Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Magdeburger Alternative" schafft Arbeitsplätze auch mit Mindestlöhnen

10.12.2007
Magdeburger Ökonomen plädieren erneut für alternatives Lohnmodell

Anlässlich der aktuellen Diskussion um Mindestlöhne plädieren die Magdeburger Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Joachim Weimann und Prof. Dr. Ronnie Schöb wiederholt für ein alternatives Lohnmodell, mit dem sie die Arbeitslosigkeit gering qualifizierter Menschen bekämpfen wollen. Die so genannte "Magdeburger Alternative" ist ein Reformvorschlag, der gering qualifizierte Menschen von der Last befreit, die Sozialversicherungsbeiträge erwirtschaften zu müssen, und der ihre Arbeit deshalb billiger macht, ohne dass die Nettoeinkommen sinken.

"Der Fall der Post-Mindestlöhne hat es ganz deutlich gezeigt. Werden Mindestlöhne ohne flankierende Maßnahmen eingeführt, hat das zur Folge, dass Arbeitsplätze wegfallen oder neue nicht entstehen können. Davon sind besonders Anbieter einfacher Arbeit, also gering qualifizierte Menschen betroffen. An dieser Gruppe ist der Aufschwung am Arbeitsmarkt bisher fast völlig vorbeigegangen", sagt Professor Joachim Weimann, Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Der Reformvorschlag der Magdeburger Ökonomen sieht vor, die Unternehmen von der Abgabe der Sozialversicherungsbeiträge für neu eingestellte Arbeitslose im Niedriglohnbereich zu befreien. Dies erlaubt es, die Bruttolöhne um mehr als ein Drittel zu senken, ohne die Nettoeinkommen der Arbeitnehmer anzutasten. Da ergänzende Maßnahmen, wie eine Stichtagsregelung die Verdrängung regulärer Arbeitskräfte ausschließen, können auf diese Weise rein rechnerisch über 1,2 Millionen neue Arbeitsplätze im Niedriglohnbereich geschaffen werden, so Weimann. Damit wäre es möglich, gleichzeitig moderate Mindestlöhne einzuführen und die Arbeitskosten für die Unternehmen bis zu 35 % zu senken.
... mehr zu:
»Mindestlohn »Ökonom

In Sachsen-Anhalt, so die Berechnungen des Wirtschaftsprofessors, könnten mit der Magdeburger Alternative etwa 50 bis 60 000 Arbeitsplätze entstehen, bundesweit sogar bis zu 1,2 Millionen.

Der Reformvorschlag der Wirtschaftsökonomen wurde bislang von Bundes- und Landespolitik noch nicht aufgegriffen. "Dabei sind Versuche mit unserem Modell sehr leicht durchzuführen, weil sich die Magdeburger Alternative selbst finanziert. Der Verzicht auf die Sozialbeiträge kostet den Staat nichts, dafür spart er ALG II-Zahlungen", so der Wirtschaftswissenschaftler Weimann.

Für ihre Arbeitsmarkt-Forschungen haben die Ökonomen Ronnie Schöb und Joachim Weimann den mit 7.500 Euro dotierten Woitschach-Forschungspreis 2006 für ideologiefreie Wissenschaft erhalten.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Joachim Weimann, Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Otto-von-Guericke-Universität, Tel.: 0391 67-18547,
Funk: 0170 3446187, E-Mail: joachim.weimann@ww.uni-magdeburg.de,
Prof. Dr. Ronnie Schöb, Tel.: 030 83851240, E-Mail: Ronnie.Schoeb@wiwiss.fu-berlin.de

Katharina Vorwerk | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-magdeburg.de/vwl3/

Weitere Berichte zu: Mindestlohn Ökonom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Der Dauerläufer: Starke Binnennachfrage macht diesen Aufschwung robuster als seine Vorgänger
17.10.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Positiv für die Volkswirtschaft: Die Zahl der Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen steigt weiter
12.10.2017 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie

Ostfalia forscht an Ultraleichtflugzeug mit Elektroantrieb

19.10.2017 | Verkehr Logistik