Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Konjunkturaussichten verbessert, aber Wachstumskräfte bleiben schwach

15.04.2002


"Erste Lichtblicke einer konjunkturellen Erholung sind sichtbar. Der längerfristige Wachstumspfad ist jedoch zu flach und die Beschäftigungsschwelle zu hoch, um die Arbeitslosigkeit abzubauen." Das erklärte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, auf der Hannover Messe bei der Vorstellung des BDI-Konjunktur- und Außenwirtschaftsreports. Rogowski betonte, dass die verbesserten Konjunkturerwartungen der Wirtschaft vor allem auf Hoffnungen basierten. "Dies sollten die Parteien jetzt bei der Aufstellung ihrer Wahlprogramme berücksichtigen", forderte der BDI-Präsident. "Wir Unternehmer erwarten klare Aussagen, wie Deutschlands Stellung im internationalen Standortwettbewerb verbessert werden soll." Die tiefsitzende Wachstumslethargie sei das Ergebnis schwerwiegender Versäumnisse und auch handwerklicher Fehler in der Wirtschaftspolitik, betonte Rogowski.

Die Hoffnung der deutschen Wirtschaft richte sich derzeit vor allem auf eine Konjunkturbelebung in den USA. Davon würde auch die besonders exportabhängige deutsche Industrie profitieren. Nach einer weiterhin gedämpften Ausfuhrentwicklung im Frühjahr werde im Jahresverlauf mit einer deutlichen Zunahme der Exporte gerechnet. Es sei jedoch noch nicht zu erkennen, dass auch die Binnennachfrage die Konjunktur belebe. Von den Ausrüstungsinvestitionen seien zumindest im ersten Halbjahr noch keine nennenswerten Impulse zu erwarten. Die geringe Kapazitätsauslastung eröffne genügend Spielraum, um die höhere Nachfrage von der Produktionsseite abzudecken. Die Bauwirtschaft müsse auch in diesem Jahr noch mit einem weiteren Rückgang rechnen. Auch dem privaten Konsum fehle noch die notwendige Schubkraft für eine nachhaltige Unterstützung der deutschen Konjunktur.

Die Stimmung in den Unternehmen habe sich sichtlich verbessert, erklärte Rogowski. Diese positivere Tendenz schlage sich mittlerweile zumindest partiell bei den Auftragseingängen nieder, obwohl die Entwicklung noch recht labil ist. Die aktuellen Produktionsdaten belegten jedoch, wie beschwerlich der Gang aus der Rezession sei. Die Erwartungen des BDI für 2002 seien mit einem mageren Wachstumsplus des Bruttoinlandsprodukts von 0,75 bis 1 Prozent eher bescheiden, allerdings etwas günstiger als bei der letzten Konjunkturprognose.

"Insgesamt stehen die Konjunkturampeln auf grün, wenngleich die Risiken eines erneuten Rückschlags noch nicht völlig gebannt sind", so Rogowski. Diese reichten von einem sich zuspitzenden Nahost-Konflikt mit drohenden Ölpreissteigerungen über den Stahlstreit mit den USA und protektionistischen Verwerfungen bis zur aktuellen Tarifpolitik. Insbesondere die weit überzogenen Lohnforderungen verunsicherten die Unternehmen. Auch das ständige Reden über Streiks drohe das zarte Konjunkturpflänzchen zu zertreten.

Entgegen wiederholter Versprechungen der Bundesregierung, die Unternehmen zu entlasten, sei es in den letzten Jahren und auch aktuell wieder zu weiteren fühlbaren Belastungen gekommen: Dosenpfand, LKW-Maut, Ökosteuer, das Erneuerbare-Energien-Gesetz und das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz verteuerten vorhandene Arbeitsplätze, neue Jobs entstünden gar nicht erst.

Der ständig steigende Kostenauftrieb müsse endlich gestoppt werden, so der BDI-Präsident. Das sei nur mit grundlegenden strukturellen Reformen, insbesondere am Arbeitsmarkt und in den sozialen Sicherungssystemen möglich. Damit Arbeitsplätze gesichert und neue entstehen können, bräuchten die Unternehmen ein höheres Maß an Flexibilität, um rascher auf die strukturellen Veränderungen, die unter anderem mit der Globalisierung einhergingen, reagieren zu können. Zudem müssten die Engpässe in Qualifikation und Bildung beseitigt werden. Trotz hoher Arbeitslosigkeit sei ein eklatanter Mangel an qualifizierten Facharbeitern und Ingenieuren zu verzeichnen. Auch das Bildungswesen benötigt dringend mehr Freiheitsgrade und Wettbewerbselemente.

BDI-Präsident Rogowski | ots
Weitere Informationen:
http://www.bdi-online.de

Weitere Berichte zu: BDI Konjunkturaussicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI erhöht Konjunkturprognose für 2018 auf 2,4 Prozent
21.03.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Leichter Rückgang auf hohem Niveau
20.03.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics