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Aktienmarkt: Zwischen Erholungszuversicht und Korrekturangst

19.03.2002


Mit phasenweise kräftigen Kursavancen für konjunktursensiblere Blue Chips haben sich die Akteure an den internationalen Börsen nach günstigen US-Wirtschaftsindikatoren ab Mitte Februar von Baisse-Szenarien zunächst verabschiedet. Als Signal für einen Paradigmenwechsel kann auch gewertet werden, dass eine spürbar erhöhte Widerstandskraft gegenüber belastenden Unternehmensmeldungen zu konstatieren ist, wozu nicht zuletzt das inzwischen geringere Indexgewicht der Telekom- und Technologietitel beiträgt. Gemessen ab Jahresfrist verzeichneten vorwiegend Nasdaq (minus 4,9 Prozent) und Neuer Markt (minus 7,6) noch größere Terraineinbußen. Dagegen lagen die großen Indizes zumeist im Plus.

Angesichts höchstens langfristiger Bereinigungschancen für Japans Finanzsystem und Haushalt sowie der nachlaufenden Nachfrageentwicklung in Europa richten sich die Aufbruchshoffnungen der Investoren primär auf Amerika. Optimismus verbreiteten hier vor allem das merklich nach oben revidierte BIP-Wachstum vom 4. Quartal 2001 (+1,4 Prozent), der Februar-Einkaufsmanagerindex ISM (54,7 nach 49,9 Punkte) sowie eine leicht rückläufige Arbeitslosenrate (5,5 Prozent). Positiv wirkten dabei allerdings ein historisch warmer Winter, Aufstockungen rekordtiefer Lagerbestände sowie erhöhte Staatsaufträge. Als Achillesferse für einen nachhaltigeren Aufschwung bleiben das hartnäckig hohe Leistungsbilanzdefizit (417 Mrd. Dollar in 2001) und die hohe Verschuldung der Unternehmen sowie der privaten Haushalte. Fed-Chef Greenspan hat mit seiner auch zur Vorsicht mahnenden Rede vor dem Bankenausschuss des Senats dennoch Sorgen bezüglich einer nahenden Zinswende verstärkt.

Die Eurozone musste im 4. Quartal 2001eine BIP-Kontraktion um 0,2 Prozent gegenüber Vorquartal hinnehmen. Zwar rechnet die Kommission für das laufende Quartal wieder mit einer Expansion um 0,1 bis 0,4 Prozent (leichte Januar-Produktionszuwächse in Italien und Frankreich), insgesamt ist aber eine zögerlichere Erholung als jenseits des Atlantiks einzukalkulieren. Belastungen resultieren neben hohen Haushaltsdefiziten aus einer währungsbedingt geringer ausfallenden Außenhandelsdynamik. Impulse kommen jedoch von der fallenden Inflation, die die reale Kaufkraft der Konsumenten steigert. Dies fördert die Geschäftserwartungen auch im wachstumsschwachen Deutschland, wie der vierte Anstieg in Folge beim Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland signalisiert.

Unter dem Strich liegt mit der jüngsten Höherbewertung der Dividendenpapiere die Messlatte für künftig erforderliche Unternehmensergebnisse bereits relativ hoch. Mit Blick auf Zinserhöhungsängste, Ölpreisrisiken und aufgestaute Kapitalmaßnahmen sollte eine periodische Gewinnmitnahmebereitschaft der Investoren nicht überraschen. Die anstehende Dividendensaison, immer noch hohe Cash-Polster bei institutionellen Anlegern und basisbedingt bessere Zahlen dürften jedoch die positive Grundnote im Markt stärken. Kursrückschläge sollten daher weiterhin zum selektiven Bestandsaufbau - z.B. in den Bereichen Versorger, Finanzdienstleister, Technologie oder Konsum - genutzt werden.

Hans Beth | ots

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