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Deutschland gerät 2012 in eine Schwächephase

20.12.2011
Das RWI erwartet für 2012 ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um nur noch 0,6%; nach einem Zuwachs um 3,0% im laufenden Jahr.

Damit ist das Institut skeptischer als bei seiner Prognose vom September, als für 2012 noch ein Zuwachs um 1% vorhergesagt worden war. Hauptursache der verschlechterten Erwartungen ist die weitere Eintrübung des außenwirtschaftlichen Umfelds. Stabilisierend wirkt, dass die Binnennachfrage aufwärts gerichtet bleibt.

Der Arbeitsmarkt wird sich im nächsten Jahr voraussichtlich nicht verschlechtern und die Arbeitslosenquote sogar leicht sinken. Die Lage der öffentlichen Finanzen dürfte sich nur wenig verbessern. Grundlage der Prognose ist, dass [...]

Die internationale Konjunktur hat sich im Verlauf des Jahres 2011 deutlich abgekühlt. Dies macht sich inzwischen auch in der deutschen Wirtschaft bemerkbar. Der Außenbeitrag, der bis ins Frühjahr hinein ein wesentlicher Treiber des Aufschwungs war, trug seitdem kaum noch zur Expansion bei. Demgegenüber blieb die Inlandsnachfrage lebhaft. Insbesondere die Ausrüstungsinvestitionen wurden bis zuletzt kräftig ausgeweitet. Auch der Konsum war, wenngleich unter großen Schwankungen, aufwärts gerichtet. Die Entwicklung der Bauinvestitionen wurde durch den ungewöhnlich frühen Beginn des Frühjahrsaufschwungs geprägt, der in saisonbereinigter Betrachtung einen hohen Zuwachs im ersten Quartal mit sich brachte. Danach sanken die Bauinvestitionen leicht, bewegen sich aber auf einem sehr hohen Niveau.

Für das Winterhalbjahr deuten die Frühindikatoren auf eine Stagnation der gesamtwirtschaftlichen Produktion hin. Die leichte Rezession im Euro-Raum und schwächer werdende Zuwächse in den Schwellenländern werden den Anstieg der Exporte wohl weiter dämpfen. Die ungünstigeren Exportaussichten schlagen erfahrungsgemäß auf die Investitionstätigkeit durch, zumal zu erwarten ist, dass sich die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen etwas verschlechtern, weil der Bankensektor unter Anpassungsdruck bleiben dürfte. Zugleich läuft das im Rahmen des Konjunkturpakets II beschlossene Zukunftsinvestitionsprogramm aus, was dämpfend auf die Bauinvestitionen wirkt. Allerdings bleibt das Zinsniveau wohl niedrig, und die Kapazitätsauslastung dürfte auch weiterhin über dem langfristigen Durchschnitt liegen, so dass ein Einbruch der Investitionen nicht wahrscheinlich ist.

BIP wird 2012 voraussichtlich nur um 0,6% wachsen

Die privaten Konsumausgaben dürften dagegen aufwärts gerichtet bleiben. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich bis zuletzt verbessert, und die Zahl der Offenen Stellen ist weiter gewachsen. Zudem lassen die bisherigen Tarifabschlüsse erwarten, dass die Reallöhne leicht steigen. Manche Branchen leiden unter einer Knappheit an qualifizierten Arbeitskräften, weshalb sie wohl weiterhin übertarifliche Leistungen ausweiten, wodurch die Lohndrift positiv bleiben dürfte. Dies alles führt dazu, dass die Bruttolöhne und -gehälter deutlich erhöht werden. Zudem steigen im Gegensatz zu 2011 die Transfereinkommen, weil die Renten aufgrund der hohen Lohnzuwächse des Jahres 2011 recht deutlich angehoben werden dürften.

Im Jahresdurchschnitt 2011 dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 3% zunehmen. 2012 wird sich die Konjunktur im Jahresverlauf wieder etwas beleben. Dazu dürfte auch beitragen, dass sich das internationale Umfeld allmählich aufhellt. Im Jahresdurchschnitt 2012 dürfte das Bruttoinlandsprodukt allerdings nur um 0,6% zunehmen. Expansiv wirken vor allem die weiterhin zunehmende Konsumnachfrage sowohl der privaten Haushalte als auch des Staates. Die Investitionstätigkeit wird sich wohl erst in der zweiten Jahreshälfte etwas beleben. Die Außenwirtschaft dürfte hingegen keinen Wachstumsbeitrag liefern.

Arbeitsmarkt dürfte 2012 stabil bleiben, die Inflationsrate sinken

Trotz der zu erwartenden Schwächephase dürfte sich die Lage am Arbeitsmarkt nicht verschlechtern. Ähnlich wie bereits in der Rezession 2008/09 beobachtet, dürften die Unternehmen Produktionsschwankungen durch Kurzarbeit oder die Nutzung von Flexibilisierungsspielräumen versuchen aufzufangen. Damit geht zwar voraussichtlich die Arbeitszeit je Erwerbstätigem zurück, die Beschäftigung wird aber wohl nicht sinken. Da das Erwerbspersonenpotenzial aus demografischen Gründen rückläufig ist, dürfte die Arbeitslosigkeit sogar noch etwas sinken. Wir prognostizieren einen leichten Rückgang der Arbeitslosenquote auf 6,8% im Jahresdurchschnitt nach 7,1% im Jahr 2011.

Mit der weltweit schwächeren Konjunktur dürfte der Preisauftrieb sowohl an den Rohstoff- als auch an den Gütermärkten nachlassen, so dass der Inflationsdruck von dieser Seite geringer wird. Andererseits bleibt der interne Preisauftrieb verhältnismäßig hoch, zumal bei rascher steigenden Tariflöhnen ein kräftigerer Anstieg der Lohnstückkosten zu erwarten ist. Allerdings schränkt die nachlassende Expansion der Nachfrage die Möglichkeiten einer Überwälzung der Kosten ein. Per saldo wird die Inflation im Verlauf des Jahres 2012 wohl zurückgehen. Im Jahresdurchschnitt dürfte die Teuerungsrate 1,7% betragen.

Lage der öffentlichen Haushalte verbessert sich nur wenig

Die Lage der öffentlichen Finanzen wird sich voraussichtlich leicht verbessern. Wir prognostizieren einen Rückgang der Defizitquote um 0,2%-Punkte auf 0,7%. Dies entspricht in etwa der geplanten Rückführung des strukturellen Defizits. Zwar spricht die schwächere Konjunktur für steigende Haushaltsfehlbeträge. Jedoch bleibt die Struktur der Expansion steuerergiebig, da sowohl die Bruttolöhne und -gehälter als auch die nominalen Konsumausgaben weiterhin spürbar zunehmen dürften. Haushaltsbelastungen durch einen Schuldenschnitt Griechenlands und durch die Gründung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) sind in der Prognose allerdings nicht berücksichtigt.

Nach unserer Prognose wird Deutschland zwar in eine Schwächephase geraten, eine Rezession halten wir nach der derzeitigen Datenlage aber für wenig wahrscheinlich. Allerdings bleiben die Risiken für die Konjunktur beträchtlich. Unterstellt ist in der Prognose, dass es der Wirtschaftspolitik gelingen wird, eine weitere Eskalation der Krise der Staatsfinanzen im Euro-Raum zu vermeiden und sich dort die Lage im Verlauf von 2012 etwas entspannt. Aufgrund der gegenwärtig sehr nervösen Finanzmärkte und des Fehlens klarer Perspektiven für die Lösung der Schuldenkrise ist diese Annahme aber keineswegs gesichert.

Ihre Ansprechpartner dazu:

Prof. Dr. Roland Döhrn, Tel.: (0201) 81 49-262
Sabine Weiler (Pressestelle), Tel.: (0201) 81 49-213

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse/

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