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Bertelsmann Stiftung legt Konzept für eine Non-Profit-Ratingagentur vor

17.04.2012
Angesichts der anhaltenden Kritik an den drei gewinnorientierten US-Ratingagenturen legt die Bertelsmann Stiftung ein Konzept für eine internationale Non-Profit-Ratingagentur vor.
„Fragwürdige Beurteilungen der Bonität von Staaten haben erheblich zu der jüngsten Finanzkrise beigetragen“, sagte Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, bei der Vorstellung der Studie. „Wir benötigen dringend eine zusätzliche, unabhängige Institution für die Bewertung von Länderrisiken, und wir müssen die Qualität der Länder-Ratings verbessern.“

Die gemeinnützige Ratingagentur (INCRA – International Non-Profit Credit Rating Agency) könnte als erste Institution die Interessen von Investoren nach möglichst hoher Qualität der Ratings und die weltweiten Bestrebungen von Regierungen und der breiten Öffentlichkeit nach mehr Transparenz, Legitimität und Rechenschaftspflicht in diesem Sektor miteinander in Einklang bringen.

Um die Qualität der Ratings zu erhöhen, würde INCRA neben den traditionellen makroökonomischen Indikatoren sogenannte „zukunftsgerichtete Indikatoren“ mit einbeziehen. Diese Indikatoren bilden die sozioökonomischen und politischen Rahmenbedingen sowie mögliche politische und soziale Hindernisse eines Landes bei der Rückzahlung seiner Schulden ab. Zukunftsgerichtete Indikatoren könnten beispielsweise Fragen beantworten, wie den Umgang eines Landes mit vergangenen Finanzkrisen und die Fähigkeit, künftige Krisen zu meistern. Fragen nach dem politischen Management, sind ebenso Teil des Indikatoren-Sets wie die Analyse des Korruptionslevels eines Landes.

INCRA basiert auf dem Konzept eines internationalen Netzwerkes von Büros in Europa, den USA, Lateinamerika und Asien. Eine neue rechtliche und organisatorische Struktur bildet die Grundlage für die Arbeit dieses Netzwerkes. Die jährlichen Ausschüttungen aus einem langfristig angelegten Fonds sollen die operativen Kosten von INCRA decken sowie die Unabhängigkeit und Langfristigkeit der Arbeit gewährleisten. In den Fonds können Regierungen, Unternehmen, Stiftungen und privaten Förderer einzahlen. Der Fonds sollte ein Volumen von rund 400 Millionen USD umfassen, um die jährlichen operativen Kosten zwischen 15 und 24 Millionen USD tragen zu können.

Ein supranationales Gremium von Interessenvertretern, der „Stakeholder Council“, soll die Unabhängigkeit gewährleisten. Er bildet den Puffer zwischen den Geldgebern und der Organisation der betrieblichen Abläufe. Ein Ausschuss, das „Credit Policy Committee“, bestimmt die Kreditpolitik und nimmt die Aufgabe der Qualitätskontrolle wahr. So soll sichergestellt werden, dass die Ratings auf sachgerechten und umfassenden Verfahren basieren.

Nach Ansicht der Bertelsmann Stiftung ist die G20, wo die Notwendigkeit einer Reform der Kredit-Ratingagenturen bereits thematisiert wurde, eines der besten Foren, um politische Unterstützung für die Gründung von INCRA zu finden. Die Bertelsmann Stiftung ruft auch die Privatwirtschaft, NGOs und andere gemeinnützige Organisationen auf, sich zu verpflichten, durch die INCRA eine bedeutendere Rolle im globalen Finanzsektor zu übernehmen.
Rückfragen an: Annette Heuser, Washington, Telefon: +1 - 202 / 384 1990; E-Mail: annette.heuser@bertelsmann-stiftung.de

Sabine Donner, Gütersloh, Telefon: +49 - 52 41 / 81 81 501; E-Mail: sabine.donner@bertelsmann-stiftung.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

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