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China: Explodierende Kosten bremsen Boom

19.08.2008
Unternehmen stellen sich immer häufiger die Standortfrage

Wegen der Kostenexplosion wagen immer weniger deutsche Unternehmen den Sprung nach China. Vor allem wegen hoher Steuern, Löhne und Frachtpreise verliert China zunehmend an weltwirtschaftlicher Bedeutung.

Wie das Handelsblatt schreibt, bereiten dem Land trotz des aktuellen Olympiastatus zudem die Produktqualität und der häufig kritisierte Schutz geistigen Eigentums große Probleme. So überdenken ausländische Firmen immer öfter ihr Engagement.

Folglich schrumpft der Wettbewerbsvorteil chinesischer Anbieter auf den Weltmärkten. Der Blick deutscher Firmen auf China hat sich inzwischen deutlich gewandelt, wobei die Idee, das Land als billigen Produktionsstandort zu nutzen, nicht mehr zu funktionieren scheint. Dies hat zu ersten Folgen in China geführt. Von Januar bis Juli ging der Außenhandelsüberschuss um 9,6 Prozent zurück. In diesem Zeitraum lag dieser aber immer noch bei 123,7 Mrd. Dollar.

"Der Investitionsboom vor dem Hintergrund der Olympischen Spiele hat bereits vor mindestens zwei Jahren begonnen. Dennoch befürchte ich, dass nach dem Ende der Spiele die Luft raus sein wird", unterstreicht die Wirtschaftswissenschaftlerin und China-Expertin Ulrike Reisach im Gespräch mit pressetext. Dennoch warnt die Fachfrau eindringlich davor, China in seinem Wirtschaftswachstum langfristig zu unterschätzen. "China und Indien sind nach wie vor die beiden Märkte mit den besten Wachstumsprognosen. Hierbei ist zu erwähnen, dass sich China als erstaunlich flexibel in der Bewältigung wirtschaftlicher Probleme und gegenüber ausländischen Investoren gezeigt hat und nach wie vor mit guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aufwarten kann", fügt Reisach hinzu. Obwohl die Direktinvestitionen in China noch steigen und in den ersten sieben Monaten 2008 über 60 Mrd. Dollar ausgemacht haben, weicht die Euphorie der vergangenen Jahre langsam einer gewissen Ernüchterung.

Anstelle in China zu investieren, geraten Produktionsstandorte wie Vietnam, Indien oder erneut osteuropäische Länder als Alternative für viele Firmen stärker in die engere Auswahl. Diese Einschätzung vieler Unternehmen wird dadurch gestützt, dass die Liste der Betriebe, die China den Rücken gekehrt haben oder künftige Projekte überdenken wollen, länger wird. So hat der Sportartikelhersteller Adidas unlängst angekündigt, seine China-Produktion zu drosseln, weil die Lohnkosten allmählich zu hoch ausfallen (pressetext berichtete: http://pte.at/pte.mc?pte=080728001). Bereits aufgegeben hat hingegen der deutsche Pipeline-Spezialist Vietz, da der chinesische Joint-Venture-Partner kurzerhand das Produktions-Know-how kopiert hatte. Vor allem Qualitätsprobleme waren für den deutschen Plüschtierhersteller Steiff ausschlaggebend, seine Produktion zurück nach Baden-Württemberg zu holen.

Vor allem die Lohnkosten gestalten sich derzeit problematisch. So beziffert die nationale Statistikbehörde des Landes, das NBS, den Anstieg der Arbeiterlöhne in den städtischen Regionen im ersten Quartal dieses Jahres auf 21,4 Prozent. Diese Erhöhung wurde auch durch den neuen Mindestlohn ausgelöst, den die Regierung noch zu Jahresbeginn beschlossen hatte. Dieser beträgt etwa 750 Yuan im Monat, umgerechnet 70 Euro. In Vietnam hingegen zahlen Arbeitgeber wenig mehr als die Hälfte. Aber auch die hohen Frachtkosten veranlassen viele Unternehmen zum Umdenken. Der Baltic Dry, der etablierte Index für globale Frachtraten, ist seit 2004 von rund 5.000 Punkten bis zum Mai dieses Jahres auf fast 12.000 Punkte gestiegen. Zudem unterliegen Gemeinschaftsunternehmen mit ausländischer Beteiligung seit Januar der chinesischen Körperschaftssteuer, die bis zu 25 Prozent betragen kann. Dies und die hohen Frachtkosten hat den PC-Hersteller Lenovo dazu veranlasst, die Standortfrage zu überdenken.

Florian Fügemann | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.handelsblatt.com

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