Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biotechnologie: Hunderttausende Arbeitsplätze sind möglich

07.05.2007
Der Biotechnologiestandort Deutschland hat gute Chancen, künftig im internationalen Wettbewerb eine wichtige Rolle zu spielen. Das Fraunhofer ISI rechnet mit erheblichen Beschäftigungszuwächsen bis 2020.

Bereits heute leistet die Biotechnologie einen bedeutenden Beitrag zur Wirtschaftsleistung wichtiger Branchen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe. So basieren in der Chemieindustrie 4 bis 6 Prozent des Umsatzes auf Biotechnologie, in der pharmazeutischen Industrie 11 bis 18 Prozent und in der Umweltbiotechnik 13 bis 18 Prozent.

Bis zum Jahr 2020 dürfte der durch Biotechnologie getriebene Umsatzanteil in wichtigen Anwenderbranchen (Chemie, Pharma, Lebensmittel, Landwirtschaft, Umweltbiotechnik) deutlich ansteigen, in einzelnen Branchen um bis zu 200 Prozent. "Der Standort Deutschland ist in vielen Biotechnologie-Segmenten gut positioniert und hat daher große Chancen, künftig im internationalen Wettbewerb eine zentrale Rolle zu spielen", sagt ISI-Projektleiter Dr. Michael Nusser. Das ist ein Ergebnis der Studie, bei der die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken des Biotechnologie-Standorts bewertet wurden.

Zu den Stärken gehören unter anderem das hoch qualifizierte Personal, die ausdifferenzierte Forschungslandschaft, wettbewerbsfähige industrielle Anwenderbranchen, große inländische Absatzmärkte und ein guter Zugang zu den Exportmärkten. Doch es gibt auch Risiken: So wird es künftig voraussichtlich zu Personalengpässen beim qualifizierten Personal kommen, außerdem investieren die deutsche Industrie und der deutsche Staat im internationalen Vergleich zu wenig in zukunftsgerichtete Bildung, Forschung und Entwicklung. Das größte Risiko für die künftige Entwicklung der Biotechnologie in Deutschland besteht daher darin, nicht mit der internationalen Dynamik Schritt zu halten.

Nur durch gemeinsame und gezielte Kraftanstrengungen aller beteiligten Akteure wird es möglich sein, die Innovations-, Wachstums- und Beschäftigungspotenziale der Biotechnologie am Standort Deutschland voll ausschöpfen zu können. Wie groß die Beschäftigungseffekte sind, wurde bisher meist nur für die kleinen Biotechnologieunternehmen und deren Ausstatter untersucht. "Dadurch werden die tatsächlichen Beschäftigungspotenziale der Biotechnologie erheblich unterschätzt", so Nusser. Vor allem für die nachgelagerten Anwenderindustrien und die vorgelagerten Zulieferersektoren gibt es bisher keine vollständigen Beschäftigtenzahlen. Das Fraunhofer ISI hat diese "Forschungslücke" geschlossen und mit seinem bewährten Input-Output-Modell ISIS die Beschäftigungschancen aller Biotechnologie-Teilsegmente (Bereitstellung, Anwendung, Vorleistung) umfassend für die Jahre 2004 und 2020 untersucht:

- Bei der Bereitstellung von Biotechnologie-Know-how in Forschungseinrichtungen, Universitäten, kleinen und mittleren Biotechnologie-Unternehmen und Biotechnologie-Ausstattern sowie Pflanzenzüchtern besteht derzeit ein Beschäftigungspotenzial von rund 90.000 direkten Biotechnologie-Arbeitsplätzen (ohne Vorleistungseffekte). Bis 2020 ist mit einem moderaten Wachstum von 10 bis 20 Prozent zu rechnen.

- Ein erheblich größeres Beschäftigungspotenzial ergibt sich aus der Nutzung der Biotechnologie in bedeutenden Anwenderbranchen. Rechnet man die Zahlen zusammen, so steigen die direkten Beschäftigungseffekte in den nachgelagerten Anwenderbranchen (Pharma-, Chemie- und Lebensmittelindustrie sowie Landwirtschaft und Umweltbiotechnik) bis 2020 im Fall einer "langsamen Biotechnologie-Marktdurchdringung" auf etwa 272.000 und bei einer schnellen Durchdringung auf rund 483.000 an. Zudem gelangen die ISI-Experten zu dem Ergebnis, dass die indirekten Beschäftigungspotenziale der Biotechnologie in den vorgelagerten Zuliefererindustrien größer sind als in der direkten Anwendung: 2020 beispielsweise bewegen sich diese Arbeitsplätze in Zulieferersektoren in einem Korridor zwischen 369.000 und 682.000 Arbeitsplätzen.

Die Studie "Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungspotenziale der Biotechnologie in Deutschland", die im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) vom Fraunhofer ISI und DIW Berlin durchgeführt wurde, kann für 30 Euro bestellt werden unter:

mail@setzkasten.de, Bestellnummer 13197 (ISBN: 978-3-86593-077-4)

Kontakt:
Dr. Michael Nusser
Telefon: 0162 825 34 84
E-Mail: michael.nusser@isi.fraunhofer.de
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI untersucht Marktpotenziale technischer Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinären Forschungsgruppen konzentrieren sich auf neue Technologien, Industrie- und Serviceinnovationen, Energiepolitik und nachhaltiges Wirtschaften sowie auf die Dynamik regionaler Märkte und die Innovationspolitik.

Bernd Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de/pr/presse.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Atypische Beschäftigung: Zunahme bei Teilzeit und Leiharbeit, Zahl der Mini-Jobs geht leicht zurück
18.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

WHZ erhält hochmodernen Prüfkomplex für Schraubenverbindungen

23.05.2017 | Maschinenbau

«Schwangere» Stubenfliegenmännchen zeigen Evolution der Geschlechtsbestimmung

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Tumult im trägen Elektronen-Dasein

23.05.2017 | Physik Astronomie