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Deutsche Konjunktur kommt wieder in Fahrt

20.03.2013
Das RWI erhöht seine Prognose des deutschen Wirtschaftswachstums für das Jahr 2013 gegenüber Dezember 2012 von 0,3 auf 0,6%; für 2014 erwartet es 2,1%.

In diesem Jahr dürfte die Konjunktur vor allem von der Inlandsnachfrage getragen werden. Für 2014 sind auch wieder Impulse seitens der Außenwirtschaft zu erwarten. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 sinken, die Inflationsrate moderat bleiben. Die öffentlichen Haushalte werden im nächsten Jahr voraussichtlich einen Überschuss erzielen. Auch die weltwirtschaftliche Konjunktur dürfte insbesondere 2014 an Fahrt gewinnen. Der RWI/ISL-Containerumschlag-Index ist im Februar zwar leicht gesunken [...]

Die deutsche Konjunktur hat sich im Verlauf des vergangenen Jahres spürbar abgeschwächt. Die wachsende Verunsicherung der Unternehmen führte zu rückläufigen Investitionen. Der private Konsum war hingegen relativ robust. Die aktuellen Konjunkturindikatoren zeigen ein gemischtes Bild. Einerseits haben sich die Erwartungen der Unternehmen in den vergangenen Monaten deutlich verbessert, und auch der Arbeitsmarkt sendet positive Signale. Andererseits stagniert die Industrieproduktion mehr oder weniger, und die Auftragseingänge waren im Januar wieder deutlich rückläufig.

Im weiteren Verlauf dieses Jahres dürfte es zu einem leichten Aufschwung kommen. Die sich abzeichnende vergleichsweise günstige Entwicklung der verfügbaren Einkommen lässt erwarten, dass die Konsumausgaben und die Wohnungsbauinvestitionen weiter zunehmen. Auch die Unternehmen dürften ihre Investitionszurückhaltung allmählich aufgeben. Wenig Schubkraft ist seitens der Außenwirtschaft zu erwarten. Zwar dürfte sich im Zuge der weltwirtschaftlichen Belebung der Exportanstieg verstärken, gleichzeitig dürfte die lebhaftere Inlandsnachfrage aber auch für steigende Einfuhren sorgen. Alles in allem erwartet das RWI, dass das BIP 2013 im Jahresdurchschnitt um 0,6% steigen wird. Für 2014 deutet sich eine kräftigere Belebung der Konjunktur an. Mit der weiteren Erholung der Weltwirtschaft dürften die Exporte rascher steigen, was sich positiv auf die Investitionen auswirken würde. Zudem werden die Finanzierungsbedingungen voraussichtlich günstig bleiben. Auch die verfügbaren Einkommen dürften aufgrund von weiterhin steigender Beschäftigung und rückläufiger Arbeitslosigkeit weiter zunehmen. Für das BIP dürfte 2014 aus alledem ein Anstieg um 2,1% resultieren.

Arbeitslosenquote dürfte sinken, Inflationsrate moderat bleiben

Der Arbeitsmarkt dürfte sich im Prognosezeitraum positiv entwickeln. Durch die anziehende Produktion ist eine zunehmende Arbeitsnachfrage zu erwarten. Sie schlägt sich voraussichtlich insbesondere in einem Anstieg der Erwerbstätigkeit um 0,4% in diesem und 0,6% im kommenden Jahr nieder. Da für 2013 und 2014 eine weiterhin kräftige Zuwanderung zu erwarten ist, dürfte das Erwerbspersonenpotenzial trotz einer demographisch bedingt rückläufigen heimischen Erwerbsbevölkerung zunehmen. Daher wird die Arbeitslosigkeit voraussichtlich weniger stark abgebaut als die Erwerbstätigkeit steigt. Die Arbeitslosenquote dürfte in diesem Jahr bei 6,8% bleiben und im nächsten Jahr auf 6,4% sinken.

Die Inflation wird voraussichtlich moderat bleiben. Dämpfend wirkt vorerst, dass sich Rohöl in Euro gegenüber dem Vorjahr verbilligt hat. Zudem können steigende Arbeitskosten durch Produktivitätssteigerungen ausgeglichen werden. Im Verlauf des Jahres 2014 dürfte sich die Inflation erhöhen, weil zum einen mit zunehmender Kapazitätsauslastung steigende Arbeitskosten eher überwälzt werden, zum anderen der inzwischen deutliche Anstieg der Immobilienpreise vermehrt auf die Mieten durchschlagen dürfte. Im Jahresdurchschnitt steigen die Verbraucherpreise um 1,6% in diesem und um 2,0% im kommenden Jahr.

