Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissensintensive Wirtschaft in Deutschland: Unter Importdruck geraten!

20.06.2007
Forschungsintensiv produzierte Güter und wissensintensive Dienstleistungen sollten eigentlich das Beste sein, was hoch entwickelte Volkswirtschaften wie Deutschland im internationalen Standortwettbewerb zu bieten haben. Unter diesem Gesichtspunkt hat das NIW im Rahmen der Berichterstattung zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands die Dynamik der "wissensintensiven Wirtschaft" und ihre internationale Wettbewerbsposition untersucht.

Der Export forschungsintensiver Güter war in Deutschland über Jahre hinweg tatsächlich die entscheidende, meist einzige Antriebskraft für Wachstum in der Industrie. Fast drei Viertel des Umsatzzuwachses forschungsintensiver Industrien wurden im letzten Jahrzehnt im Ausland erzielt. Im Handel mit forschungsintensiven Gütern gibt es aus deutscher Sicht jedoch verschiedene, z. T. entgegen laufende Bewegungen:

- Deutschlands Stärken konzentrieren sich vor allem auf so genannte "Gehobene Gebrauchstechnologien" mit großer Breitenwirkung wie Automobile, Maschinen, Chemiewaren, usw. Bei "Spitzentechnologiesektoren" (Elektronik, IuK- und Medientechnik, Pharma), in denen besonders viel Aufwand an Forschung und Entwicklung (FuE) betrieben wird, ist Deutschland hingegen eher schlecht positioniert. Dies ist insofern misslich als dort die weltwirtschaftlichen Wachstumserwartungen erheblich höher sind.

- Zudem sind die Importe forschungsintensiver Waren relativ schneller gestiegen als die Exporte. Ausländische Anbieter haben auf dem deutschen Markt stärker hinzugewinnen können als deutsche Anbieter auf dem Weltmarkt. Ein Blick auf die Exportleistungsfähigkeit der deutschen Industrie allein würde somit ein verfälschtes Bild zeigen.

... mehr zu:
»Importdruck »NIW
Deutschlands Überschuss im Handel mit FuE-intensiven Waren stützt sich allein auf den Sektor der Gehobenen Gebrauchstechnologie. Auf Spitzentechnologieerzeugnisse war Deutschland nie spezialisiert und hat sogar weiter an Boden verloren. Zudem ist die deutsche Industrie- und FuE-Struktur immer automobillastiger geworden. Die "Einbeinigkeit" des Innovationssystems ist nicht ohne Risiko, zumal die Automobilindustrie in langfristigen Wachstumsprognosen eher am Ende der Hierarchie zu finden ist.

Forschungsintensive Industrien wachsen dennoch dynamischer als die übrigen Industriezweige und stellen mittlerweile (2005) über die Hälfte der Industrieproduktion in Deutschland. Allerdings schwächt sich trotz Mengenexpansion der Wertschöpfungszuwachs immer mehr ab. Denn der verschärfte internationale Preis- und Qualitätswettbewerb erzwingt permanente Produktivitätssteigerungen und führt zunehmend zur Auslagerung von betrieblichen Funktionen (wie Logistik, Datenverarbeitung, Software, Beratung) in spezialisierte Dienstleistungsunternehmen und vermehrt zu industriellen Zulieferungen aus dem Ausland.

Neue Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen in nennenswertem Umfang nur im (insbesondere wissensintensiven) Dienstleistungsbereich. Dies ist auch im aktuellen Aufschwung deutlich geworden. Aus dem klaren Trend zur Dienstleistungs- und Wissenswirtschaft ergibt sich ein permanent steigender Bedarf an hochqualifiziertem Personal. In der aktuellen Wachstumsphase, in denen die Unternehmen aufgrund günstigerer Marktbedingungen auch wieder verstärkt innovieren können, kann es hier sehr schnell zu Engpässen kommen. Bei Ingenieuren aus speziellen Fachgebieten sowie Informatikern ist dies bereits offensichtlich geworden.

Kontakt und weitere Informationen:
Dr. Birgit Gehrke
Niedersächsisches Institut für Wirtschaftsforschung (NIW)
Königstr. 53
30175 Hannover
Tel.: ++49 (0)511/12 33 16-41
Fax: ++49 (0)511/12 33 16-55
e-mail: gehrke@niw.de

Olaf Krawczyk | idw
Weitere Informationen:
http://www.niw.de

Weitere Berichte zu: Importdruck NIW

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops