Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Existenzgründungen: Weiterhin zu großer Rückstand von Frauen

23.03.2010
Trotz steigender Erwerbsbeteiligung und höherem Qualifikationsniveau sind Frauen bei Unternehmensgründungen in Deutschland deutlich unterrepräsentiert.

Das ist vor allem auf Mentalitätsunterschiede zurückzuführen, wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht, die beim Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn erschienen ist.

Der Untersuchung zufolge sind es insbesondere eine geringer ausgeprägte Risikobereitschaft und eine defensivere Chanceneinschätzung, die Frauen vom Schritt in die Selbständigkeit abhalten.

Obwohl Frauen heute über ein höheres durchschnittliches Bildungsniveau als Männer verfügen und inzwischen die Mehrheit der Hochschulabsolventen in Deutschland stellen, halten sie sich bei Existenzgründungen auffallend zurück. Zwar ist der Frauenanteil unter den Gründerpersonen während des letzten Aufschwungs von 36 auf insgesamt 41 Prozent gestiegen, doch stellen Männer noch immer zwei von drei Vollerwerbsgründern.

Forscher der KfW Bankengruppe und der Universität Freiburg sind den Ursachen hierfür nachgegangen und haben untersucht, inwiefern äußere Bedingungen und individuelle Persönlichkeitsmerkmale die Entscheidung zum Schritt in die Selbständigkeit beeinflussen. Dazu analysierten sie Daten des KfW-Gründungsmonitors, einer repräsentativen Erhebung zum Gründungsgeschehen in Deutschland.

Das Ergebnis: Geschlechtsspezifische Unterschiede in der individuellen Risikobereitschaft und der Fokussierung auf den beruflichen Werdegang sind die wichtigste Ursache für die geringere Gründungsquote bei Frauen. Soziodemografische Faktoren wie Bildungsstand oder Haushaltsgröße spielen dagegen kaum eine Rolle.

"Frauen setzen im Berufsleben andere Schwerpunkte als Männer", erklärt KfW-Ökonom Karsten Kohn, der die Studie mitverfasst hat. "Für sie steht das berufliche Vorankommen weniger im Vordergrund als bei Männern. Zudem sind sie im Durchschnitt wesentlich skeptischer, was die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die persönlichen Voraussetzungen für unternehmerischen Erfolg angeht."

Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht, aber auch mit Blick auf die individuellen Entfaltungsmöglichkeiten und Arbeitsmarktperspektiven, sollte die Politik gezielter als bisher den weiblichen Unternehmergeist fördern. Dafür spricht auch, dass Frauen häufiger als Männer aus der Nichterwerbstätigkeit heraus die Selbständigkeit wählen.

Bereits im Bildungssystem könnten hier zusätzlich motivierende Akzente gesetzt werden. Auch Netzwerke erfolgreicher Unternehmerinnen und eine speziell auf die Bedürfnisse von gründungsinteressierten Frauen zugeschnittene Beratung könnten mentale Einstiegshürden abbauen helfen, um das ungenutzte Potenzial gerade der hochqualifizierten Frauen in diesem Bereich besser auszuschöpfen.

"Existenzgründer sind eine tragende Säule unserer Wirtschaft. Wir tun gut daran, hier verstärkt auf die Frauen zu setzen", kommentierte IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann die Ergebnisse der aktuellen Studie.

Die englischsprachige Publikation steht auf der IZA-Homepage zum Download bereit:

Marina Furdas, Karsten Kohn:
What's the Difference?! Gender, Personality, and the Propensity to Start a Business
IZA Discussion Paper No. 4778
http://ftp.iza.org/dp4778.pdf
Pressekontakt:
Sonja Höpfner
KfW Bankengruppe
Kommunikation
Palmengartenstr. 5-9
60325 Frankfurt a/M
Tel.: (069) 7431-4306
E-Mail: sonja.hoepfner@kfw.de

Mark Fallak | idw
Weitere Informationen:
http://www.kfw.de
http://ftp.iza.org/dp4778.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie