Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CHE legt Konzept zur Behebung der Unterfinanzierung der deutschen Hochschulen vor

14.11.2007
Das deutsche Hochschulsystem ist chronisch unterfinanziert. Mögliche Gründe liegen in einem falschen Anreizsystem: Den größten Nutzen an der akademischen Qualifikation haben - neben dem Bund - nicht die Länder, die die Ausbildung finanzieren, sondern diejenigen, bei denen die Akademiker später ihren Beruf ausüben und Steuern zahlen.

Aus Sicht eines Landes ist es in der gegenwärtigen Finanzierungsstruktur somit attraktiver, sich darauf zu verlassen, dass die Hochschulen in den übrigen Ländern genügend Absolventen hervorbringen. Dies behindert die Entwicklung eines dynamischen Hochschulsystems.

Genau das wird aber dringend zur Bewältigung der großen Herausforderungen wie demographischer Wandel und verschärfter internationaler Wettbewerb benötigt. Das System ist nicht nur unterfinanziert, sondern auch nicht flexibel genug: Während in den neuen Ländern die Studienanfängerzahlen schon jetzt zurückgehen, werden sie in den alten Ländern in den nächsten 15 Jahren noch einmal dramatisch steigen. Mit solchen Nachfrageschwankungen wird unser Hochschulsystem nicht fertig.

Das CHE hat einen Modellvorschlag mit der Bezeichnung Aktivierende Hochschulfinanzierung (AktiHF) entwickelt. Mit diesem Modell könnte die Unterfinanzierung des Hochschulsektors durch neue Anreizstrukturen behoben werden. Das Ziel ist es, einen echten Wettbewerbsföderalismus zu entfalten, der Interessen und Anreize klug aufeinander abstellt und dazu führen wird, dass sich die Finanzierung der Hochschulen allmählich hochschraubt.

Die Länder erhalten dabei die Chance, zusätzliche finanzielle Mittel des Bundes zu erhalten, wenn sie in das eigene Hochschulsystem investieren. Im Rahmen dieses Finanzierungskonzeptes wird die Basisfinanzierung vom Sitzland der Hochschule übernommen und durch länderübergreifende Fonds sowohl für die Lehre als auch für die Forschung ergänzt. In die Fonds zahlen die Länder entsprechend ihrer Akademiker und damit in Relation zu dem Nutzen, den sie aus den Leistungen der Hochschulen ziehen. Auch der Bund müsste in den Lehrfonds einzahlen, denn er ist über die Einkommensteuern auf die höheren Gehälter der Akademiker und an den von ihnen erzeugten Beschäftigungseffekten beteiligt.

Das Konzept sieht vor, dass das Geld aus den Fonds direkt an die Hochschulen fließt (nach dem Prinzip "Geld folgt Studierenden"). Durch einen solchen Impuls würden die Hochschulen motiviert, Studierende zu attrahieren: das länderübergreifend bereit gestellte Geld würde in das eigene Land gelenkt. Dieser Wettbewerb hat bislang an den Grenzen der Bundesländer halt gemacht. Dass ein solcher föderaler Wettbewerb in der Praxis funktionieren kann, erleben wir seit Jahren auf dem Feld der Hochschulgesetzgebung: hier überbieten sich die Länder dabei, ihren Hochschulen größere Autonomie zu gewähren.

Neben einen Fonds für die Lehre sollten zwei Forschungsfonds treten. Zum einen für die Grundlagenforschung, und zum anderen einen Fonds, der Forschungsstrukturen auf Zeit fördert. Daneben bezuschussen die Länder auch weiterhin mit gut 50 % der Gesamtfinanzsumme im Hochschulsystem jeweils ihre eigenen Hochschulen und behalten somit den gestalterischen Einfluss auf die Hochschulpolitik. Nicht zuletzt ermöglicht das Modell es, besser auf regionale und temporale Nachfrageschwankungen durch Studienanfänger reagieren zu können.

Das CHE legt zwei Varianten zum Einstieg vor. In der einen Variante würde man quasi kostenneutral gegenüber der gegenwärtigen Hochschulfinanzierung beginnen. Auch dieses Modell sollte dazu führen, dass sich die finanzielle Ausstattung der Hochschulen sukzessive spürbar auch in der Lehre verbessert. Nach der Variante 2 würde die finanzielle Unterausstattung der Hochschulen bereits zum Einstieg spürbar entlastet, indem gleich zu Beginn erheblich mehr Geld in die höhere Bildung investiert würde (30 Mrd. anstatt 21 Mrd.)

Britta Hoffmann-Kobert | idw
Weitere Informationen:
http://www.che.de
http://www.che.de/downloads/Aktihf_AP96.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie