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Gedämpfte Aussichten: RWI Essen senkt Konjunkturprognose für 2008

06.12.2007
Das RWI Essen senkt seine Prognose für das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in 2008 im Vergleich zu seiner September-Prognose um 0,6 Prozentpunkte auf 1,7%.

Gründe hierfür sind unter anderem die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar, steigende Rohstoffpreise und schwächer steigende Realeinkommen. Der Wachstumsbeitrag der Außenwirtschaft dürfte sich im nächsten Jahr deutlich verringern, die Expansion überwiegend vom privaten Konsum getragen werden.

Die Inflationsrate wird nach Einschätzung des RWI Essen mit einem Jahresdurchschnitt von 2,4% auch 2008 hoch bleiben. Gleichzeitig wird sich der Abbau der Arbeitslosigkeit verlangsamen und der Staatshaushalt annähernd ausgeglichen sein. Die prognostizierte Abschwächung der Konjunktur bedeutet noch nicht das Ende des gegenwärtigen Aufschwungs, sondern markiert nur ein Zwischentief. Allerdings weisen die RWI-Wissenschaftler darauf hin, dass derzeit beträchtliche Risiken für die konjunkturelle Entwicklung bestehen.

Das RWI Essen setzt seine Prognose des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das Jahr 2008 auf 1,7% herab, nachdem es im September noch einen Anstieg des realen BIP um 2,3% erwartet hatte. Zwar ist die Finanzpolitik sogar expansiver ausgerichtet als damals angenommen, allgemein haben sich die Konjunkturaussichten für 2008 in den vergangenen Wochen jedoch spürbar eingetrübt. Zum einen wertete der Euro kräftig gegenüber dem Dollar auf, womit sich die Exportchancen der deutschen Wirtschaft verschlechtern. Zum anderen haben sich Rohöl, aber auch andere Rohstoffe weiter verteuert. Nicht zuletzt deshalb hat sich der Preisanstieg im Verlauf von 2007 spürbar beschleunigt. Damit nehmen die Realeinkommen weniger kräftig zu als dies in der günstigen Entwicklung am Arbeitsmarkt angelegt ist.

In der aktuellen Prognose ist unterstellt, dass der Wechselkurs des Euro bei 1,47 US-Dollar, also dem durchschnittlichen Wert der vergangenen Wochen, verharrt und dass Rohöl weiterhin rund 90 US-Dollar pro Barrel kostet. Damit wäre Öl rund 20 US-Dollar pro Barrel teurer als im Jahresdurchschnitt 2007, was für sich genommen einem Kaufkraftentzug von 1% des BIP entspricht, wovon freilich ein Teil in den Exportpreisen weitergewälzt werden dürfte.

Unsere neue Prognose impliziert, dass sich die Konjunktur im Jahresverlauf deutlich abschwächt. Im vierten Quartal 2008 wird das saison- und arbeitstäglich bereinigte BIP nur noch um 1% über dem Vorjahresquartal liegen, womit sich die laufende Rate im Vergleich zum Ende diesen Jahres mehr als halbiert hätte. Für 2007 hingegen zeichnet sich eine Steigerung des BIP um 2,6% ab, was in etwa unseren Erwartungen vom September entspricht.

Konjunktur überwiegend von der Inlandsnachfrage getragen

Dabei kommt es zu einem Wechsel der Auftriebkräfte. Während sich der Wachstumsbeitrag der Außenwirtschaft aufgrund des verlangsamten Exportanstiegs und der mit nahezu unverändertem Tempo zunehmenden Einfuhren deutlich verringern dürfte, leistet voraussichtlich die Inlandsnachfrage einen größeren Beitrag zur Expansion. Gleichzeitig deutet sich an, dass sich die Expansionskräfte von den Investitionen zum privaten Konsum hin verschieben.

Erstere werden wohl zunächst Dämpfer erhalten, weil sich die Abschreibungsbedingungen zum Jahresanfang 2008 verschlechtern und die Unternehmen versuchen werden, Investitionen noch in das Jahr 2007 vorzuziehen.

Die Konsumausgaben hingegen dürften von der zunehmenden Beschäftigung, einem etwas höheren Lohnanstieg und der Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung profitieren. Hinzu kommt, dass für 2008 eine kräftigere Rentenerhöhung als im ablaufenden Jahr zu erwarten ist und einige staatliche Leistungen erhöht werden, womit die Transfereinkommen wieder steigen dürften.

