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Entwicklung des Arbeitslosengeldes untersucht – Oft zu wenig zum Leben

12.11.2013
Das Arbeitslosengeld reicht oft nicht zum Leben. Jeder fünfte Mann und sogar rund 45 Prozent der Frauen mussten Ende 2011 mit weniger als 600 Euro im Monat auskommen.

Sie liegen damit unter Hartz IV (Grundsicherung einschließlich Wohn- und Heizkosten: 671 Euro) und hätten Anspruch auf Aufstockung. Lediglich jeder zehnte kurzzeitig Erwerbslose hat jedoch 2012 davon Gebrauch gemacht.

Das zeigen Berechnungen des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) aus Daten der Bundesanstalt für Arbeit, die soeben im Internet-Portal Sozialpolitik-Aktuell veröffentlicht wurden.

Die Zahlungen fallen insgesamt bescheiden aus: Durchschnittlich 924 Euro Arbeitslosengeld bekamen Männer im Jahr 2012 pro Monat. Frauen erhielten noch ein Viertel weniger – 697 Euro. „Da sich die Höhe des Arbeitslosengeldes aus dem Nettoverdienst ableitet, spiegelt sich hier wider, dass Frauen im Schnitt weniger verdienen und häufiger in Teilzeit arbeiten“, rechnet Prof. Dr. Gerhard Bäcker.

Auch die Steuerklasse V mit hohen steuerlichen Belastungen und einem entsprechend geringen Nettoentgelt führt zu niedrigen Zahlungen. Insbesondere Frauen überschreiten so nur knapp Hartz IV, in Regionen und Städten mit hohen Mieten liegt das durchschnittlich gezahlte Arbeitslosengeld unterhalb dieses Bedarfsniveaus.

„Angesichts der niedrigen Arbeitslosengeldzahlungen ist zu vermuten, dass viele Betroffene die Möglichkeit der Aufstockung nicht kennen oder nicht beantragen“, so Professor Bäcker. Das ALG I hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung verloren. Nur noch etwa 30 Prozent aller Arbeitslosen werden durch die Arbeitslosenversicherung erfasst. Knapp 70 Prozent sind dem Rechtskreis des SGB II und den Job-Centern zugeordnet – oft weil die Voraussetzungen für das Arbeitslosengeld nicht erfüllt werden oder die Leistungsdauer überschritten worden ist.

Seit 2004 haben sich die Beträge nur schwach erhöht, bei den Frauen etwas mehr als bei den Männern. Der Kaufkraftverlust von gut 14 Prozent durch Inflation wird damit allerdings nicht aufgefangen. Die durchschnittlichen Nettolöhne sind in diesem Zeitraum stärker angestiegen (um etwa 13 Prozent). Das deutet darauf hin, dass vermehrt Personen mit Niedriglöhnen arbeitslos geworden sind.

Weitere Informationen:
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Arbeitsmarkt/Datensammlung/PDF-Dateien/abbIV52_grafik_monat_11_2013.pdf

Prof. Dr. Gerhard Bäcker, Tel. 0203/379-2573, 0177/5738596, gerhard.baecker@uni-due.de

Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0170/8761608, presse-iaq@uni-due.de

Katrin Koster | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de

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