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Europa holt bei Fusionen und Übernahmen auf

21.09.2007
  • Finanzkrise hat den Übernahmemarkt abgekühlt
  • Die Folge: Sinkende Akquisitionsprämien und neue Möglichkeiten für strategische Investoren
  • Besonders europäische Unternehmen können in dieser Situation ihre Vorteile geschickt nutzen
  • Fünf Faktoren bestimmen den Erfolg von grenzüberschreitenden Fusionen in Europa

Die Finanzkrise der vergangenen Wochen hat Überhitzungen auf dem Übernahmemarkt gekühlt. Strategische Investoren profitieren von den sinkenden Akquisitionsprämien.

Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass dies vor allem Fusionen und Übernahmen in Europa fördern könnte, da europäische Unternehmen nach wie vor durch externe Zukäufe wachsen müssen: Nach einer Phase der Kostensenkung und Rückbesinnung auf Kernaktivitäten in den Jahren 2000 und 2001 müssen europäische Firmen zunehmend global agieren, um Wachstum zu generieren und ihre Unabhängigkeit zu sichern. Die Bilanz kann sich sehen lassen: 1,59 Billionen Dollar beträgt die Summe der europäischen Fusionen und Übernahmen im Jahr 2006. Auf der anderen Seite des Atlantiks waren es 1,54 Billionen Dollar. Den Erfolg grenzüberschreitender Fusionen prägen maßgeblich fünf Faktoren, die Roland Berger Strategy Consultants in der Ende September erscheinenden Publikation think:act content ausführlich vorstellt.

Erfolgsfaktor 1: Frühzeitige intereuropäische Vernetzung vorantreiben

Europäische Unternehmen verfügen traditionell über starke internationale Verbindungen. Sie arbeiten eng mit ausländischen Firmen zusammen und erschließen so neue Märkte. Erfolgreiche Zusammenschlüsse zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass die Partnerunternehmen und deren Führungskräfte gut miteinander vertraut sowie ihre Geschäftsmodelle und -prozesse gegenseitig bekannt sind.

Dies hilft, Vorteile, aber auch Schwierigkeiten im Vorfeld der Integration abzuschätzen.

Erfolgsfaktor 2: M&A-Aktivitäten professionalisieren

Die Grenzöffnung in Europa und die Deregulierung vieler Branchen haben den Wettbewerb deutlich verschärft. Viele europäische Unternehmen haben daher bereits Erfahrungen mit grenzüberschreitenden Fusionen und Übernahmen gesammelt. Sie haben ihre M&A-Aktivitäten professionalisiert und eigene Teams zusammengestellt, die den Integrationsprozess begleiten. Diese Experten stellen sicher, dass die besten Elemente beider Unternehmenswelten vereint und lokale Stärken des jeweiligen Partners genutzt werden. Vielfach gewinnen sie durch kleinere Übernahmen und Kooperationen Erkenntnisse für spätere, größere Deals. Die Börsen honorieren dies durch höhere Kurse, weil sie davon ausgehen, dass erfahrene Unternehmen besser integrieren als andere.

Erfolgsfaktor 3: Kulturelle Vielfalt als Vorteil, nicht als Nachteil begreifen

Bei grenzüberschreitenden Fusionen treffen unterschiedliche Kulturen, Sprachen und Management-Stile aufeinander. Erfolgreiche europäische Unternehmen beziehen kulturelle Besonderheiten von Anfang an in ihre Überlegungen mit ein. Dazu gehört vor allem, beide Seiten als gleichberechtigte Partner zusammen zu bringen und Transparenz zu wahren. Erwartete Synergien, Stellengarantien und Organisationsveränderungen sollten offen kommuniziert werden.

Mitarbeiter des übernommenen Unternehmens gilt es bei Entscheidungen mit einzubinden, um eine Abwanderung von Spezialisten und Führungskräften ebenso zu verhindern wie einen Imageverlust bei Kunden.

Erfolgsfaktor 4: Strategische Nutzung regionaler Unterschiede

Das Verständnis für kulturelle Unterschiede wirkt sich bei europäischen Unternehmen nicht nur auf den Integrationsprozess aus, sondern auch auf den Absatzmarkt. Erfolgreiche europäische Firmen übertragen bestehende Produkte nicht unverändert auf neue Zielmärkte, sondern entwickeln eine eigene Strategie. Der Untersuchung zufolge zeigen sich diese Firmen williger, den Mitarbeitern des übernommenen Unternehmens Freiräume zuzugestehen, damit sie ihre Stärken am Zielmarkt weiterhin ausspielen können.

Erfolgsfaktor 5: Politische Hindernisse geschickt überwinden

Grenzüberschreitende Fusionen und Akquisitionen in Europa müssen neben kartellrechtlichen häufig auch politische Widerstände überwinden. Viele europäische Staaten möchten ihre Branchen vor ausländischen Übernahmen schützen. Europäische Unternehmen kennen diese Hindernisse. Sie versuchen daher, bereits vor Abgabe eines Angebots die Weichen für eine reibungslose Übernahme zu stellen und die Vorteile einer Fusion auch für das zu übernehmende Unternehmen deutlich zu machen. Wichtig dabei ist, den Staaten und der allgemeinen Öffentlichkeit offen und schlüssig eine Strategie für den Zusammenschluss zu kommunizieren.

Einen differenzierten Überblick über die Erkenntnisse der M&A-Experten von Roland Berger Strategy Consultants gibt die Publikation "think: act content". Wenn Sie ein Exemplar wünschen, schicken Sie bitte eine E-Mail an: news@rolandberger.com .

Roland Berger Strategy Consultants, 1967 gegründet, ist eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Mit 33 Büros in 23 Ländern ist das Unternehmen erfolgreich auf dem Weltmarkt aktiv. 1.700 Mitarbeiter haben im Jahr 2006 einen Honorarumsatz von rund 555 Mio. Euro erwirtschaftet. Die Strategieberatung ist eine unabhängige Partnerschaft im ausschließlichen Eigentum von rund 150 Partnern.

Stefan Schüßler | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.rolandberger.com

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