Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Etwas bessere Beschäftigungschancen durch Ein-Euro-Jobs

18.03.2010
28 Monate nach Beginn eines Ein-Euro-Jobs zeigen sich im Durchschnitt leicht positive Einglie­derungswirkungen. Am stärksten profitieren westdeutsche Frauen, geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Bei ostdeutschen Männern sind in dem Zeitraum von 28 Monaten dagegen noch keine erhöhten Beschäftigungschancen erkennbar.

23 Prozent der westdeutschen Frauen, die an einem Ein-Euro-Job teilgenommen haben, üben 28 Monate nach dem Beginn der Maßnahme eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aus. Gleichzeitig haben nur 20 Prozent der entsprechenden Nichtteilnehmerinnen eine solche Stelle gefunden. Ein-Euro-Jobs erhöhen die Beschäftigungschancen bei westdeutschen Frauen somit immerhin um drei Prozentpunkte. Bei ostdeutschen Frauen und westdeutschen Männern steigt die Wahrscheinlichkeit dagegen nur um rund einen Prozentpunkt, bei ostdeutschen Männern im untersuchten Zeitraum von 28 Monaten gar nicht.

"Einsperreffekt" in den ersten Monaten

Während des Ein-Euro-Jobs nehmen Maßnahmeteilnehmer seltener eine reguläre Beschäftigung auf als die Mitglieder der Vergleichsgruppe. Dieser "Einsperreffekt" tritt auf, weil Ein-Euro-Jobbern weniger Zeit für Bewerbungen bleibt und weil sie teilweise den Ein-Euro-Job als Alternative zur regulären Beschäftigung sehen. Erst einige Zeit nach der Teilnahme an der Maßnahme zeigen sich die positiven Effekte. Bei einem kurzen Untersuchungszeitraum dominiert der Einsperreffekt das Forschungsergebnis; je länger der Untersuchungszeitraum ist, desto mehr verliert der Einsperreffekt an Bedeutung. Zugleich gilt: Je länger die Teilnahme an der Maßnahme dauert, desto mehr fällt der Einsperreffekt zunächst ins Gewicht. Auf lange Sicht kann eine längere Maßnahmedauer aber durchaus effektiv sein, schreiben die IAB-Forscher. Die umfangreichere Förderung könne die Chancen steigern, eine reguläre Beschäftigung aufzunehmen.

Ein-Euro-Jobs dienen auch der sozialen Integration und der Überprüfung der Arbeitsbereitschaft

Die IAB-Forscher betonen, dass Ein-Euro-Jobs nicht nur zur Verbesserung der unmittelbaren Jobchancen dienen. Vielmehr würden sie ebenso genutzt, um die soziale Integration zu fördern oder die Arbeitsbereit­schaft von Arbeitslosen zu prüfen. Der Erfolg von Ein-Euro-Jobs lasse sich daher nicht ausschließlich anhand der Beschäftigungswahrscheinlichkeit im Beobachtungszeitraum von 28 Monaten beurteilen.

IAB empfiehlt gezielteren Einsatz

Im Jahr 2009 begannen mehr als 700.000 Arbeitslosengeld-II-Empfänger einen Ein-Euro-Job. In der Regel beträgt die Dauer 6 Monate. Der Gesetzgeber hat den Einsatz von Ein-Euro-Jobs nur für die Fälle vorgesehen, in denen andere Fördermaßnahmen nicht mehr in Frage kommen - also für besonders arbeitsmarktferne Personen, die beispielsweise bereits sehr lange erfolglos nach Arbeit suchen. Der IAB-Studie zufolge gab es aber gerade unmittelbar nach der Einführung der Ein-Euro-Jobs Anfang 2005 auch viele Teilnehmer, die nicht als besonders arbeitsmarktfern einzustufen sind. Das IAB empfiehlt daher, verstärkt auf den Einsatz der Ein-Euro-Jobs zu Gunsten wettbewerbsschwacher Arbeitslosengeld-II-Empfänger zu achten.

Die IAB-Studie kann unter http://doku.iab.de/kurzber/2010/kb0410.pdf abgerufen werden. Ihr liegen die Daten von rund 70.000 Personen zugrunde, die von Februar bis April 2005 an einem Ein-Euro-Job teilgenommen haben, sowie von 300.000 weiteren Arbeitslosengeld-II-Empfängern, die die Vergleichsgruppe bilden.

Wolfgang Braun | idw
Weitere Informationen:
http://doku.iab.de/kurzber/2010/kb0410.pdf
http://www.iab.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops