Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Finanzkrise hinterlässt tiefe Spuren im Beteiligungsmarkt in Deutschland

23.11.2010
- Zunehmende Spezialisierung der Marktteilnehmer auf Finanzierungsphasen und Branchen
- Renditeerwartungen gesunken
- Weiter große Angebotslücken in der Früh- und Wachstumsphase
- 41 % aller Exits im Jahr 2009 waren Totalverluste

Der Beteiligungsmarkt in Deutschland hat sich im Zuge der Finanzkrise sichtbar verändert. Dies zeigt eine Studie der KfW Bankengruppe und des KfW-Stiftungslehrstuhls für Entrepreneurial Finance an der Technischen Universität München.

Danach ist in den Jahren 2007 bis 2009 eine zunehmende Professionalisierung und Verlagerung des Finanzierungsschwerpunktes der Marktteilnehmer auf die so genannte Spätphase zu beobachten. Die Volumina der am Markt agierenden Fonds und die durchschnittlichen Investitionssummen sind dementsprechend deutlich gestiegen. Dieser Entwicklung stehen zunehmende Angebotslücken beim Beteiligungskapital in der Früh- und Wachstumsphase gegenüber.

Wagniskapitalgeber aus dem öffentlichen Sektor, d. h. Förderbanken und öffentlich getragene Beteiligungsgesellschaften, haben in der Krise zwar einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung des Beteiligungsmarktes im Frühphasensegment geleistet, konnten diese Lücke aber nur zum Teil schließen. "Auch wenn die öffentliche Hand deutlich zur Abfederung der Folgen der Finanzkrise für den Beteiligungsmarkt beigetragen hat, ist der gewachsene Anteil der Marktteilnehmer, die eine strukturelle Angebotslücke in der Frühphase und neuerdings in der Wachstumsfinanzierung sehen, Besorgnis erregend. Hier besteht Nachholbedarf bei der Bereitstellung des privaten Wagnis- und Wachstumskapitals", sagt KfW-Volkswirtin und Co-Autorin der Studie Dr. Margarita Tchouvakhina.

Gesunkene Nachfrage nach Finanzierungen, kritische Unternehmen

Die Finanzkrise hat sich auf die Entwicklung des Dealflows, die Struktur der Exitkanäle, auf Finanzierungsformen und die Betreuung von Investments ausgewirkt. Die Nachfrage nach Finanzierungen ist insgesamt gesunken. So ging die mittlere Anzahl der Finanzierungsanfragen pro Beteiligungsgesellschaft um 17 % zurück.

Vor diesem Hintergrund kommt dem eigenen Netzwerk der Beteiligungsgesellschaften bei der Akquisition ihres Dealflows eine hohe Bedeutung zu. Aus dem eigenen Netzwerk stammen der höchste Anteil von Investitionsgelegenheiten und ein noch höherer Anteil abgeschlossener Deals. Die hohe Bedeutung eines eigenen Netzwerkes für den Erfolg einer Beteiligungsgesellschaft zeigt sich auch darin, dass die Zielunternehmen kritischer geworden sind. Die Bereitschaft der Beteiligungsgesellschaften zu investieren war zwar höher als in der Vorgängerstudie von 2006, es kam jedoch häufiger zum Scheitern eines Abschlusses, da sich die Vertragsparteien nicht einigen konnten. Ein starkes Investitionshemmnis ist nach wie vor die ablehnende Haltung vieler Unternehmer gegenüber Beteiligungskapital.

Prof. Ann-Kristin Achleitner von der Technischen Universität München sieht hier Handlungsbedarf: "Der Eigenkapitalbedarf bei den Unternehmen ist vorhanden, sie legen jedoch ihre Scheu nicht ab. Hier müssen seitens der Beteiligungsbranche in Zusammenarbeit mit den Interessenverbände der Wirtschaft Maßnahmen ergriffen werden, um diese Ablehnung abzubauen."

Renditeerwartungen nach unten geschraubt

Deutliche Folgen hat die Krise auch für die Renditeerwartungen an potentielle Deals, die weiteren Anforderungen an Zielunternehmen wie ein Mindestumsatz sowie für den Grad der Einflussnahme der Gesellschaften auf ihre Portfoliounternehmen. Die Investoren haben ihre Renditeerwartungen nach unten korrigiert, der Anteil von Gesellschaften mit einer erwarteten Mindestbruttorendite von 30 % und mehr ist deutlich gesunken. Die Beteiligungsgesellschaften üben verstärkt Einfluss auf ihre Portfoliounternehmen aus. Sie versuchen, insbesondere Unternehmen, die stark gefährdet sind, proaktiv in der Krise zu unterstützen.

Besonders intensiv hat sich die Krise auf diejenigen Beteiligungen ausgewirkt, die im Jahr 2009 veräußert wurden: 41 % aller Exits dieses Jahres mussten als Totalverlust verbucht werden. Für die Exits im Jahr 2005 lag dieser Anteil noch bei 24 %. Die Anteile von Secondary-Buyouts, d. h. der Weiterverkauf von Beteiligungen an andere Beteiligungsgesellschaften, sowie derjenige von Börsengängen an den Exits sind, aufgrund der schlechten Bedingungen an den globalen Finanzmärkten in den Jahren 2008 und 2009, deutlich gesunken. Fast keine Beteiligungsgesellschaft in Deutschland hat in dieser Zeit eines ihrer Portfoliounternehmen an die Börse gebracht.

Secondary-Buyouts wiederum verloren an Bedeutung - vermutlich aufgrund der gesunkenen Gewinnperspektiven der Zielunternehmen sowie der deutlich restriktiveren Kreditvergabe von Banken an Beteiligungsunternehmen. Im Vergleich zu den anderen Exitkanälen blieb der Anteil von Beteiligungsverkäufen an einen strategischen Investor (Trade-Sales) relativ stabil.

Die Studie "Beteiligungsmarkt nach der Krise: Optimistischer Ausblick aber Angebotslücke beim Wachstumskapital wird größer" steht unter www.kfw.de im Bereich Research zum Download zur Verfügung.

| presseportal
Weitere Informationen:
http://www.kfw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index startet gut ins neue Jahr
22.02.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Indikator: Keine Rezessionsgefahr, keine Anzeichen für konjunkturelle Überhitzung
19.02.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics