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Eigenkapital: Banken vor Stunde der Entscheidung

31.08.2010
Liquiditäts-Norm unumstritten wichtig - Zweifel an mittelfristigem Biss

Im kommenden September nähert sich das entscheidende Moment bei den Verhandlungen zur neuen Eigenkapitalrichtlinie für Finanzinstitute (Basel III).

Im vorläufigen Endspurt der Verhandlungen ringen in der Basler Finanzarena Banken, Lobbyisten, Politiker und Experten aus 27 Ländern um eine Einigung bei Größe und Zeitrahmen für die angedachten obligaten Eigenkapitalquoten. Diese sollen einen Absturz der Banken im Fall einer neuerlichen Krise verhindern. Die Notwendigkeit von Basel III ist hierbei zwar unbestritten, Experten zweifeln jedoch an Fairness und mittelfristiger Wirksamkeit der Richtlinie.

"Wer die Definition von Eigenkapital bei Basel III festlegt, bestimmt auch, welche Banken sich leicht damit ausstatten können und welche große Schwierigkeiten damit haben werden", sagt Hans-Peter Burghof, Banken-Experte von der Universität Hohenheim, im Gespräch mit pressetext. Lobbyisten kämpfen darum, dass leichter zugängliche Eigenkapitalformen im Basel-Papier festgeschrieben werden. "Hier haben beispielsweise Aktienbanken durch eine Erhöhung leichten Zugang zu Aktienkapital. Öffentlich-rechtliche Institutionen tun sich hingegen schwer, denn die Staaten haben in der Regel kein Geld für eine Eigenkapitalerhöhung", so Burghof.

Krisenabsicherung auf Zeit

Basel III ist ein Spagat zwischen unumgänglichen Reformen im Bankensektor und der Gleichbehandlung verschiedener Bankentypen mit diametral auseinandergehenden Geschäftsmodellen und Interessen. So wehren sich etwa europäische Retailbanken gegen die Intentionen der amerikanischen Investmentbanken. Die von der Krise weitgehend verschont gebliebenen Australier und Kanadier plädieren für eine abgeschwächte Richtlinie und auch die zurzeit schwer gebeutelten Japaner kochen ihr eigenes Süppchen.

"Es ist ohne Zweifel der Druck da, eine Einigung zu finden", erklärt der Banken-Experte. Doch Basel III ist, wie der Name verrät, ein kontinuierlicher Prozess der Veränderung. "Die Banken entwickeln immer neue Methoden, ihre Produkte an der Aufsicht vorbeizulotsen. Jede Norm veraltet erstaunlich schnell, es entstehen Lücken." Wenn die Aufsicht diese Lücken nicht schließt, nütze die stärkste Richtlinie nichts, so Burghof. Ein weiteres Problem sieht der Experte im Prozess selbst: "Die Normen werden immer komplexer. Es scheint wie eine Kurbel, an der man beliebig lang drehen kann, ohne zu einem Ende zu kommen."

Ein wichtiges Detail ist auch der Zeitrahmen, in dem die Banken Basel III umsetzen müssen. Auch hier fordern einige Länder eine verzögerte Implementierung, während andere die Finanzinstitute schon viel früher an die kurze Leine nehmen möchte. Die Verhandler rechnen mit einer Einigung auf ein Zeitfenster von etwa fünf Jahren.

Paul Eidenberger | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

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