Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Drum prüfe, wer sein Kapital zu lange bindet

30.06.2011
Neues Softwaretool soll Kapitalbindungskosten transparenter machen und reduzieren

Mit Kapitalbindungskosten in der Montage befasst sich das IPH – Institut für Integrierte Produktion Hannover seit Mai 2011 in einem neuen Forschungsprojekt. Entwickelt werden soll ein Softwaretool, das produzierenden Unternehmen aller Branchen bei der schnellen Bestimmung und Reduzierung des gebundenen Kapitals hilft.

Spätestens wenn sich im Pufferlager vor der Montage Material anhäuft, ahnen produzierende Unternehmen, dass nicht alles nach Plan läuft. Fehlt mindestens ein Bauteil eines Produkts, kann nicht mit der Montage begonnen und der Kunde meist auch nicht planmäßig beliefert werden. Selbst Komponenten mit niedrigem Wert, z. B. Schrauben, können große Montageaufträge verzögern, wenn sie fehlen – und auf das Jahr hochgerechnet Kapitalbindungskosten im mittleren vierstelligen Bereich verursachen. „Dabei könnten Unternehmen schon durch kleine Verbesserungen bei der Materialbereitstellung in der Montage ihre Umlaufbestände drastisch reduzieren und ihre Liquidität erhöhen“, erklärt Dipl.-Wirtsch.-Ing. Patrick Prüssing, Projektingenieur am IPH.

Wie hoch die Kapitalbindungskosten tatsächlich sind und mit welchen Maßnahmen sie sich reduzieren lassen, können Unternehmen bald leicht überprüfen. Die Wissenschaftler des IPH forschen seit Mai an einer Methode, die auf Basis von wenigen statistischen Kennzahlen Aussagen über die Höhe der Kapitalbindungskosten erlauben soll. Ab Frühjahr 2013 wird die Methode in Form eines Softwaretools frei zugänglich und vorwettbewerblich im Internet verfügbar sein. Interessierte Unternehmen können sich die Open Source-Lösung dann herunterladen und individuell anpassen.

„Viele Unternehmen könnten finanziell besser dastehen, wenn sie nicht so viel Kapital in der Montage binden würden“, meint Prüssing. Gerade im Maschinen- und Anlagenbau sei dieses Problem besonders ausgeprägt. Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG liegt das Verhältnis von Umlaufbeständen zu Umsatzerlösen in dieser Branche bei 22%. Darin sind nicht nur Lagerbestände enthalten, sondern auch Material, das vor der Montage gepuffert wird. „Vor allem im Maschinen- und Anlagenbau ist eine Materialbereitstellung in der Montage durch Lager, Fertigung und Lieferanten auf einen Schlag nur schwer realisierbar“, beschreibt Prüssing das Problem. Zurückzuführen sei dies auf die Komplexität der Produkte und die Vielzahl der beteiligten Lieferanten. Zwar können Unternehmen anhand von Materialbewegungsdaten erfassen, inwieweit eine Abstimmung gelingt, der Aufwand ist jedoch sehr hoch. Gerade kleine und mittlere Unternehmen werten die Daten daher häufig nicht aus. Vor allem sie sollen von dem neuen Softwaretool profitieren, das am IPH entwickelt wird.

Zu Beginn des Projekts werden die Wissenschaftler des IPH zunächst in den beteiligten Unternehmen Daten erfassen, z. B. Materialbewegungen oder Auftragswerte. Diese werden dann genutzt, um die Kapitalbindungskosten im Detail zu bestimmen. Im nächsten Schritt werden die Daten einer statistischen Analyse unterzogen und Gesetzmäßigkeiten mathematisch beschrieben. Auf Basis der Ergebnisse wird dann die Software entwickelt. Neben der Höhe der Kapitalbindungskosten soll das Tool auch Aufschluss über die Ursachen für deren Entstehung geben. Eine Aufschlüsselung soll Ansatzpunkte zur Reduzierung aufzeigen. Unternehmen können so monetär bewerten, ob sich eine Maßnahme wie ein Lieferantenwechsel lohnt.

Das Forschungsprojekt „Reduzierte Kapitalbindung für die Montage durch abgestimmte Materialbereitstellung“ ist zum 1. Mai 2011 angelaufen. Gefördert wird das 22-monatige Forschungsvorhaben von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e. V. (AiF) aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), die organisatorische Betreuung erfolgt durch die Bundesvereinigung Logistik e. V. (BVL). Bislang beteiligen sich fünf Industrieunternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau an dem Projekt, darunter vier KMU. Interessierte Unternehmen können sich dem Konsortium noch anschließen. Kosten entstehen dadurch keine; die beteiligten Unternehmen können die Forschungsergebnisse allerdings schon anwenden, bevor andere Firmen darauf zugreifen dürfen.

Meike Wiegand | idw
Weitere Informationen:
http://www.kapitalbindung-montage.de
http://www.iph-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr nahe Null
18.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht WSI-Tarifarchiv: Tariflöhne und -gehälter 2016: Reale Steigerungen von 1,9 Prozent
05.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise