Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Stahlindustrie im Aufwind, weltweite Stahlerzeugung erreicht neuen Höchststand

13.07.2017

Die deutsche Stahlindustrie hat sich seit dem vergangenen Jahr positiv entwickelt. Ihre Kapazitäten waren 2016 mit durchschnittlich 86 Prozent im internationalen Vergleich außerordentlich gut ausgelastet. Die Rohstahlerzeugung dürfte in diesem Jahr um 1,5 Prozent zunehmen. Wie der aktuelle RWI-Stahlbericht zudem zeigt, ist auch die globale Stahlindustrie seit dem Frühjahr 2016 im Aufwind, die Stahlerzeugung erreichte einen neuen Höchststand. Die Kapazitätsauslastung steigt dadurch zwar, jedoch hauptsächlich aufgrund der guten Konjunktur. Um die Situation grundlegend zu verbessern, müssten die weltweiten Überkapazitäten in der Stahlindustrie abgebaut werden.

Die deutsche Stahlindustrie hat sich in den vergangenen Monaten positiv entwickelt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres nahm die Rohstahlerzeugung verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 1,7 Prozent zu.


Eigene Berechnungen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes. Ab zweites Quartal 2017 eigene Prognose.

Quelle: RWI-Konjunkturbericht 2/2017, Seite 8

„Die Kapazitätsauslastung der deutschen Stahlindustrie lag im vergangenen Jahr durchschnittlich bei 86 Prozent, was im internationalen Vergleich ein außerordentlich hoher Wert ist“, so Prof. Dr. Roland Döhrn, Konjunkturchef des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

In der ersten Jahreshälfte 2017 sei sie sogar noch höher gewesen. Die Belebung der Investitionen und der Ausfuhren sorgte für eine steigende Nachfrage seitens der Stahlverwender. Die Stahlexporte haben sich hingegen im ersten Halbjahr wieder abgeschwächt, insbesondere aufgrund rückläufiger Ausfuhren in einige EU-Länder. Die Stahlimporte nahmen bis zum Jahresende zu, insbesondere die Einfuhren aus Drittländern wie China, der Türkei und Russland sind jedoch zuletzt wieder gesunken.

Der Konjunkturaufschwung in Deutschland wird sich voraussichtlich in diesem und im nächsten Jahr fortsetzen. Dabei dürfte die lebhaftere Investitionstätigkeit für einen steigenden Stahlbedarf sorgen. Da die Kapazitäten der deutschen Stahlindustrie bereits gut ausgelastet sind, dürften Einfuhren von Walzstahl beschleunigt zunehmen.

Die Stahlausfuhren werden zwar voraussichtlich auch steigen, allerdings wohl langsamer als die Einfuhren. Vor diesem Hintergrund wird die Erzeugung von gewalzten Stahlerzeugnissen wie von Rohstahl in diesem und im nächsten Jahr voraussichtlich weiter zunehmen, jedoch langsamer als in den ersten Monaten dieses Jahres.

Bei der Rohstahlerzeugung erwartet das RWI ein Plus von 1,5 Prozent gegenüber 2016 auf 42,7 Millionen Tonnen. 2018 dürfte sie nochmals auf 43,1 Millionen Tonnen steigen. Trotzdem dürfte in der Eisen- und Stahlindustrie Beschäftigung abgebaut werden.

Weltweite Rohstahlerzeugung hat neuen Höchststand erreicht

Auch die globale Stahlindustrie ist seit dem Frühjahr 2016 im Aufwind, die Stahlerzeugung erreichte einen neuen Höchststand. Der Anstieg der Rohstahlerzeugung scheint ein globales Phänomen zu sein, sie nahm in nahezu allen Regionen zu. Offenbar haben der lebhaftere Welthandel und nach längerer Flaute wieder steigende Investitionen die Nachfrage nach Stahl belebt.

Die Auslastung der globalen Produktionskapazitäten hat sich damit zwar verbessert, der Auslastungsgrad bleibt mit 72 Prozent jedoch gering. Zwischenzeitlich anziehende Stahlpreise und die steigende Kapazitätsauslastung dürften die Margen der Stahlproduzenten etwas verbessert haben. Allerdings haben sich zeitweise auch die Rohstoffe für die Stahlherstellung spürbar verteuert.

Die weltweite Rohstahlerzeugung hat in den ersten fünf Monaten dieses Jahres den Vorjahreswert bereits um 4,5 Prozent übertroffen. Die aktuellen Stimmungsindikatoren deuten zudem auf ein Anhalten des weltwirtschaftlichen Aufschwungs hin. Vor diesem Hintergrund erwartet das RWI eine Zunahme der Rohstahlerzeugung weltweit um jeweils rund 3 Prozent in diesem und im kommenden Jahr. Voraussetzung hierfür ist, dass es nicht zu handelsbeschränkenden Maßnahmen kommt.

Trotz guter Stahlkonjunktur ist Abbau weltweiter Überkapazitäten nötig

Trotz der guten konjunkturellen Aussichten für die Stahlindustrie weltweit und in Deutschland bleibt das Problem der Überkapazitäten bestehen. Denn selbst wenn die globale Stahlproduktion im erwarteten Maße zunimmt, dürfte dies den Auslastungsgrad kaum verbessern. Hinzu kommt die Gefahr einer handelspolitischen Eskalationsspirale im Stahlsektor:

Die Vereinigten Staaten drohen mit handelspolitischen Maßnahmen gegen europäische Produzenten. Die EU hat für diesen Fall bereits mit Abwehrmaßnahmen gedroht. Ihrerseits ist die EU bereits handelspolitisch aktiv geworden und beschränkt die Einfuhren von „Billigstahl“ aus China und einigen anderen Ländern. Im Falle einer Eskalation wären die Verlierer wohl die Stahlverwender, die in jedem Fall mehr für Stahl bezahlen müssten, ihn bisweilen womöglich sogar nicht in den gewünschten Mengen oder Qualitäten beschaffen könnten.

Um die Lage grundlegend zu verbessern, müssten die Erzeugungskapazitäten zurückgeführt werden. Dies scheint aber offenbar selbst in China schwer zu fallen, wo die Möglichkeiten staatlicher Eingriffe größer sind als in vielen anderen Ländern. Noch schwieriger ist die Situation in Europa. Dort werden selbst hoch-defizitäre Stahlwerke „gerettet“, um Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen zu erhalten. „Unter diesen Voraussetzungen wird der Druck auf die europäischen Stahlpreise anhalten, mit oder ohne Importe aus China“, erwartet Roland Döhrn.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Prof. Dr. Roland Döhrn, Tel. (0201) 81 49-262
Sabine Weiler (Pressestelle), Tel. (0201) 81 49-213

Dieser Pressemitteilung liegt der „Stahlbericht“ aus dem aktuellen Konjunkturbericht des RWI (Heft 2/2017) zugrunde.

Weitere Informationen:

http://www.rwi-essen.de/media/content/pages/publikationen/rwi-konjunkturberichte...

(RWI-Konjunkturbericht 2/2017; Stahlbericht auf S. 35-44)

Jörg Schäfer | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI erhöht Konjunkturprognose für 2018 auf 2,4 Prozent
21.03.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Leichter Rückgang auf hohem Niveau
20.03.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics