Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Gründer sind risikofreudiger als ihr Ruf

12.02.2007
Der Wittener Gründungsforscher Dietmar Grichnik attestiert in seiner aktuellen Studie deutschen Unternehmern mehr Risikobereitschaft als ihren amerikanischen Pendants

Mangelnde Risikofreude gilt als eines der größten Gründungshemmnisse in Deutschland. In den USA dagegen, so heißt es immer wieder, bewiesen die Firmengründer wesentlich mehr Risikobereitschaft. Dass diese weit verbreiteten Klischees nicht stimmen und sogar das Gegenteil der Fall sein kann, zeigt der Wittener Wirtschaftsprofessor und Gründungsforscher Dietmar Grichnik in seinem neu erschienenen Buch "International Entrepreneurship".

Prof. Dr. Dietmar Grichnik leitet an der Universität Witten/Herdecke den Lehrstuhl für Corporate Finance & Entrepreneurship. Die Entrepreneurshipforschung als relativ junge wirtschaftswissenschaftliche Disziplin erforscht die Gründung und Entwicklung junger Unternehmen. In seiner Studie, die zur Theoriebildung auf Basis empirischer Forschung beitragen soll, vergleicht Dietmar Grichnik das Entscheidungs- und Risikoverhalten von Unternehmern und Kapitalgebern in China, Deutschland, Israel und in den USA. "Dabei zeigten deutsche Gründer ein risikofreudigeres Verhalten als ihre US-amerikanischen Counterparts", so Grichnik.

Trotz dieses bemerkenswerten Befundes sieht der Wirtschaftswissenschaftler auch landesspezifische Defizite. Soziale und kulturelle Normen wirkten hierzulande nach wie vor als ein Haupthemmnis unternehmerischer Betätigung. Hier gelte es, das Ansehen und das Selbstverständnis der Unternehmer, die durch ihre Innovationen für Wachstum sorgten, zu stärken. Prof. Grichnik: "Wir müssen mit gängigen Stereotypen aufräumen, die ein positives Rollenverständnis des Unternehmers in Deutschland verhindern."

... mehr zu:
»Theoriebildung

Bei der Frage, wie ein Unternehmensgründer Entscheidungen trifft, zeigen sich deutliche Unterschiede zu Nicht-Gründern. "Ein ausgeprägtes Selbstvertrauen mindert die Risikowahrnehmung potentieller Gründer, was die Gründung wahrscheinlicher werden lässt", beschreibt Grichnik ein weiteres zentrales Ergebnis seiner experimentellen Studien. Dieses in der Theorie oft als irrational beschriebene Verhalten böte deshalb erst die Voraussetzung, sich dem Wagnis einer Gründung überhaupt auszusetzen.

Wie stark Risiken wahrgenommen werden, spiele somit bei einer Unternehmensgründung eine größere Rolle als die generelle Einstellung zum Risiko. "Hier bedarf die Entrepreneurshipforschung einer Neuorientierung, die ein derartiges Verhalten nicht a priori als irrational einordnet, sondern im Einklang mit der jeweiligen Risikoeinstellung als durchaus vernünftiges Verhalten erfasst", so Grichnik.

Dietmar Grichnik: International Entrepreneurship. Entscheidungs- und Risikoverhalten von Unternehmensgründern und Venture-Finanziers in kulturellen Kontexten. Theoriebildung und empirische Analysen. Duncker & Humblot Berlin 2006, ISBN 3-428-12265-8

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dietmar Grichnik, Tel. 02302/926-589, grichnik@uni-wh.de

Bernd Frye | idw
Weitere Informationen:
http://wga.dmz.uni-wh.de/wiwi/html/default/corpfinance_profil

Weitere Berichte zu: Theoriebildung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index startet gut ins neue Jahr
22.02.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Indikator: Keine Rezessionsgefahr, keine Anzeichen für konjunkturelle Überhitzung
19.02.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics