Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umfrage zur Arbeitsmarktsituation im Gastgewerbe

25.04.2002


  • DEHOGA/EMNID-Umfrage zur Arbeitsmarktsituation im Gastgewerbe offenbart: 65.000 freie Stellen in Hotellerie und Gastronomie
  • 20.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt
  • DEHOGA fordert "Green-Cards" und Reform des 325-Euro-Gesetzes

Akuter Notstand herrscht weiterhin auf dem gastgewerblichen Arbeitsmarkt. Eine aktuelle, repräsentative Umfrage unter den Hoteliers und Gastronomen in Deutschland, die das Forschungsinstitut EMNID im April 2002 im Auftrag des DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) durchgeführt hat, stellt die nach wie vor dramatische Situation unter Beweis: 38 % der Unternehmer in Hotellerie und Gastronomie verfügen derzeit über freie Arbeits- und Ausbildungsplätze. Im Gastgewerbe in Deutschland werden 65.000 Mitarbeiter und 20.000 Auszubildende verzweifelt gesucht. "Der Arbeitsmarkt für Hotellerie und Gastronomie ist leergefegt - von der Hilfskraft bis zum Küchenchef. Daran ändern auch über vier Millionen Arbeitslose nichts", so Ernst Fischer, Präsident des DEHOGA in Berlin. Nur so kann Abhilfe geschaffen werden: Bessere Beschäftigungsmöglichkeiten für ausländische Arbeitnehmer (,Green Cards’ für das Gastgewerbe), eine Reform des 325-Euro-Gesetzes (zuvor: 630-Mark-Gesetz) und eine konsequente Entrümpelung des verkrusteten Arbeitsrechtes. Dies seien die geeigneten Mittel, die Arbeitslosigkeit in Deutschland und den Mitarbeitermangel im Gastgewerbe wirkungsvoll zu bekämpfen, so Fischer weiter.

Die Misere auf dem gastgewerblichen Arbeitsmarkt erstreckt sich auf alle Bereiche der Branche. Bei den Fachkräften führen die Restaurantfachleute mit bundesweit 11.400 offenen Stellen die traurige Rangliste an. Gesucht werden weiterhin 8.800 Köche sowie 5.800 Hotelfachleute.

Noch verheerender stellt sich die Situation bei den Hilfskräften dar. Die DEHOGA/EMNID-Umfrage verdeutlicht, dass in Hotellerie und Gastronomie sofort über 36.000 Service- und Hilfskräfte einen Arbeitsplatz finden könnten.

Hilfe vom Arbeitsamt ist jedoch nur in den seltensten Fällen zu erwarten. Im Gastgewerbe fallen Vermittlungserfolge besonders spärlich aus. Zwar haben, so die DEHOGA/EMNID-Studie, 78,5 % der Unternehmen im Gastgewerbe, die derzeit Mitarbeiter suchen, die offenen Stellen ganz oder teilweise der Arbeitsverwaltung gemeldet, drei viertel dieser Unternehmen geben jedoch ebenso an, dass das Arbeitsamt keine geeigneten Bewerber vermitteln konnte. Vielmehr verlassen sich die Hoteliers und Gastronomen auf Empfehlungen, die direkte Ansprache potenzieller Mitarbeiter, Initiativbewerbungen, Zeitungsanzeigen und das Internet um qualifiziertes Personal zu gewinnen.

"Schuld an der gewaltigen Schieflage des gastgewerblichen Arbeitsmarktes ist in erster Linie die mittelstandstandsfeindliche Politik der Bundesregierung. Die Schockwellen, die die Änderung des 325-Euro-Gesetzes (630-Mark-Gesetz) vor drei Jahren ausgelöst hat, sind noch immer nicht abgeebbt. 100.000 Arbeitnehmerkündigungen im Jahr 1999 konnten bis heute nicht aufgefangen werden. Statt 630 nur noch 360 Mark im Portmonee der geringfügig Nebenbeschäftigten - dafür ging kaum noch einer arbeiten", erläutert Fischer. Deshalb fordert der DEHOGA die Rückkehr zur alten Lohnsteuerpauschalierung und eine deutliche Heraufsetzung der Geringverdienergrenze von 325 auf 600 Euro. Insbesondere die Abschaffung der Sozialversicherungspflicht bei der Zweitbeschäftigung wäre darüber hinaus eine wirkungsvolle Maßnahme zur Bekämpfung der staatlich provozierten Schwarzarbeit in Deutschland.

"Des Weiteren fordert der DEHOGA die ,Green Card’ für das Gastgewerbe. Damit es zukünftig nicht heißt: ,wegen Mitarbeitermangel geschlossen!’, muss begrenzte und zeitlich befristete Zuwanderung, die sich an den Bedürfnissen des gastgewerblichen Arbeitsmarktes orientiert, erheblich ausgeweitet werden", erläutert Fischer.

Die derzeitige Beschäftigungsmöglichkeit von Saisonarbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten muss daher von 3 auf mindestens 6 Monate heraufgesetzt werden. Green Cards dürfen kein Privileg der IT-Branche bleiben. Qualifizierte Köche, Restaurant- und Hotelfachkräfte sind ebenso ausgewiesene Experten auf ihrem Gebiet. Als internationale Branche benötigt das Gastgewerbe verbesserte Beschäftigungsmöglichkeiten für ausländische Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten. "Wir hoffen, dass auf der Basis des Zuwanderungsgesetzes der Hotellerie und Gastronomie in Deutschland die Möglichkeit gegeben wird, verstärkt Mitarbeiter aus aller Welt einstellen zu können", so Ernst Fischer.

Marc Schnerr M.A. | ots

Weitere Berichte zu: Arbeitsmarktsituation DEHOGA Gastgewerbe Gastronomie Hotellerie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitslosigkeit sinkt verhaltener
27.07.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet
20.07.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Ferienkurs mit rund 600 Teilnehmern aus aller Welt

28.07.2017 | Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Firmen räumen bei der IT, Mobilgeräten und Firmen-Hardware am liebsten in der Urlaubsphase auf

28.07.2017 | Unternehmensmeldung

Dunkel war’s, der Mond schien helle: Nachthimmel oft heller als gedacht

28.07.2017 | Geowissenschaften

8,2 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie

28.07.2017 | Förderungen Preise