Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jeder zehnte Gründer ist ausländischer Herkunft / Menschen mit Migrationshintergrund gründen häufiger

12.09.2007
Jeder zehnte Gründer in Deutschland war im vergangenen Jahr ausländischer Herkunft (115 000 von 1,1 Millionen Gründern). Die Gründerquote unter den Migranten lag damit im vergangenen Jahr bei 2,9 % und überstieg die der Deutschen um 0,3 Prozentpunkte.

Dies ergab eine Sonderauswertung des aktuellen KfW-Gründungsmonitors, der jährlich erscheinenden, repräsentativen Analyse zum Gründergeschehen in Deutschland. Gründer mit Migrationshintergrund, so ein weiteres Ergebnis der Studie, nutzen zudem ähnlich intensiv wie deutsche Gründer Beratungsangebote.

"Migrantinnen und Migranten gründen vergleichsweise häufig und gut vorbereitet. Das zeigt, wie wichtig diese Gruppe für ein lebhaftes Gründergeschehen hierzulande ist", sagt Ingrid Matthäus-Maier, Sprecherin des Vorstands der KfW Bankengruppe.

Im Vergleich zeigt sich, dass Migranten stärker zu Vollerwerbsgründungen tendieren als Deutsche (51 % vs. 43 %). Mögliche Gründe für diesen Befund sind schlechtere Chancen bei abhängiger Beschäftigung - etwa wegen fehlender Sprachkenntnis und einer Benachteiligung durch mögliche Arbeitgeber -, oder aber höhere Risikobereitschaft und Neigung zur selbständigen Tätigkeit.

Hinsichtlich der Herkunftsländer der Gründer mit Migrationshintergrund gibt es im mehrjährigen Vergleich (2002 vs. 2006) interessante Verschiebungen: Die unverändert größte Gründergruppe stellen türkisch stämmige Mitbürger, die 22 % aller Gründungen ausmachen. Ein starker Rückgang ist jedoch bei den ebenfalls traditionellen Migrantengruppen mit italienischem oder griechischem Hintergrund festzustellen. Immer mehr an Bedeutung gewinnen hingegen Gründer aus Osteuropa, insbesondere aus Russland, Polen und den Balkanstaaten sowie Kasachstan. Die Anteile dieser Gruppen summieren sich inzwischen zu knapp 30 %.

Weitere personenbezogene Unterschiede zwischen Gründern mit Migrationshintergrund und Deutschen: Unabhängig von der Herkunft wird der größere Anteil der Gründungen durch Männer vollzogen; mit 34 % ist der Anteil der weiblichen Gründer bei Migranten allerdings noch etwas geringer als bei Deutschen (39 %). Diese Differenz dürfte angesichts des hohen Anteils türkisch-stämmiger Gründer auf die traditionelle Arbeitsmarktferne von weiblichen Migranten muslimischen Glaubens zurückzuführen sein. Diese These wird dadurch gestützt, dass mit Anstieg der Gründungen von osteuropäischen Migranten auch mehr Frauen den Schritt in die Selbständigkeit wagen.

Migranten sind bei der Gründung durchschnittlich 32 Jahre alt und damit rd. sechs Jahre jünger als Deutsche. Dieser Unterschied spiegelt die Altersunterschiede in den Populationen beider Gruppen wieder - die Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist deutlich jünger als die einheimische Bevölkerung.

Gründer mit Migrationshintergrund besitzen genauso häufig die Hochschulreife (etwa 17 %) und sogar häufiger einen Hochschulabschluss (18 % vs.14 %) als deutsche Gründer. Gleichzeitig haben sie häufiger keinen Lehrabschluss (6 % vs. 2 %) und seltener eine abgeschlossene Lehre (22 % vs. 28 %).

Bei der Branchenaufteilung zeigt sich, dass der Anteil von Gründungen im Handel bei Migranten mit 40 % fast doppelt so hoch ist wie der entsprechende Anteil unter deutschen Gründern mit 21 %.

Weiterhin gründen Personen mit Migrationshintergrund häufiger im Bau (10 % vs. 6 %) und im Gastgewerbe (4 % vs. 2,6 %). Einzel - und Großhandel offenbaren diesen Gründern besonders gute Voraussetzungen zum Nutzen ihrer komparativen Vorteile im Austausch zwischen verschiedenen Kulturen.

Die KfW Mittelstandsbank förderte im vergangenen Jahr den Mittelstand (Gründungen und bestehende Unternehmen) mit rund 22 Mrd. EUR. Allein an Gründer wurden rd. 15.000 Kredite mit einem Volumen von knapp 2,2 Mrd. EUR vergeben. Zu Beginn dieses Jahres rief die KfW - auch in Reaktion auf den immer kleinteiligeren Finanzierungsbedarf von Gründern - die Initiative "Kleiner Mittelstand" ins Leben, durch die besonders Gründer, aber auch junge Unternehmen verstärkt gefördert werden sollen. So wurden zu Beginn des Jahres die Zinsen in den beiden Gründerprogrammen Start-Geld und Mikrodarlehen um rund 30 % gesenkt, was bisher zu einer Erhöhung der Anträge um ein Drittel geführt hat.

Sonja Höpfner | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.kfw.de
http://www.presseportal.de/go2/Studie

Weitere Berichte zu: Gründergeschehen Migrant Migrationshintergrund

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Aufwärtstendenz setzt sich fort
21.02.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das 4. Quartal 2016: Anhaltend hohes Niveau offener Stellen
21.02.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie