Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutscher Stahlmarkt: Starker Produktionseinbruch

16.04.2009
In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 5,6% Tonnen Rohstahl weniger produziert als im Vorjahr. Das RWI erwartet, dass die Stahlproduktion 2009 um gut 30% weiter sinken und 2010 um 4,2% zunehmen wird.

Die Auslastung der Stahlwerke dürfte mit 60 beziehungsweise 65% äußerst schwach ausfallen. Die Zahl der Beschäftigten in der Eisen- und Stahlindustrie wird voraussichtlich um 7.000 in diesem und weitere 3.500 im nächsten Jahr sinken. Die Weltstahlproduktion wird 2009 wohl um 15 bis 20% zurückgehen und auch 2010 leicht rückläufig sein.

Die Rohstahlerzeugung in Deutschland ist im vergangenen Jahr um 5,6% auf 45,8 Millionen Tonnen zurückgegangen. Hierfür ist insbesondere das letzte Quartal 2008 verantwortlich, in dem rund 20% weniger Rohstahl erzeugt wurde als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Produktion der Stahlverwender war im gleichen Zeitraum nur um 10% gefallen. Dies zeigt, wie stark die Nachfrage nach Stahlprodukten von der Konjunktur abhängt. Die Auslandslieferungen der Stahlwerke waren am Jahresende 2008 um 30% geringer als ein Jahr zuvor. Die Einfuhren von Walzstahl gingen zwar ebenfalls zurück, allerdings geringer, weil die meist einfacheren Qualitäten von der Bauindustrie stark nachgefragt werden. Diese leidet bisher relativ wenig unter der Rezession.

Auch dieses Jahr ist für die Stahlindustrie denkbar ungünstig, die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sprechen gegen eine schnelle Verbesserung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird nach unserer Einschätzung um 4,3% sinken, darunter die Ausfuhren um 12,3% und die Ausrüstungsinvestitionen um 17%. Beides sind bestimmende Faktoren der Stahlverwendung, die im Jahresdurchschnitt um 23% niedriger sein dürfte als 2008 und auch im Jahr 2010 nochmals leicht sinken dürfte.

Prognose: Deutsche Rohstahlproduktion sinkt 2009 wohl um mehr als 30%

Unter diesen Rahmenbedingungen dürfte sich die deutsche Rohstahlproduktion in diesem Jahr um gut 30% verringern und die Kapazitätsauslastung auf ein im langfristigen Vergleich außerordentlich niedriges Niveau von rund 60% zurückgehen. Im Verlauf des Jahres dürfte sich allerdings eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau ergeben, wenn der derzeitige Lagerabbau endet und die Nachfrage - auch durch die Konjunkturprogramme - etwas angeregt wird. Im kommenden Jahr dürften sich der Außenhandel allmählich normalisieren und die Investitionen wieder zunehmen. Entsprechend dürfte die Stahlerzeugung um 4,2% zunehmen, die Produktionskapazitäten wären dann mit rund 65% immer noch äußerst gering ausgelastet.

Durch den tiefen Produktionseinbruch dürfte es zu einem spürbaren Personalabbau kommen, Massenentlassungen sind jedoch vorerst nicht zu befürchten. Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren stark rationalisiert, so dass weniger Personal reduziert werden dürfte als in früheren Stahlkrisen. Alles in allem werden in diesem Jahr wohl 7.000 Arbeitsplätze (7,6%) wegfallen, im nächsten Jahr weitere 3.500 (4,4%).

Preise für Stahl und Rohstoffe sind deutlich gesunken

Weltweit ist der seit Ende der neunziger Jahre andauernde Boom in der Stahlindustrie im Sommer 2008 ziemlich abrupt zu Ende gegangen. Zwischen Dezember 2008 und Februar 2009 lag die monatliche Produktion jeweils um mehr als 20% unter dem Vorjahreswert und fiel damit auf das Niveau des Jahres 2003. Stabilisierend wirkte allein noch die Entwicklung in China, wo die Produktion wieder leicht stieg. Die Stahlproduktion in den Industrieländern ging weit überdurchschnittlich zurück, in den USA beispielsweise um 50%. Auch die Preise für Stahl und die zu seiner Herstellung benötigten Rohstoffe sind deutlich gesunken. Die Notierungen für Eisenerz und Schrott verbilligten sich seit August 2008 um etwa 25%, die für Kohle sogar um über 60%. Sie dürften weiter sinken, weil die Rohstoffproduzenten derzeit Überkapazitäten aufweisen und die Stahlerzeuger offenbar über große Lagerbestände verfügen. Die Preise für Stahlprodukte sind ebenfalls stark gesunken: Warmbreitband kostete zuletzt - gemessen am Exportpreis europäischen Stahls - weniger als halb so viel wie im Sommer vergangenen Jahres.

Die Aussichten für das laufende und das kommende Jahr bleiben ungünstig, es ist mit einem starken und langen Produktionseinbruch zu rechnen. 2009 dürfte die weltweite Rohstahlproduktion um 15 bis 20% sinken. Im Verlauf des kommenden Jahres dürfte sie zwar wieder anziehen, im Jahresdurchschnitt aber trotzdem leicht rückläufig sein. Erfahrungsgemäß steigt die Stahlproduktion erst wieder, wenn die Weltwirtschaft mit einer Rate von mehr als 2,5% wächst.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-213
Dieser Pressemitteilung liegt der "Stahlbericht" aus dem aktuellen Konjunkturbericht des RWI zugrunde, er ist unter http://www.rwi-essen.de/kb als pdf-Datei erhältlich.

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse
http://www.rwi-essen.de/kb

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Der Dauerläufer: Starke Binnennachfrage macht diesen Aufschwung robuster als seine Vorgänger
17.10.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Positiv für die Volkswirtschaft: Die Zahl der Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen steigt weiter
12.10.2017 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie