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Demografischer Wandel dämpft Steuereinnahmen

04.11.2016

Die Alterung der Gesellschaft und der Bevölkerungsrückgang beeinträchtigen mittel- und langfristig die Steuereinnahmen in Deutschland. Bis zum Jahr 2060 wird die Bevölkerung in Deutschland nicht nur durchschnittlich älter, sondern auch deutlich kleiner sein als heute. Das Steueraufkommen wird in den nächsten Jahrzehnten entsprechend geringer. Dies zeigt eine Analyse von Fraunhofer FIT und Prognos im Auftrag des Bundesfinanzministeriums.

In Deutschland ist in den nächsten Jahrzehnten mit einem ausgeprägten demografischen Wandel zu rechnen, der sich nicht nur wie bisher in einer Alterung der Bevölkerung, sondern langfristig auch in einem absoluten Bevölkerungsrückgang zeigen wird. Diese demografischen Veränderungen werden die staatlichen Finanzen spürbar beeinflussen.


Bis 2060 fällt das Einkommensteueraufkommen aufgrund demografischer Veränderungen 12 bis 21 Prozent geringer aus.

© Fraunhofer FIT


Beim Umsatzsteueraufkommen ist ein Rückgang zwischen 13 und 25 Prozent zu erwarten.

© Fraunhofer FIT

Während langfristige Veränderungen der öffentlichen Ausgaben seit dem Jahr 2005 regelmäßig im sogenannten Tragfähigkeitsbericht quantifiziert werden, hat die Einnahmenseite der öffentlichen Finanzen bisher weniger Aufmerksamkeit erhalten.

Die nun veröffentlichte Analyse des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT und der Prognos AG beleuchtet die Demografieabhängigkeit der Steuereinnahmeentwicklung. Im Mittelpunkt steht dabei das Einkommensteueraufkommen. Daneben wird auch die Umsatzsteuer als weitere aufkommensstarke Steuer betrachtet.

Mit Hilfe von Simulationsmodellen, die auf mikroökonomischen Daten beruhen, quantifiziert Fraunhofer FIT das jeweilige Steueraufkommen in den Jahren 2015, 2030, 2045 und 2060. In der Analyse werden, ausgehend von einem Referenzszenario ohne demografische Veränderungen, drei unterschiedliche Bevölkerungsentwicklungen in Deutschland unterstellt. Diese entsprechen Variante 2 (Kontinuität bei stärkerer Zuwanderung), 3 (relativ alte Bevölkerung) und 6 (relativ junge Bevölkerung) der 13. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung der Statistischen Ämter in Deutschland.

Zentrales Ergebnis der Analyse ist, dass die demografische Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten das Steueraufkommen des Staates schmälert, insbesondere im Jahr 2060, wenn die Bevölkerung in Deutschland nicht nur älter, sondern auch deutlich kleiner sein wird als heute.

Das Einkommensteueraufkommen wird dann im optimistischsten Szenario rund 12 Prozent geringer sein als im Referenzszenario ohne demografische Veränderungen, im pessimistischsten Szenario sogar rund 21 Prozent geringer. Ähnlich sieht es beim Umsatzsteueraufkommen aus, das aufgrund des demografischen Wandels bis zum Jahr 2060 zwischen 13 und 25 Prozent geringer ausfallen wird.

Neben dem Gesamtaufkommen wurden zudem 25 einzelne Steuertatbestände hinsichtlich ihres zukünftigen Einflusses auf die Einkommensteuer untersucht. Hier zeigt sich, dass insbesondere die Bedeutung der Absetzbarkeit von Renten- und Krankenversicherungsbeiträgen deutlich zunehmen wird.

Das deutsche Einkommensteuerrecht sieht bis zum Jahr 2040 einen Übergang zur vollständigen Absetzbarkeit von Rentenversicherungsbeiträgen vor, während sich gleichzeitig der zu versteuernde Anteil von Renteneinkünften erhöht. Der Saldo dieser »nachgelagerten Besteuerung« ist jedoch negativ – die Steuermindereinnahmen aufgrund der Absetzbarkeit von Rentenversicherungsbeiträgen sind größer als die Steuermehreinnahmen aufgrund der Besteuerung von Renten. Die Analyse zeigt, dass der demografische Wandel dieses Problem noch verschärfen wird.

Allerdings gilt dieser Rückgang nur relativ zu einem Szenario ohne demografischem Wandel: Absolut betrachtet nehmen die Einkommensteuer- und Umsatzsteuereinnahmen aufgrund von steigenden Realeinkünften in den nächsten Jahrzehnten insgesamt zu.

Link zur Studie: http://publica.fraunhofer.de/eprints/urn_nbn_de_0011-n-4176903.pdf

Link zur Kurzfassung der Studie: http://publica.fraunhofer.de/eprints/urn_nbn_de_0011-n-4176678.pdf

Alex Deeg | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

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