Teuerung bleibt vorerst hoch

Gleichwohl bleibt der Zuwachs bei den Realeinkommen nicht zuletzt wegen der anziehenden Inflation voraussichtlich hinter dem durchschnittlichen Anstieg in den neunziger Jahren zurück. Ende 2007 betrug die Teuerung 3%, das ist die höchste Rate seit 1994. Für den Jahresdurchschnitt 2008 erwarten wir um 2,4% höhere Verbraucherpreise. Einerseits wirkt dämpfend, dass die preistreibenden Effekte der Mehrwertsteuererhöhung 2007 nun auslaufen und der Euro aufgewertet hat. Andererseits dürften Energieträger und Nahrungsmittel aufgrund der hohen globalen Nachfrage vorerst am Weltmarkt erheblich höher notieren als vor einem Jahr. Erst im Verlauf des Jahres lässt der Preisauftrieb voraussichtlich nach.

Abbau der Arbeitslosigkeit verlangsamt sich

Die Lage am Arbeitsmarkt dürfte sich im Verlauf von 2008 vor dem Hintergrund der nachlassenden wirtschaftlichen Expansion nur noch wenig verbessern. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte am Jahresende nur um etwa 130.000 höher sein als in diesem Jahr. Aufgrund des hohen statistischen Überhangs ergibt sich daraus für den Jahresdurchschnitt ein Zuwachs um 270.000 nach 670.000 in diesem Jahr. Entsprechend wird sich voraussichtlich auch der Abbau der Arbeitslosigkeit verlangsamen. Ende kommenden Jahres dürften saisonbereinigt noch etwa 3,4 Mill. Arbeitslose registriert sein. Im Jahresdurchschnitt wird die Arbeitslosenquote aufgrund des Unterhangs am Jahresanfang vorsaussichtlich dennoch von 8,7 auf 8,0% sinken.

Annähernd ausgeglichener Staatshaushalt

Der Staatshaushalt wird 2007 voraussichtlich mit einem geringen Überschuss in Höhe von 0,1% in Relation zum BIP abschließen. Für 2008 ist eine leichte Verschlechterung des Haushaltssaldos angelegt. Zum einen ist die Ausgabenpolitik nicht mehr so zurückhaltend wie in diesem Jahr. Zum anderen verringert die Senkung des Beitrags für die Arbeitslosenversicherung den Überschuss der Sozialversicherung. Hinzu kommen Steuerausfälle durch die Unternehmenssteuerreform und dass mit der flauer werdenden Konjunktur die Steuereinnahmen ohnehin voraussichtlich weniger stark steigen. Alles in allem erwarten wir einen annähernd ausgeglichenen Haushalt.

Aufschwung noch nicht am Ende, aber Risiken bleiben hoch

Die prognostizierte Abschwächung der Konjunktur bedeutet allerdings unserer Einschätzung nach noch nicht das Ende des gegenwärtigen Aufschwungs, sondern nur ein Zwischentief, wie man es auch in früheren Aufschwungsphasen - zuletzt im Jahr 1998 - erlebt hat. Die Gründe für die Verlangsamung sind vorwiegend außenwirtschaftlicher Natur, während die Inlandsnachfrage voraussichtlich aufwärtsgerichtet bleibt. Allerdings bestehen beträchtliche Risiken. So könnten die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte erlahmen, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) aufgrund des Anstiegs der Inflation im Euro-Raum auf einen restriktiveren geldpolitischen Kurs ginge. Dies wäre insbesondere dann der Fall, wenn sie befürchten müsste, dass es zu Zweitrundeneffekten bei den Löhnen kommt. Außenwirtschaftlich wären die Rahmenbedingungen noch ungünstiger als hier unterstellt, wenn es in Folge der Immobilienkrise zu einem scharfen Konjunktureinbruch in den USA käme. Dieser würde den Produktionsanstieg auch in anderen Ländern spürbar dämpfen, zumal die Turbulenzen an den Finanzmärkten Verbraucher und Unternehmen verunsichern. Allerdings wäre dann damit zu rechnen, dass die Rohstoffpreise aufgrund der in diesem Fall wahrscheinlich weltweit geringeren Nachfrage nachgeben, womit ein belastender Faktor für die deutsche Konjunktur an Wirkung verlieren würde.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Dr. Roland Döhrn, Tel.: (0201) 81 49-262
Sabine Weiler (Pressestelle), Tel.: (0201) 81 49-213

Sabine Weiler | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse

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