Die Lage der öffentlichen Haushalte wird sich, nachdem 2012 ein Überschuss erzielt wurde, im laufenden Jahr leicht verschlechtern. Zum einen wurde der Konsolidierungskurs gelockert, zum anderen führt die schwächere Konjunktur wohl zu geringeren Einnahmen bei den gewinnabhängigen Steuern. Voraussichtlich wird der Staat 2013 ein Budgetdefizit von 6 Mrd. € bzw. 0,2% des BIP aufweisen. Im nächsten Jahr ist infolge der konjunkturellen Erholung mit einem Überschuss von 10 Mrd. € (0,4% des BIP) zu rechnen, vorausgesetzt die neue Bundesregierung schwenkt zurück auf den Konsolidierungskurs. Dies scheint auch erforderlich, da die Lage der öffentlichen Haushalte derzeit besser aussieht, als sie in Wahrheit ist. So profitiert der deutsche Staat zur Zeit von den außerordentlich niedrigen Zinsen. Zudem hat er Mehreinnahmen aus heimlichen Steuererhöhungen. Darüber hinaus ist Deutschland im Rahmen der Bankenrettung und der Hilfen für Staaten des Euro-Raums große Risiken eingegangen, die bisher vor allem im Schuldenstand, aber nur zu einem kleinen Teil im Defizit aufscheinen. Des weiteren reduziert der Bund derzeit sein Defizit zu Lasten der Sozialversicherungen.

Weltwirtschaft: Indikatoren deuten auf anhaltende Belebung hin

Die Abschwächung der internationalen Konjunktur verstärkte sich in der zweiten Jahreshälfte 2012. Im vierten Quartal expandierte das Weltsozialprodukt mit der geringsten Rate seit der Rezession 2008/2009. Besonders schwach war die Konjunktur in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften. In den USA stagnierte das BIP, in Japan schrumpfte es nach einem Einbruch im dritten Quartal nochmals leicht, und im Euro-Raum verstärkte sich sein Rückgang. Von den Schwellenländern wurden einige Länder Lateinamerikas von der konjunkturellen Schwäche erfasst, während in den asiatischen Ländern die Produktion zuletzt wieder anzog.

Ursache der Abschwächung der Weltwirtschaft waren eine wachsende Verunsicherung der Unternehmen bezüglich der künftigen Ausrichtung der Politik, die nach wie vor ungelöste Eurokrise, aber auch hausgemachte Probleme in einigen Schwellenländern. Allerdings deuten zahlreiche realwirtschaftliche Indikatoren wie auch die verbesserte Stimmung der Unternehmen darauf hin, dass inzwischen eine Belebung der Weltwirtschaft eingesetzt hat. So ist der RWI/ISL-Containerumschlag-Index im Februar zwar von (saisonbereinigt) 117,6 auf 116,7 gesunken. Dies liegt jedoch vor allem daran, dass wegen des chinesischen Neujahrsfestes viele Außenhandelsgeschäfte mit China in den Januar vorgezogen worden waren. Entsprechend war der Index im Januar kräftig von 115,0 auf 117,6 gestiegen. In den Index gehen die vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) im Rahmen seiner Marktbeobachtung fortlaufend erhobenen Angaben von 73 internationalen Häfen ein, die ungefähr 60% des weltweiten Containerumschlags tätigen. Da der internationale Handel im Wesentlichen per Seeschiff abgewickelt wird, lassen diese Containerumschläge zuverlässige Rückschlüsse auf die Entwicklung des Welthandels zu.

Fortgeschrittene Volkswirtschaften: Konjunktur nimmt erst 2014 Fahrt auf

In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften gehen von der Wirtschaftspolitik unterschiedliche Signale aus. Die Geldpolitik hat angekündigt, den Expansionskurs beizubehalten. Die Finanzpolitik dürfte überwiegend restriktiv ausgerichtet sein, nicht nur im Euro-Raum, sondern auch in den USA, wo automatische Ausgabenkürzungen greifen, und im kommenden Jahr wohl auch in Japan. So wird sich die Konjunktur in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften nur langsam beleben und erst im Verlauf von 2014 Fahrt aufnehmen. In den Schwellenländern hingegen dürfte sich die Expansion bereits in diesem Jahr verstärken. Allerdings gehen von ihnen voraussichtlich geringere Anregungen für die internationale Konjunktur aus als in den vergangenen Jahren. Alles in allem dürfte das Weltsozialprodukt (gewichtet mit Kaufkraftparitäten) im Durchschnitt des Jahres 2013 um 3,1% ausgeweitet werden, das wäre nur wenig mehr als 2012. Im kommenden Jahr dürfte sich der Anstieg auf 3,7% erhöhen, was immer noch unter dem langfristigen Durchschnitt liegt.

Im Euro-Raum ist es insbesondere der EZB durch die Ankündigung gegebenenfalls unbegrenzter Ankäufe von Staatsanleihen („Outright Monetary Transaction)“ gelungen, die Lage an den Finanzmärkten zu beruhigen. Da allerdings eine nachhaltige Lösung für die Staatsfinanzen nach wie vor aussteht und die EU von Fall zu Fall entscheidet, bleiben die Risiken für die deutsche und die internationale Konjunktur beträchtlich.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Prof. Dr. Roland Döhrn Tel. (0201) 81 49-262
Dr. Torsten Schmidt Tel. (0201) 81 49-287
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-213
Weitere Hintergrundinformationen zum RWI/ISL-Containerumschlag-Index finden Sie unter http://www.rwi-essen.de/containerindex

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de
http://www.rwi-essen.de/containerindex

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