Tag legen, wenn es darum geht zu kooperieren, zu konkurrieren, den eigenen Vorteil zu verfolgen oder den der Gruppe. Die Erkenntnisse, die er daraus zieht, fließen dann wiederum in seine mathematischen Modelle ein.

Geld ist nicht alles

„Inzwischen wissen wir, dass der Mensch nicht so simpel gestrickt ist, dass er umso härter arbeitet, je höher der finanzielle Anreiz, beispielsweise eine Bonusprämie, ist“, sagt Englmaier. Tatsächlich spielen viele Faktoren mit hinein, die darüber entscheiden, ob eine Prämie mit Freude angenommen wird oder etwa mit Ärger. Zum Beispiel der Vergleich mit dem Anderen: „Wenn mein Kollege mehr erhält als ich, freue ich mich längst nicht so sehr, wie wenn wir beide die gleiche Prämie erhalten“, sagt Englmaier.

Wichtig ist auch der Kontext, in dem eine Belohnung erfolgt. „Wenn ich das Gefühl habe, dass mein Vorgesetzter sich wirklich dafür interessiert, ob es mir gut geht, versetzt mich das in eine positive Grundstimmung“, so der Wissenschaftler. Wer jedoch das Gefühl hat, das sei dem Chef egal, der wird sich auch nicht über eine Prämie zu Begeisterungsstürmen hinreißen lassen.

Überhaupt ist Geld längst nicht alles, womit Arbeitnehmer dazu gebracht werden können, ihr Bestes für die Firma zu geben. Andere Faktoren spielen eine ebenso bedeutende Rolle: Die Arbeitsplatzsicherheit, eine angenehme Atmosphäre, flexible Arbeitszeiten, das Gefühl, eine sinnvolle Tätigkeit zu verrichten sind ein paar von ihnen.

Effizientes Wirtschaftswachstum

Ist Florian Englmaier also auf der Suche nach der einen Formel, die dem Arbeitgeber sagt, wie er das Optimum aus seinen Beschäftigten herausholt? „Die kurze Antwort lautet Ja“, sagt der Wissenschaftler. Die lange ist ein wenig tiefgründiger. Denn hinter all diesen Untersuchungen steckt der Grundgedanke, dass eine Wirtschaft permanent Wachstum generieren und Innovationen produzieren muss, um gegen die Konkurrenz bestehen zu können. Die Mittel, die ihr dafür zur Verfügung stehen, muss sie möglichst effizient einsetzen – und dazu zählt natürlich auch die Arbeitskraft der Beschäftigten. Wer es also schafft, seine Angestellten optimal zu motivieren, der hat im Wettbewerb schon einen Vorsprung. Aber was das betrifft, gebe es noch viel zu forschen, so Englmaier.

Zur Person

Florian Englmaier wurde 1974 in Rosenheim geboren. Von 1996 bis 2000 studierte er Volkswirtschaftslehre an der Universität München; dort promovierte er auch im Jahr 2005 mit einer Arbeit über „The Effects of Preference Characteristics and Overconfidence on Economic Incentives“. Es folgten Stationen am University College London, der Harvard University, der Harvard Business School und der Stanford University.

2007 wurde Englmaier Wissenschaftlicher Assistent an der Ludwig-Maximilians-Universität München; 2009 wurde er dort zum Juniorprofessor ernannt. Im Jahr 2011 wechselte er an die Universität Konstanz, wo er den Lehrstuhl für Unternehmenspolitik innehatte. Seit Januar dieses Jahres leitet er den Lehrstuhl für Vertrags- und Informationsökonomik an der Universität Würzburg.

Kontakt

Prof. Dr. Florian Englmaier, T: (0931) 31-86662, E-Mail: florian.englmaier@uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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