Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hartz IV trotz Arbeit: häufig nicht von Dauer

03.12.2007
Rund 1,3 Mio. Personen bezogen im Januar 2007 Hartz-IV-Leistungen, obwohl sie einer Beschäftigung nachgingen. Im Jahresdurchschnitt 2005 lag die Zahl der so genannten Aufstocker noch bei rund 880.000, zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Dies entsprach 17,5 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsbezieher im Jahr 2005. Bedürftigkeit trotz Erwerbsarbeit sei jedoch häufig nur ein vorübergehender Zustand, stellen die Autoren der Studie fest. Am leichtesten gelingt den Alleinstehenden mit Vollzeitjob der Absprung aus der Hilfebedürftigkeit. Dagegen bleiben geringfügig Beschäftigte und Familien relativ lange im Leistungsbezug.

Über das ganze Jahr 2005 betrachtet übten insgesamt rund 2,1 Millionen Personen zumindest für kurze Zeit einen Job aus, während sie Hartz-IV-Leistungen bezogen. 325.000 dieser Aufstocker waren ganzjährig beschäftigt, mehr als die Hälfte von ihnen als geringfügig Beschäftigte. "Bei der Mehrheit der dauerhaften Aufstocker ist das Einkommen aus Minijobs und Teilzeitbeschäftigung eher eine Ergänzung zu den Leistungen als umgekehrt", schreiben die Arbeitsmarktforscher. "Im Laufe des Jahres hat ein hoher Teil der Hilfebedürftigen den Kontakt zum Arbeitsmarkt gesucht, aber häufig nicht halten können."

Vollzeitbeschäftigung führt am ehesten zur Beendigung des Leistungsbezugs

"Je länger die Arbeitszeit in der Beschäftigung, desto größer die Chance zum Ausstieg", so die IAB-Studie. Vor allem Vollzeitbeschäftigte bezogen die staatliche Hilfe meist nur über eine relativ kurze Zeit. Ganz anders sieht es bei der größten Gruppe der Aufstocker aus, den geringfügig Beschäftigten. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent endet bei ihnen innerhalb von zehn Monaten das Beschäftigungsverhältnis. 30 Prozent zählten auch nach zehn Monaten noch zu den Aufstockern, und nur 20 Prozent konnten in dieser Zeit die Bedürftigkeit überwinden.

Bedürftig trotz Vollzeitjob: Familien besonders betroffen

Im Jahr 2005 gab es 127.000 Vollzeitbeschäftigte, die länger als neun Monate aufstocken mussten. Hier handelt es sich vor allem um Paare und Familien: 80 Prozent derer, die länger als neun Monate Leistungen bezogen, leben in einem Paarhaushalt, 60 Prozent haben Kinder. Höhere Kosten durch Familienmitglieder und eine größere Unterkunft seien meist die Ursache für die Aufstockung, so das IAB. Um die Bedürftigkeit dieser Haushalte dauerhaft zu überwinden, sei "eine Abstimmung mit familienpolitischen Transferleistungen wie Wohn- und Kindergeld unerlässlich", fordern die Autoren der Studie.

Lohn reicht zum Leben, aber nicht zum Wohnen

Kurzarbeit, instabile Beschäftigung wie Zeit- und Saisonarbeit oder der Jobverlust des Partners: Die Autoren der Studie machen verschiedenste Gründe aus, warum Menschen trotz Arbeit auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Die gestiegene Zahl der Aufstocker führen die Forscher aber zum Teil auch auf ehemalige Wohngeld-Bezieher zurück, die inzwischen Hartz-IV-Leistungen beantragen. Das Wohngeld orientiert sich an der Kaltmiete, während die höheren Hartz-IV-Sätze die Erstattung der Warmmiete beinhalten.

Die IAB-Studie kann unter http://doku.iab.de/kurzber/2007/kb2207.pdf abgerufen werden.

Wolfgang Braun | idw
Weitere Informationen:
http://www.iab.de
http://doku.iab.de/kurzber/2007/kb2207.pdf

Weitere Berichte zu: Bedürftigkeit Hartz-IV-Leistung Vollzeitjob

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert
22.08.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitslosigkeit sinkt verhaltener
27.07.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen