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Eurokrise: Zahlungsmoral vor rapidem Absturz - Keine Entspannung bei Privatschulden

20.10.2011
Herbstumfrage der Inkassowirtschaft

In ihrer aktuellen Trendumfrage prognostiziert die deutsche Inkassowirtschaft einen rapiden Abfall der Zahlungsmoral innerhalb der nächsten sechs Monate, sollte die Eurokrise weiterhin anhalten.

79 Prozent der befragten Inkassodienstleister rechnen damit, dass Unternehmen dann ihre Rechnungen schlechter bezahlen werden - von Verbrauchern nehmen das 70 Prozent an. In der Folge würden die Unternehmensinsolvenzen spürbar steigen. Diese gehen in diesem Jahr dank des Wirtschaftswachstums auf 30.000 zurück (2010: 31.998).

Aktuell ist die Zahlungsmoral so gut wie seit über zehn Jahren nicht: 86 Prozent der Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) melden, dass Rechnungen jetzt besser oder genauso gut wie vor sechs Monaten beglichen werden. Besonders im Einzelhandel, im Gastgewerbe und in der Dienstleistungsbranche zahlen Kunden nun spürbar besser. Kritisch ist weiterhin die Zahlungsmoral im Handwerk. 58 Prozent der Inkassounternehmen bemängeln die Rechnungstreue von dessen Kunden - und das sind oft kommunale, öffentliche Aufraggeber.

Das ohnehin schlechte Zahlungsverhalten der öffentlichen Hand hat sich laut BDIU-Herbstumfrage weiter verschlechtert. "Immer mehr Städte stehen vor der Zwangsverwaltung und sind eigentlich pleite", beschreibt Verbandspräsident Wolfgang Spitz die Situation. "Dabei könnten sie durch ein konsequentes Forderungsmanagement deutliche Mehreinnahmen generieren." Bundesweit betragen die Außenstände der Kommunen mehr als 16 Milliarden Euro. Die Stadt Wiesbaden zeige laut Spitz, wie dieses Problem bewältigt werden könne. Seit 2003 verfügt die hessische Landeshauptstadt über ein kommunales Forderungsmanagement, das die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern wie Auskunfteien und Inkassounternehmen vorsieht.

Unter Einhaltung des Datenschutzes übernehmen diese das Inkasso niedergeschlagener Forderungen. "Wiesbaden hat dadurch seine monatlichen Außenstände um rund 6 Millionen Euro reduziert - die Bürger und die Wirtschaft vor Ort profitieren davon", erläutert Spitz. "Für klamme Kommunen ist das ein Wegweiser auf dem Pfad zu mehr finanzieller Sicherheit."

Privatverschuldung hoch - jeder zehnte Erwachsene betroffen

Problematisch bleibt die private Verschuldung. Zwar sinkt die Zahl der Verbraucherinsolvenzen dieses Jahr leicht auf gut 100.000 (2010:

108.798). Aber insgesamt sind etwa 10 Prozent der erwachsenen Bevölkerung ver- oder überschuldet.

Gründe, warum Verbraucher Rechnungen aktuell nicht wie vereinbart begleichen, sind Überschuldung (90 Prozent der Inkassounternehmen bestätigen das), Arbeitslosigkeit (69 Prozent), vorsätzliches Nichtbezahlen (56 Prozent) und ein vorübergehender Liquidtätsengpass (47 Prozent).

Junge Verbraucher verschulden sich für Konsum

Bedenklich sind die Beobachtungen der Inkassowirtschaft zur Jugendverschuldung. 39 Prozent melden, dass junge Verbraucher (bis 24

Jahre) schlechter zahlen als Ältere. Jugendliche haben vor allem Konsumschulden. Hauptgläubiger junger Verbraucher sind Telekommunikationsunternehmen (87 Prozent der Inkassounternehmen melden das), Online- und Versandhändler (76 beziehungsweise 66 Prozent) sowie Internet-Serviceanbieter (56 Prozent).

"Die Entwicklung macht uns große Sorgen", so BDIU-Vizepräsidentin Marion Kremer. "Wer in jungen Jahren hohe Konsumschulden eingeht, nur um ein kurzfristiges Bedürfnis zu befriedigen, gefährdet die eigene wirtschaftliche Existenz auf Jahre hinaus. Hier fehlt es offensichtlich an Finanzkompetenz."

Kremer weiter: "Wir machen häufig die Erfahrung, dass verschuldete Jugendliche aus einem Elternhaus kommen, das ihnen einen unverantwortlichen Umgang mit Geld vorgelebt hat - viele kommen auch aus bildungsfernen Schichten. Hier hat der Staat eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Wir brauchen dringend ein verpflichtendes Schulfach Finanzkompetenz in ganz Deutschland. So kann es uns gelingen, das Überschuldungsproblem nachhaltig in den Griff zu bekommen."

Alle Ergebnisse und Grafiken zur Herbstumfrage unter www.inkasso.de

Pressekontakt:
Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V.
Pressereferent: Marco Weber
Friedrichstr. 50-55 - 10117 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 / 206 07 36 40
Fax: +49 (0) 30 / 206 07 36 33
Mobil: +49 (0) 170 / 201 54 75
Mail: weber@inkasso.de Web: www.inkasso.de
Twitter: www.twitter.com/BDIU_inkasso_de

Marco Weber | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.inkasso.de

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