Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ZEW-Studie "Technologische Leistungsfähigkeit"

06.08.2007
- Deutschland muss sich auf neue Konkurrenten im internationalen Technologiewettbewerb einstellen

Die Weltwirtschaft befindet sich, wesentlich angetrieben vom rasanten Wirtschaftswachstum sogenannter Aufholländer, in einem schnellen Wandel.

Insbesondere in Asien geben sich Länder wie Indien, Südkorea, Taiwan, Singapur und vor allem China seit etwa Mitte der 1990er Jahre aber mit Wachstum alleine nicht mehr zufrieden. Sie unternehmen vielmehr große Anstrengungen, um bei Forschung und Entwicklung (FuE) sowie bei den Innovationsaktivitäten zu den westlichen Industriestaaten aufzuholen. Durch die Ausweitung ihrer FuE-Kapazitäten verbunden mit Investitionen in die Ausbildung von Hochqualifizierten schaffen sie so die Voraussetzungen für den Übergang von imitativen Innovationen zu originären Innovationen.

Im globalen Technologiewettbewerb müssen deutsche Unternehmen daher in Zukunft mit verstärktem Wettbewerb aus asiatischen Aufholländern wie Indien und vor allem China rechnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des globalen Technologiewettbewerbs im Rahmen der umfangreichen Studie zur "Technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands", die ein Konsortium von Instituten unter Federführung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erstellt hat.

Dass die Anstrengungen der Aufholländer durchaus erfolgreich sind, zeigt das Beispiel Chinas. Sein Anteil an den weltweiten FuE-Aufwendungen ist von knapp 4 Prozent im Jahr 1996 auf knapp 11 Prozent im Jahr 2004 gestiegen.

Die FuE-Aufwendungen Chinas überschritten, zu Kaufkraftparitäten umgerechnet, im Jahr 2004 jene Deutschlands bereits fast um das Doppelte, die Zahl der in FuE tätigen Personen liegt um das 2,5-fache höher. Auch ein immer höherer Anteil der wissenschaftlichen Publikationen wird in den asiatischen Aufholländern erstellt. Im Hinblick auf die Produktpalette, die auf internationalen Märkten angeboten wird, zeigen sich dagegen bisher noch kaum Spuren der deutlich gestiegenen FuE-Investitionen. Allerdings ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch hier die Erfolge einstellen werden.

Bislang hat Deutschland von der hohen Nachfrage aus den Aufholländern, insbesondere auch aus China, vor allem profitiert, da diese den exportgetriebenen Aufschwung speiste. Die Spezialisierung Deutschlands auf "gehobene Gebrauchsgüter" wie etwa Maschinenbau oder Automobilbau korrespondiert hervorragend mit der Nachfrage aus den Aufholländern. Die deutsche Importnachfrage profitierte von dem durch das Angebot dieser Länder intensivierten weltweiten Wettbewerb bei Gütern der Spitzentechnologie (insbesondere Güter der Informations- und Kommunikationstechnik) und den daraus resultierenden Preissenkungen für diese Waren. Diese erweiterten Möglichkeiten der internationalen Reorganisation der Wertschöpfungsketten in Verbindung mit geringen Kostensteigerungen für Arbeit in Deutschland, mit Produktinnovationen und insbesondere mit Kosten senkenden Prozessinnovationen schufen Vorteile im internationalen Preiswettbewerb. Im Ergebnis resultierte daraus der Wachstumspfad, auf dem sich die deutsche Wirtschaft gegenwärtig befindet.

Welche Auswirkungen hat das Aufkommen neuer FuE-Wettbewerber insbesondere in Asien, aber auch in Mittel- und Südamerika sowie in Mittel- und Osteuropa aber langfristig auf den FuE-Standort Deutschland? Was die Arbeitsteilung in der Forschung angeht, so dürfte weniger die Grundlagen- und die angewandte Forschung von dem Hinzukommen neuer Wettbewerber betroffen sein, die in Deutschland ein vergleichsweise hohes Gewicht hat, sondern vor allem die marktorientierte experimentelle Entwicklung. Zusätzlich hängt der Grad der Betroffenheit der Branchen oder Unternehmen davon ab, inwieweit eine regionale Trennung der Produktions- von den Forschungsstätten möglich ist. Solange Innovation und Produktion auf hochwertige Dienstleistungen vor Ort und auf Systemkompetenz in der Wertschöpfungskette angewiesen sind wie beispielsweise im Maschinen- und Automobilbau, wird eine Abwanderung von Forschung und Produktion nur begrenzt möglich sein.

Ein zweiter Aspekt ist, inwieweit die FuE- und Innovationsprozes-se selbst zerlegt werden können. Je einfacher dies ist, desto leichter fällt es, die Vorteile einer internationalen FuE-Arbeitsteilung mit den Aufholländern auszuschöpfen. Hochwertige Dienstleistungen wie FuE lassen sich mit der steigenden Leistungsfähigkeit der IuK-Technologien immer leichter modularisieren; sie werden damit "handelbar". Dies erhöht den Druck, permanent zu innovieren.

Den internationalen Wettbewerb mit aufstrebenden Schwellenländern kann die deutsche Wirtschaft nicht auf der Kosten-, sondern nur auf der Innovationsseite bestehen. Dies macht höhere Eigenanstrengungen nötig; zusätzlich übt die Erweiterung der internationalen Arbeitsteilung bei FuE Druck auf das Spezialisierungsprofil der hoch entwickelten Volkswirtschaften aus. In Teilbereichen wird sich ein weiterer Abbau von Arbeitsplätzen in der FuE-intensiven Industrie nicht vermeiden lassen. Eine stärkere Spezialisierung auf die ersten Phasen der Innovationswertschöpfungsketten, in denen hochwertige Dienstleistungen - nicht nur bei FuE - erforderlich sind, dürfte die erforderlichen Anpassungsprozesse erleichtern.

Ansprechpartner:
Jürgen Egeln, Telefon 0621/1235-176, -197, Fax -170, E-Mail egeln@zew.de

Katrin Voss | idw
Weitere Informationen:
http://www.zew.de

Weitere Berichte zu: FuE Technologiewettbewerb ZEW-Studie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index steigt weiter
26.09.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Wert fest „im grünen Bereich“ - IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr sinkt auf nur 5,1 Prozent
14.09.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Im Spannungsfeld von Biologie und Modellierung

26.09.2017 | Veranstaltungen

Archaeopteryx, Klimawandel und Zugvögel: Deutsche Ornithologen-Gesellschaft tagt an der Uni Halle

26.09.2017 | Veranstaltungen

Unsere Arbeitswelt von morgen – Polarisierendes Thema beim 7. Unternehmertag der HNEE

26.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Europas erste Testumgebung für selbstfahrende Züge entsteht im Burgenland

26.09.2017 | Verkehr Logistik

Nerven steuern die Bakterienbesiedlung des Körpers

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit künstlicher Intelligenz zum chemischen Fingerabdruck

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie